Michaela Meyer berichtet, wie sich ihr Leben an einem Tag für immer änderte

Unfassbarer Unfall bewegt BBS-Schüler

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Michaela Meyer und Polizeikommissar Achim Wach informierten die Schüler.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Ärzte hatten Michaela Meyer schon aufgegeben: Fünf Monate lag die Lastruperin nach einem Autounfall im Koma und musste 15 schwere Operationen über sich ergehen lassen. Am Donnerstag berichtete sie Schülern der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Wildeshausen, wie sich ihr Leben an einem Tag für immer veränderte.

„Was ich mitgemacht habe, ist die Hölle“, sagte sie und gab den Schülern einen Rat mit auf den Weg: „Macht den Mund auf, wenn etwas schief läuft.“ Vor 14 Jahren sagt niemand etwas, als die damals 18-Jährige nach einer langen gemeinsamen Partynacht mit ihrem gleichaltrigen Freund ins Auto steigt. Er sitzt hinterm Steuer, beide sind übermüdet. Morgens haben sie noch gearbeitet. Auf der B213 bei Löningen passiert es: Ihr Freund nickt ein, schreckt hoch, lenkt panisch gegen und der Polo rauscht gegen einen Baum.

„Lebensgefährliche Verletzungen“ heißt es oft in Polizeimeldungen. In diesem Fall klingt das zu milde. Statt aufzuzählen, was bei ihr alles gebrochen, gerissen und durchbohrt wurde, sagt Meyer: Arme und Gesicht sind heil geblieben.

Als ihre panische Mutter im Krankenhaus ankommt, raten ihr die Ärzte: „Gehen Sie zu Ihrer Tochter und verabschieden Sie sich. Sie wird die nächsten Stunden nicht überleben.“ Doch Meyer überlebt. Gegen jede Wahrscheinlichkeit. Die 18-Jährige liegt fünf Monate im Koma, und die Ärzte operieren mehrfach, um sie zu retten. Noch heute ist sie auf den Rollstuhl angewiesen und hat dauerhafte Hirnschäden, wegen denen sie kaum laufen kann.

„Niemand weiß, warum sie überlebt hat“, sagt Polizeikommissar Achim Wach, der mit Meyer und der Notärztin Almut Opolka an den BBS zu Gast ist, um die Schüler für Unfallgefahren zu sensibilisieren.

Meyers Mutter zog mehrmals gegen die Krankenversicherung vor Gericht, um Operationen und Hilfen zu bekommen. „Wie viel Mut hätte die Mutter gehabt, wenn ihre Tochter zu einem betrunkenen Fahrer ins Auto gestiegen wäre? Wenn sie sich nicht angeschnallt hätte?“, fragt der Polizist rhetorisch.

Meyer sagt über sich, sie sei ein Dickkopf. Die linke Hand der Linkshänderin ist taub, sie nutzt die rechte. „Ich kann Ärzten Konkurrenz machen“, meint sie und lächelt. „Weil ich genauso unleserlich schreibe.“ Die humorvolle Frau gestaltet seit zehn Jahren mit Wach und Opolka Vorträge. „Jetzt macht mein Unfall Sinn“, sagte Meyer, nachdem sie zum ersten Mal über ihr Schicksal berichtet hatte. Inzwischen hat sie für ihre Aufklärungskampagne das Bundesverdienstkreuz bekommen.

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