Im Mehrgenerationenhaus treffen sich wöchentlich Flüchtlinge an Herd und Küchentisch

Gemeinsam kochen, essen und lernen

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Linda Vietor (M.) kocht mit Menschen vieler Nationen im Mehrgenerationenhaus.

Wildeshausen - „Wir lesen, was wir kochen“, heißt ein Programm, das Linda Vietor seit einigen Wochen im Mehrgenerationenhaus in Wildeshausen anbietet. „Dabei kochen wir nicht mit ‚den Flüchtlingen‘, sondern mit Omar, Adnan, Mohammed, Jalal, Salar, Rawa, Hanadi, Susann und vielen anderen Männern und Frauen, die in den vergangenen Wochen ihre Heimat in Syrien verlassen mussten und über verschiedene Fluchtwege nach Deutschland kamen“, macht Vietor deutlich, dass es wichtig sei, die Menschen hinter dem Begriff „Flüchtlinge“ kennenzulernen. „Wir erfahren von ihren zu Herzen gehenden Schicksalen in Syrien und versuchen, mit dem gemeinsamen Kochen von ihren Gedanken an ihre zurückgelassenen Familien, Eltern, Freunden, Haus und Hof abzulenken.“

Jeden Freitagnachmittag beginnt das „große Gewusel“ mit den vielen fremden Stimmen im Mehrgenerationenhaus. Nicht lange danach duftet es nach wohlriechenden Gewürzen. Männer und Frauen bereiten gemeinsam unter der Anleitung von Ferial Abdalo und Vietor das Essen vor, sie schrubben, schnibbeln das Gemüse, waschen das Getreide wie Bulgur, Reis, Weizen und Hirse in der Küche und den angrenzenden Räumen. Die Kinder der Hausaufgabenbetreuung stecken neugierig ihre Nasen in die Küche und fragen, ob sie mitessen dürfen.

Nach zwei Stunden gemeinsamer Arbeit und vielen Gesprächen mit dem Erlernen der deutschen Sprache ist das Essen fertig und alle setzen sich an den großen Tisch, um die Mahlzeit einzunehmen.

„Das vom Land Niedersachsen über den Landkreis Oldenburg geförderte Projekt zur Elternarbeit und frühen Hilfen für Migrationsfamilien ist hier richtig angekommen“, stellte Corinna Busch als zuständige Betreuerin des Landkreises während ihres Besuches wohlwollend fest. Auch der stellvertretende Leiter des Mehrgenerationenhauses, Marc Claussen, bestätigt: „Dieses generationsübergreifende Projekt ist hier richtig aufgestellt. Wir begrüßen das Miteinander der verschiedenen Gruppen am Freitagnachmittag in unserem Haus sehr.“

„Nach dem Essen gibt es noch viele Anliegen, Belange und Wünsche der Männer und Frauen zu erfüllen“, berichtet Vietor. So diene das Zusammentreffen nicht nur dem gemeinsamen Kochen, Essen und Erlernen der Sprache, sondern auch der Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche, bei Behördenangelegenheiten und vielen anderen Alltagsproblemen. Zur Zeit warten Jala, Salar, Omar, Mahmod und all die anderen auf ihre Ausweise, mit denen sie endlich die Erlaubnis zur Arbeitsaufnahme bekommen.

dr

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