Mexikanisch-deutschen Austausch vor 46 Jahren ins Leben gerufen

Wenn die Wittekindstadt mexikanisch wird

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Die Gastfamilien und die mexikanischen Austauschkinder trafen sich am Freitag auf dem Wildeshauser Marktplatz.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Gut zwei Dutzend mexikanische Kinder machen gemeinsam mit ihren Wildeshauser Spielkameraden den Marktplatz unsicher: Dieses Bild bietet sich in der Wittekindstadt jeden Sommer. Denn die Wildeshauserin Angelica Hüls organisiert gemeinsam mit ihrer in Mexiko lebenden Mutter Bruni Hüls einen mexikanisch-deutschen Austausch, den Bruni Hüls bereits vor 46 Jahren ins Leben gerufen hatte.

„In Mexiko ist es für Kinder gefährlich, allein umherzuziehen“, erklärt Angelica Hüls. „Die Kriminalität ist hoch, und in den größeren Städten kommt die Gefahr durch den Straßenverkehr hinzu.“ Fahrrad fahren sei völlig unmöglich. „Umso mehr genießen die Austauschschüler das hier.“

Die Mexikanerin hat die erste Hälfte ihres Lebens in der Wahlheimat ihrer Mutter verbracht, wanderte dann aber mit 28 Jahren mit ihren zwei Söhnen auf eigene Faust in ihr Herkunftsland mütterlicherseits aus. Zuerst lebte sie in Papenburg und fand schließlich nach Wildeshausen, wo vor neun Jahren der dritte Sohn geboren wurde.

In seinem jungen Leben hat auch Niklas bereits dreimal die Oma in Mexiko besucht – so richtig kann er sich allerdings gar nicht daran erinnern, denn das letzte Mal ist bereits vier Jahre her. Nun hat er dafür daheim einen mexikanischen Austauschschüler zu Gast – den neunjährigen Mauricio. „Wir nehmen selbst zum ersten Mal als Gastfamilie an dem Austausch teil, denn die Kinder müssen natürlich zueinander passen, vom Alter und von den Hobbys her“, so Hüls.

Neun- bis 14-jährige Mexikaner dürfen an dem Austausch teilnehmen – wenn sie wollen, auch jedes Jahr. Die Eltern müssen die Reise selbst finanzieren. „Oft ergibt sich ein guter und lang andauernder Kontakt zu den Gastfamilien – und manchmal reisen die deutschen Familien sogar irgendwann selbst nach Mexiko, um die Familie ihres Gastkindes zu besuchen“, so Hüls.

In diesem Jahr nehmen vier Wildeshauser Familien an dem Austausch teil, außerdem mehrere Familien aus der näheren Umgebung, aber auch aus Papenburg, Nordhorn und aus Bruni Hüls‘ Geburtsstadt Krefeld.

Die Wahlmexikanerin wanderte vor etwa 50 Jahren aus. „Das war kurz vor den Olympischen Spielen in Mexiko. Ich habe anfangs drei Jahre lang als Trainerin im olympischen Komitee gearbeitet, gleichzeitig aber auch schon als Sportlehrerin an einer deutschen Schule angefangen.“ So knüpfte Bruni Hüls erste Kontakte für den Austausch, an dem mittlerweile sechs mexikanische Schulen sowie die deutsche Schule, an der Hüls unterrichtet, teilnehmen.

Irgendwann nahmen auch ihre Kinder an dem Austausch teil – und nun auch ihre Enkel. Nicht nur auf deutscher, sondern auch auf mexikanischer Seite, denn während Angelica Hüls nach Deutschland ausgewandert ist, leben Bruni Hüls‘ Söhne weiter in Mexiko. Durch den regelmäßigen Austausch haben sich auch ihre Enkelsöhne schon kennengelernt. Auch in diesem Jahr ist der 13-jährige Sebastièn wieder dabei. Die Altersspanne zum neunjährigen Niklas ist jedoch recht groß – und so unternehmen die Jungs beide eher etwas mit ihrem jeweiligen Partnerkind.

„Mit Mauricio war ich schon im Fußballcamp – Fußball ist das Hobby von uns beiden“, erklärt Niklas. „Außerdem fahren wir viel Fahrrad und wir waren natürlich schwimmen – das wollen wir noch öfter machen.“ Sechs Wochen verbringen die Mexikaner in Deutschland. Abgesehen von Ausflügen, erleben sie den Alltag in den Gastfamilien und verbessern ihr Deutsch, das die meisten schon recht gut sprechen. Wenn Schulzeit ist, begleiten sie ihre Partnerkinder in den Unterrricht.

Die deutschen Kinder lernen dabei auch ein wenig von der mexikanischen Kultur. Das beginnt schon mit den Gastgeschenken. „Typische Mitbringsel sind Sombreros und Tequila – dann natürlich für die Erwachsenen – oder mexikanisches Kunsthandwerk“, so Hüls.

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