Mathias Kopetzki spielt „Dreck“ in der Volkshochschule

Dann wird Sad verrückt

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Für „Dreck“ wird Mathias Kopetzki zum illegalen Rosenverkäufer Sad.

Wildeshausen - Von Melina Bokop. Es sind Zeiten, in denen viele negative Gefühle in Bezug auf Fremde im Umlauf sind: Angst, Unsicherheit, Ablehnung, Schuldgefühle. Am Freitagabend wurde in der Volkshochschule Wildeshausen das preisgekrönte Theaterstück „Dreck“ von dem österreichischen Autor Robert Schneider aufgeführt. Und das spricht all diese Gefühle ganz offen an.

Die Inszenierung handelt von einem arabischen Flüchtling namens Sad, der illegal als Rosenverkäufer in Deutschland lebt und sich täglich mit diesen Empfindungen konfrontiert sieht. Sowohl von außen als auch von innen.

Der Berliner TV- und Theaterschauspieler Mathias Kopetzki spielt dieses Stück aus Leidenschaft und aus der Überzeugung heraus, dass er dem Publikum einige der Gefühle näher bringen kann.

Vor 20 Jahren war „Dreck“ ein viel gespieltes Theaterstück und vor 16 Jahren wurde Kopetzki im Schauspielhaus Köln das erste Mal für diese Rolle besetzt. „Ich hielt es damals für etwas überspitzt“, sagte Kopetzki. Die Umstände wären ganz anders gewesen: „Das war noch vor dem 9. September und lange vor den Silvesterübergriffen im vergangenen Jahr.“ Anfang 2015 hätte er gemerkt, dass das Thema des Theaterstücks jetzt genau in die Zeit passe und hat es wieder in sein Repertoire aufgenommen. Allerdings sei es jetzt ganz anders inszeniert als vor 16 Jahren. Aber „Dreck“ polarisiere heute viel mehr als vor 16 oder 20 Jahren. Seit vielen Monaten sei die Situation der Flüchtlinge Thema Nummer eins in der Politik und der Gesellschaft. „Damals hieß es noch Willkommenskultur, jetzt Flüchtlingskrise“, sagte der Solist. Die Akzeptanz, die noch vor sechs Monaten herrschte, sei weitgehend verschwunden. Sie sei der Angst, Unsicherheit und teilweise auch dem Rassismus gewichen: „Ich möchte durch das Stück eine Art Perspektivenwechsel schaffen.“ Er wolle durch dieses provozierende Stück zeigen, wie sich die Betroffenen durch die stetige Ablehnung in den Medien und im Alltag fühlen könnten.

Seit April ist er mit seiner Improvisationsversion bereits 25 Mal aufgetreten. „Das Stück spielt in dem Zimmer, in dem Sad lebt und passt sich immer der jeweiligen Bühne an“, so Kopetzki. Er sei bereits in Kirchen, alten Kinos, Kulturzentren und Theatern aufgetreten. Diese wechselnden Bühnen würden sehr gut zu der Inszenierung passen, da auch die Flüchtlinge an vielen unterschiedlichen Orten untergebracht seien.

Die Resonanz des Stückes sei ganz unterschiedlich, doch meistens wären es um die 50 Zuschauer. In dieser Woche tritt Mathias Kopetzki zweimal in einer Schule auf. Jeweils vor 60 Kindern. „Die Schulleitung hatte mir angeboten nur einmal auftreten zu müssen. Aber ein Stück wie dieses lebt von der Intimität.“ Vor 60 Zuschauern sei es genau richtig. 400 oder 500 Personen würden eine ganz andere Show erwarten, die er als Solokünstler nicht stemmen könne.

Sad sei zwar eine Kunstfigur, die gewollt überspitzt ist und den Zuschauer provozieren solle, doch hinter dieser herausfordernden Fassade stecke auch ein Fünkchen Wahrheit. „Der Protagonist fühlt sich unsicher, unwürdig, ,dreckig‘ und weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Er hat so viel Angst, dass er sich kaum aus seinem Zimmer traut“, erklärte er. All die Vorwürfe und Zweifel die ihm entgegen gebracht würden, richte Sad irgendwann auch gegen sich selbst. Aus der Unsicherheit heraus, wie er mit der Situation klar kommen soll, wird er schließlich sogar verrückt. Nach der Meinung von Kopetzki, sei es durchaus denkbar, dass sich viele Flüchtlinge eingeschüchtert fühlen. Es sei gut möglich, dass sie wirklich Angst haben, vor die Tür zu gehen.

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