Sozialarbeiter helfen gekündigten Klienten bei Behördengängen

Migranten leiden besonders unter der Krise

Gespräch durch die Kunststoffscheibe: Izabela Cholewa (rechts) hat in der Migrationsberatungsstelle zurzeit viel zu tun. 
Foto: Bor
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Gespräch durch die Kunststoffscheibe: Izabela Cholewa (rechts) hat in der Migrationsberatungsstelle zurzeit viel zu tun.

Wildeshausen – Seitdem die Coronakrise ausgebrochen ist, müssen sich die Migrationssozialarbeiter der Diakonie in Wildeshausen vermehrt mit Kündigungen beschäftigen. Sie betreuen neben geflüchteten Menschen auch Arbeitsmigranten aus Osteuropa. „Viele Zeitarbeitsfirmen machen sich nicht die Mühe, Kurzarbeit zu beantragen“, sagt Kira Allner, die das lokale Team der Diakonie von Delmenhorst aus leitet. In anderen Fällen seien die Klienten der Beratungsstelle bei der Kündigung noch in der Probezeit gewesen oder ihre befristeten Verträge würden einfach nicht verlängert. „Wenn wir das Gefühl haben, sie sind über den Tisch gezogen worden, leiten wir sie an einen Anwalt weiter“, so Allner .

Um sich online arbeitslos melden zu können, müssen viele Ratsuchende wegen der Sprachbarriere unterstützt werden. Eine telefonische Beratung mit Registrierung und Nachweis der betriebsbedingten Kündigung kann bis zu zwei Stunden oder mehr dauern. „In einer persönlichen Beratung können wir Sprachprobleme mitunter kreativ angehen: Wir versuchen dann etwa, uns mit kleinen Zeichnungen verständlich zu machen“, erzählt Allner.

Kurz vor dem Gespräch mit unserer Zeitung hat ihre Kollegin Izabela Cholewa, die mit Nizmiye Acar, in der Beratungsstelle im Wildeshauser Bahnhof arbeitet, noch mit drei Osteuropäern vor der Tür gesprochen. Sie sind gekommen, weil sie Hilfe bei Dokumenten brauchen. Das geht in Zeiten von Corona nur mit Termin, denn die Migrationsberaterinnen versuchen, alle Anliegen telefonisch und nicht im persönlichen Gespräch zu klären.

Nur in ganz dringenden Fällen ist es möglich, direkt mit Cholewa oder Acar zu sprechen. Dafür hat die Diakonie jetzt eine durchsichtige Kunststoffwand angeschafft. „Bei häuslicher Gewalt würden wir das zum Beispiel machen“, sagt Acar. „Aber dieser Fall kam zum Glück noch nicht vor.“

Dass ein hoher Beratungsbedarf vorhanden ist, merken die Sozialarbeiterinnen besonders zu Anfang jeder Woche. „An einem Montag haben 13 Leute ans Fenster geklopft“, berichtet Cholewa. Da das Büro im Erdgeschoss liegt, nutzen viele Klienten diese Methode. Durch das Fenster können sie und die Beraterinnen sich zumindest halbwegs verständigen. Oft geht es um Kündigungen oder Schreiben vom Jobcenter sowie anderen Behörden.

Während einige Ämter wieder geöffnet haben, gibt es zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit noch keine Termine für die Klienten der Migrationsberatung. Die Wartezeit muss aber nicht verschwendet werden. „Man kann auch bei der Volkshochschule ein Bewerbungstraining machen. Und wir aktualisieren auch mal Lebensläufe“, betont Acar, dass die Menschen, die Hilfe suchen, nicht allein gelassen werden.

Nur ausnahmsweise persönliche Gespräche

Allerdings erschweren die Corona-Regeln das Alltagsgeschäft der Sozialarbeiter. Zum Beispiel, wenn es darum geht, bei Krankenkassen im Interesse ihrer Klienten nachzufragen. Dafür ist eine unterschriebene Schweigepflichtentbindung nötig. Das ist normalerweise schnell erledigt, aber ohne persönliches Gespräch schwer zu vermitteln. Auch wenn Dokumente bei Anträgen für Wohn- oder Kindergeld fehlen, dauert es aktuell oft länger, weil viele Klienten ihre Unterlagen in den Briefkasten der Diakonie werfen. So können die Mitarbeiterinnen nicht sofort prüfen, was vielleicht noch benötigt wird.

In der Coronakrise haben die Beraterinnen auch Anträge auf Notbetreuung in Kitas gestellt. „Wenn die Kinder drei Monate kein Deutsch sprechen, merkt man das schon“, befürchtet Acar, dass die Mädchen und Jungen andernfalls zurückfallen würden. „Bis jetzt wurde alles bewilligt“, freut sie sich.

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