BBS-Schüler entwickeln App

Mit dem Smartphone auf den Spuren jüdischen Lebens in Wildeshausen

Die BBS-Schüler haben eine App für Smartphones zur Judenverfolgung in Wildeshasuen entwickelt: Emily Keese, Justin Hansemann und Lukas Görisch (vorne, von links) sowie Bürgermeister Jens Kuraschinski und BBS-Rektor Jens Haar (hinten, von links) hinter den Stolpersteinen der Familie de Vries an der Sägekuhle.
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Die BBS-Schüler haben eine App für Smartphones zur Judenverfolgung in Wildeshasuen entwickelt: Emily Keese, Justin Hansemann und Lukas Görisch (vorne, von links) sowie Bürgermeister Jens Kuraschinski und BBS-Rektor Jens Haar (hinten, von links) hinter den Stolpersteinen der Familie de Vries an der Sägekuhle.

Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) haben eine App entwickelt, um der Opfer des Holocaust zu gedenken. Am Freitag wurde sie vorgestellt.

Wie es wohl war, als die Wildeshauser Juden deportiert wurden? Warfen sie einen letzten Blick auf ihre Heimat, bevor es mit der Bahn nach Bremen und von dort aus in die Vernichtungslager im Osten ging? Ahnten sie, was auf sie zukam? Fragen sie sich, was ihre Nachbarn, Freunde und Kollegen von ihnen dachten? Die meisten, die die Nazi-Zeit selbst miterlebt haben, sind inzwischen sehr alt oder verstorben.

Trotzdem versuchen Institutionen wie die Schulen und der Präventionsrat, das Gedenken an den Holocaust, an die Ermordung der Wildeshauser Juden aufrecht zu erhalten. Und die junge Generation hat dazu durchaus einige Ideen: Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) haben die Smartphone-App „Wildeshauser Stolpersteine“ entwickelt, mit der man auf den Spuren der jüdischen Gemeinde in der Wittekindstadt wandeln kann. Am Freitagvormittag wurde das Projekt vorgestellt.

App enthält vor allem Informationen

Emily Keese, Justin Hansemann und Lukas Görisch von den BBS präsentierten das Programm auf dem Marktplatz. Die App enthält vor allem Informationen – zu den Wildeshauser Juden, ihrem Leben und Verbleib. Die Schüler hatten sich in die Geschichte eingelesen und konnten so weit mehr als nur Angaben wie den Geburtstag oder das vermutete Sterbejahr in die App einbinden. Stattdessen erfahren die Nutzer etwas darüber, wie jüdische Wildeshauser vor und während der Nazi-Zeit lebten. Und zwar in einer Stadt, deren jüdische Gemeinde schon im 14. Jahrhundert nachgewiesen worden ist.

Davon ist heutzutage nicht mehr viel zu sehen. Die Gedenkstele an der Huntestraße, wo einst die Synagoge stand, der jüdische Friedhof an der Delmenhorster Straße und die Stolpersteine an der Huntestraße, der Sägekuhle und der Westerstraße sind sichtbare Überbleibsel. Zu all diesen Orten finden sich Infos in der App. Wer mag, kann sich das auch alles anhören. Die Schüler haben die Texte eingesprochen.

Einfacher Zugriff auf einen Teil der Geschichte der Stadt

So sollen zum Beispiel Touristen, aber natürlich auch alteingesessene Wildeshauser auf den jüdischen Spuren wandeln können. Und möglicherweise wird die App in Zukunft zum Beispiel auf Bulgarisch übersetzt, damit neue Mitbürger ebenfalls leichter Zugriff auf die Geschichte der Stadt haben.

Dass sich in Wildeshausen Jugendliche ganz praktisch mit dem Holocaust beschäftigen, hat Tradition. Seit knapp zehn Jahren wird jedes Jahr ein Staffelstab von einer Schule zur nächsten gereicht, sodass die Gedenkveranstaltungen wie zum Beispiel am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, immer etwas anders ausfallen. In der App ist auch das Youtube-Video zu finden, das die Hunteschüler in diesem Jahr gefilmt haben. Letztere übergaben auf dem Marktplatz auch den Staffelstab an die BBS – leicht verspätet wegen Corona.

Jedes Jahr kümmert sich eine andere Schule um das Holocaustgedenken in Wildeshausen: Max Adrian von Döllen (von links), Lea Wagner, Lena Gonnermann und Juliana Glinke von der Hunteschule übergeben den Staffelstab auf dem Marktplatz an Lukas Görisch, Justin Hansemann und Emily Keese von den Berufsbildenden Schulen.

„Wenn man die Jugendlichen alleine laufen lässt, kommt häufig etwas Gutes dabei heraus“, lobte BBS-Lehrer Matthias Schütte das Engagement seiner Schüler. Und auch Bürgermeister Jens Kuraschinski war voll des Lobes: „Die Stolpersteine können anders erlebt und in den Vordergrund gerückt werden.“ Durch den Umgang mit neuen Medien stünden mehr Informationen für alle zur Verfügung. Damit gelinge es, „die Erinnerungskultur wach zu halten“.

Allerdings war die Entwicklung der App sehr aufwendig. Knapp 500 Arbeitsstunden waren nötig, um das Programm zu schreiben und die Daten einzuarbeiten. Am Freitag waren schon mehr als 300 Downloads verzeichnet, obwohl es bis dahin keine Werbung für das neue Programm gab.

Herunterladen

Die App „Wildeshauser Stolpersteine“ ist für Android- und IOS-Betriebssysteme ausgelegt. Sie kann kostenlos im jeweiligen App-Store heruntergeladen werden.

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