Bewohner der Diakonie leben jetzt auch an der Heidloge

Für mehr Eigenständigkeit

Ein Wagen der Diakonie Himmelsthür parkt an der Wohnanlage an der Heidloge in Wildeshausen. Dort leben zehn geistig behinderte Menschen mit niedrigem Assistenzbedarf. Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Inzwischen gehören sie zum Wildeshauser Stadtbild: Geistig behinderte Menschen, die früher auf dem Zentralgelände der Diakonie Himmelsthür an der Dr.-Klingenberg-Straße untergebracht waren. 87 Plätze an mehreren über die Stadt verteilten Standorten stehen dafür zur Verfügung; der neueste ist die Wohnanlage der GSG Oldenburg an der Heidloge, die dieses Jahres fertiggestellt wurde. Inzwischen leben dort zehn Menschen, die von der Diakonie betreut werden, in ihren eigenen Wohnungen. Und das „ohne dass die Öffentlichkeit es so richtig wahrgenommen hat“, sagt Jörg Arendt-Uhde, Regionalgeschäftsführer der Himmelsthür. Alle insgesamt 57 Wohneinheiten an der Heidloge unterliegen der Mietpreisbindung von 5,60 Euro pro Quadratmeter.

Die Abkehr von der zentralen Unterbringung ist seit zehn Jahren eine zentrale Leitlinie der Diakonie, bei der das Ganze unter der Bezeichnung Konversion läuft. Die sollte eigentlich mittlerweile abgeschlossen sein, wurde aber bis 2023 verlängert (wir berichteten). In Zahlen ausgedrückt lebt von den rund 400 Himmelsthür-Kunden, wie Arendt-Uhde die Menschen nennt, etwa die Hälfte nicht mehr an der Dr.-Klingenberg-Straße. Viele sind auch außerhalb Wildeshausens in Harpstedt, Delmenhorst und Sandkrug untergebracht. Kommendes Jahr sollen 80 weitere Plätze in Kirchweyhe, Hude und Goldenstedt einzugsbereit sein. Die Diakonie arbeitet an einem weiteren Projekt im Landkreis Diepholz, will dazu aber noch keine Details veröffentlichen.

Bei der GSG hat die Diakonie elf 50-Quadratmeter-Wohnungen angemietet. Eine ist für den Mitarbeiter, der im Alltag hilft, zum Beispiel beim Einkaufen oder einfach als Ansprechpartner. Das sei eine „aufsuchende Assistenzleistung“ beschreibt Arendt-Uhde die Tätigkeit. Nachts sei die Betreuung über eine Rufbereitschaft sichergestellt. „Dort leben Menschen, die so selbstständig sind, dass sie anrufen können, wenn sie Hilfe benötigen“, sagt er.

Dass die Bewohner ihr Leben in die eigene Hand nehmen, ist eine Maxime der Himmelsthür. Am Beispiel eines Bewohners beschreibt Pressesprecher Oliver Brinkhus den Alltag in den Wohnungen an der Heidloge. Herr Neumann, wie er hier heißen soll, brauche Unterstützung beim Einkaufen und Kochen. Die bekomme er aus dem Mitarbeiterbüro. „Die Kollegen sind Mitdenker und geben Hilfestellung bei alltäglichen Dingen“, sagt Brinkhus. So auch beim Verarbeiten der gemeinsam eingekauften Lebensmittel. Am Ende stehe eine weitgehend selbst zubereitete Mahlzeit, auf die Herr Neumann stolz sei. Mit jedem Einkauf lerne er dazu.

Überhaupt werden die Bewohner angehalten, vieles selbstständig zu tun. Der eine geht ins Fitnessstudio, seine Nachbarin schaut nach ihrem Pferd. Ein dritter geht mit dem Hund einer befreundeten Familie Gassi.

„Wer im Wohnbereich an der Heidloge angekommen ist, hat über einen langen Zeitraum gelernt, selbst für seinen Lebensalltag zu sorgen“, sagt Brinkhus. Die Menschen hätten große Entwicklungsschritte durchlaufen. Das könnten aber nicht alle bei der Diakonie lebenden Menschen. „Viele sind nicht so selbstständig“, betont er. So soll ein Teil der Menschen dauerhaft auf dem Zentralgelände bleiben.

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