Minderjährige Flüchtlinge bereiten sich in einem Deutschkurs auf den Übergang zur BBS vor / Dozent vom Lerneifer positiv überrascht

Wunsch nach Integration bietet starke Motivation

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Christoph Essing bringt im VfL-Vereinsheim minderjährigen Flüchtlingen Deutsch bei.

Wildeshausen - Im Vereinsheim des VfL am Krandelstadion in Wildeshausen werden zurzeit keine Vereinsangelegenheiten besprochen, sondern es rauchen die Köpfe. Christoph Essing, Dozent der Volkshochschule, bringt seit einigen Tagen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen die deutsche Sprache bei. Das Ziel: Im kommenden Sommer sollen die Jugendlichen an den Berufsbildenden Schulen aufgenommen werden. Die Räume hat ihnen der Verein kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die meisten der rund 20 jungen Männer, die täglich mit einem Bus aus ihren Unterkünften nach Wildeshausen gebracht werden, stammen wie der 17-jährige Hami aus Afghanistan. Obwohl er erst vor etwa vier Monaten nach Deutschland gekommen ist, verstehe er schon ein wenig, erklärt er in einem gebrochenen Deutsch.

Essing selbst ist überrascht, wie motiviert seine neuen Schüler die für sie fremde Sprache erlernen wollen. „Für sie kann es nicht schnell genug gehen“, schildert er. Einige seiner Schützlinge haben in ihrer Heimat eine höhere Schule besucht und können bereits die lateinische Schrift lesen. „Einige aber kennen nur Farsi, also die arabische Schrift.“

Obwohl so viele Jugendliche in dem Raum im Obergeschoss des Vereinsheims zusammensitzen, gebe es keine Reibereien, so Essing. Zurzeit bringt er ihnen Vokabeln zum Themenbereich „Essen und Einkaufen“ bei. Sein Umgang mit den 16- und 17-Jährigen ist kameradschaftlich, er kennt bereits die Stärken und Schwächen seiner Schüler. Und ihre teilweise traumatischen Erlebnisse auf der Flucht.

Arian (16) beispielsweise gelangte größtenteils zu Fuß über die Balkanroute von Afghanistan nach Deutschland. 45 Tage dauerte seine Reise. Der gleichaltrige Bakonye floh aus Mali vor den Truppen von Boko Haram über Libyen und Lampedusa. Deutschland gefalle ihnen sehr gut, sagen die Jugendlichen einmütig. „Wir haben Essen, können zur Schule gehen und leben hier in Sicherheit“, erläutert Arian. „Außerdem sind die Deutschen sehr nett zu uns.“

Das kann Ibrahim aus Guinea nur bestätigen. Er lebt seit knapp drei Monaten in Ganderkesee und möchte so schnell wie möglich an einer „echten“ Schule, wie er es nennt, mit deutschen Schülern zusammen lernen. Seine Mitschüler nicken zustimmend.

Welchen Beruf sie später ergreifen möchten, wissen die jungen Männer noch nicht so genau. Hami interessiert sich sehr für Grafik und Fotografie. Bakonye und Ibrahim hingegen haben außer dem Lernen nur Fußballspielen im Sinn. Nur an das deutsche Wetter müssen sie sich noch gewöhnen. „Es ist doch sehr kalt hier“, meint Ibrahim.

fio

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