Mehr Schnittverletzungen und rauer Ton

Gefahr durch Mähroboter: Michaela Granel päppelt Igel auf

Michaela Granel hält einen Igel in ihrer Hand
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Seit über 20 Jahren pflegt die Wildeshauserin Michaela Granel die stacheligen Vierbeiner.

Wildeshausen – Im Winter sind die Nächte von Michaela Granel meistens kurz. Mitunter steht sie alle zwei Stunden auf, um ihren Schützlingen die Flasche zu geben. „Zur Zeit kann ich von 22 bis 4 Uhr morgens schlafen. Das geht“, schmunzelt die Igel-Mutter.

Seit über 20 Jahren pflegt die Wildeshauserin die stacheligen Vierbeiner. Aktuell päppelt sie zehn unterernährte Igel auf. „Je nach Pflegeaufwand kann ich maximal 17 oder 18 aufnehmen. Sonst ist die Versorgung nicht mehr gewährleistet“, erklärt sie. Wenn möglich, sollen sich die Tiere noch genug Speck anfuttern, um in Freiheit in den Winterschlaf zu gehen.

Fraglich, ob sie in der Natur zurechtkommen

Bei zwei von ihnen ist es allerdings fraglich, ob sie jemals wieder in der Natur zurechtkommen. Ein Igel hat nach einer Nasenverletzung keinen Geruchssinn mehr und ein weiterer einige Zehen verloren. „Vielleicht muss sein Bein amputiert werden. Dann hat er in freier Wildbahn keine Chance“, erläutert Granel. In diesem Fall würde ihn eine Freundin aufnehmen, die eigens einen Garten für Handicap-Igel eingerichtet hat.

Dieser Igel muss noch ordentlich wachsen, bis er sein Auswilderungsgewicht erreicht hat.

Sie vermutet, dass sich beide Igel die Verletzungen durch Mähroboter zugezogen haben. In den vergangenen Jahren hätten diese Verstümmelungen deutlich zugenommen. „Insbesondere in der Dunkelheit sind die Mäher eine große Gefahr für die nachtaktiven Tiere“, sagt sie. Anstatt vor den Mähern zu flüchten, rollen sich die Stacheltiere bei Gefahr zu einer Kugel zusammen und erstarren. Oft erleiden die Tiere durch die scharfen Messer massive Verletzungen. Vor allem aufgrund ihrer Körpergröße sind junge Igel besonders gefährdet. Hilfreich wäre es bereits, wenn Gartenbesitzer ihre Mähroboter nachts in der Garage lassen würden. Nicht nur die Gefahren für die stacheligen Insektenfresser hätten sich in den zurückliegenden Zeiten verändert. „Der Ton ist rauer geworden“, berichtet die ehrenamtliche Igel-Mutter.

Igel im Karton einfach vor der Haustür abgestellt

„Als ich mit der Pflege anfing, waren die Finder dankbar, dass ich ihnen die Igel abgenommen habe. Heute stellen sie Forderungen.“ Viele hielten es für eine Selbstverständlichkeit, dass die berufstätige Familienmutter die gefundenen Tiere abhole und rund um Uhr die Zeit habe. Auch finde sie immer wieder Kartons mit Igeln, die einfach vor ihrer Haustür abgestellt worden sind. „Einer war sogar zugeklebt. Es war ein Wunder, dass der kleine Kerl darin nicht erstickt ist“, erinnert sie sich. Mittlerweile nimmt Granel nur noch Igel von Tierärzten an. Sie habe schon häufiger daran gedacht, mit der Pflege aufzuhören. Mehrere ihrer Kollegen hätten das schon gemacht. „Ich überlege inzwischen von Jahr zu Jahr. Wenn die Igel aber irgendwann in die Natur hinaus butschern dürfen, macht das so viel Spaß, dass ich doch weiter mache“, erzählt die Igel-Mutter. „Außerdem nehmen wir der Natur sehr viel. Deshalb können wir ihr auch etwas zurückgeben.“ Menschen, die augenscheinlich unterernährte Tiere finden, empfiehlt Granel zwei Internetauftritte. Besonders informativ seien www.pro-igel.de sowie www.igelkomitee-hamburg.de.

Womöglich ein Mähroboter-Opfer: Dem Igel wurden einige Zehen abgetrennt.

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