Michael Witten erfüllt sich einen Traum: Als Passagier auf dem zweitgrößten Containerschiff der Welt

Auf einem „Riesen“ durch den Suezkanal

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Michael Witten am Ruder einer großen Segelyacht.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Es sind die Straße von Malakka und der Suezkanal, die den Wildeshauser Michael Witten ganz besonders reizen. Diese Wasserstraßen kann er schon bald aus nächster Nähe sehen. Aber nicht etwa vom Deck eines Kreuzfahrtschiffes, sondern von der Brücke des zweitgrößten Containerschiffes der Welt, der „CMA CGM Marco Polo“. Morgen geht er in Hamburg an Bord des 396 Meter langen und 54 Meter breiten Ozeanriesen.

Der 66-Jährige erfüllt sich damit einen lang gehegten Traum, von dem er dachte, dass er nicht mehr in Erfüllung geht. „Seitdem ich einen Filmbericht über das damals in Dienst gestellte größte Containerschiff der Welt, die „Emma Maersk“ (10000 TEU, 10000 20-Fuß-Container) gesehen habe, begleitet mich der Wunsch, einmal auf einem solchen Schiff als Passagier mitfahren zu dürfen“, sagt Witten. Die Recherche über die Mitfahrgelegenheit habe jedoch ergeben, dass die Reederei Maersk keine Passagiere an Bord gewerblicher Schiffe mitnimmt.

„Nach dem Verkauf der Anteile an meiner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Reduzierung auf einen Beratervertrag, habe ich das Thema jetzt nochmals aufgegriffen“, betont Witten. Und im Herbst sei er fündig geworden: „Auf den Schiffen der CMA-CGM-Reederei ist eine Mitreise tatsächlich möglich.“ Somit sei es das derzeit zweitgrößte Containerschiff, die „Marco Polo“ (16020 TEU), geworden: „Sie wird nur noch von der unter MSC laufenden ,Oscar‘ (19224 TEU) übertroffen.“

Morgen heißt es dann, die 33 Quadratmeter große Kabine im oberen Deck zu beziehen. Diese verfügt über ein Badezimmer und eine Sitzecke. Selbst bei Vollbeladung ist durch zwei Seitenfenster der Blick nach draußen möglich. Diese Kabine ist für Witten das Zuhause für 59 Tage, in denen rund 20000 Kilometern zurückgelegt werden. „Zum weiteren Komfort zählen eine Lounge mit TV, eine kleine Bibliothek, ein Fitnessraum und, nicht zu vergessen, ein kleiner Swimmingpool“, betont Witten.

Aber warum auf ein Container- und nicht auf ein hochmodernes Kreuzfahrtschiff? „Für mich liegen Vorteil und Reiz darin, dass ich wie ein Teil der Besatzung aufgenommen werde und tatsächlich auch den uneingeschränkten Zugang zu allen Teilen des Schiffes habe. Dazu gehört auch die Brücke“, erklärt Witten. Er wolle den Aufenthalt auf dem Riesen auf die Technik des Schiffes fokussieren: „Außerdem auf die Logistik des Containerverkehrs und die Navigation, für die ich ohnehin ein Faible habe.“ Außerdem auf die Wetterkunde. Alles mit dem eigenen Wunsch, auf der Reise einen maritimen Jakobsweg zu finden.

„Mit meiner mehr als 50-jährigen Hochsee-Segelerfahrung mit zwei Atlantiküberquerungen auf 16-Meter Yachten, interessiert mich insbesondere der seemännische Umgang mit einem Schiff solcher Größenordnung“, sagt Witten. Dies beziehe sich auf Hafenmanöver ebenso wie auf die Fahrten bei Starkwind und großen Wellen: „Immerhin bringt es dieser Koloss auf 24 Knoten, mehr als 44 Kilometer.“ Außerdem sei es sicherlich eine einzigartige Erfahrung, die weltgrößten Ozeane sowie viele Länder und Häfen kennenzulernen: „Hinzu kommt die alltägliche Bordroutine, die ich mit der Crew teilen werde.“

Sehr gespannt ist der Wildeshauser schon auf die Straße von Malakka: „Dort gibt es sehr viele große Schiffe zu sehen, diese Meerenge ist die kürzeste Verbindung in Richtung Indischer Ozean.“ Spannend werde sicherlich auch die Fahrt durch den Suezkanal: „Auf einer Strecke von 170 Kilometern fahren die Schiffe im Konvoi nur in eine Richtung durch die Wüste. Begegnungsverkehr ist aufgrund der geringen Breite nicht möglich.“

Klar sei dem Wildeshauser, dass es aufgrund des schnellen Umschlags der Container keine langen Hafenliegezeiten mehr gibt und damit das Interesse an Land und Leuten in den Hintergrund rücken müsse.

Nach 59 Tagen geht Witten schließlich am 20. September in Kua Lalumpur von Bord: „Nach drei Tagen fliege ich dann zurück.“

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