Besuch in der Kläranlage

Klärwerk-Führung: Manchmal stinkt es eben

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Matthias Schnieder erklärte den Besuchern, wie das Wildeshauser Abwasser gereinigt wird.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Der Besuch der Wildeshauser Kläranlage kann einem manchmal ganz schön stinken. So sind die Container, in denen die aus dem Abwasser gesammelten Feststoffe gelagert werden, ziemlich anrüchig. Anlagen-Leiter Matthias Schnieder zeigte jetzt einigen Interessierten, wie das Brauchwasser der Stadt Wildeshausen wieder zu Nutzwasser wird, und öffnete manche Luke mit Inhalten, die bei den Besuchern zum Nasenrümpfen führten.

Es ist für uns so einfach geworden. Die Toilettenspülung wird betätigt, und schon verschwindet alles im Wasserstrudel. Doch spätestens in der Kläranlage kommt das meiste davon wieder zum Vorschein – und sorgt für einige Probleme. Das Toilettenpapier beispielsweise. Rund 20.000 Rollen werden durchschnittlich durch Wildeshausens etwa 80 Kilometer langes Kanalsystem gespült. Das Papier löst sich zu großen Teilen nicht auf, sondern muss im Klärwerk aus dem Wasser gefischt werden. „Viel schlimmer sind aber die Feuchttücher“, erklärte Schnieder. „Das ist nämlich kein Papier, sondern Kunststoff.“ Die Tücher seien sehr stabil und klumpten sich so fest zusammen, dass sie für Verstopfungen sorgten. „In südlichen Ländern werden Papier und Tücher in einem Extra-Eimer gesammelt“, so Schnier. „Das wäre auch bei uns besser.“

In der Anlage werden die Feststoffe jedenfalls ebenso wie Sand und Fett aus dem Wasser gezogen. Die Feststoffe gehen auf die Mülldeponie. Das Fett wandert in den Faulturm. Das aufgefangene Gas kann dort energetisch genutzt werden.

Rund 3200 Kubikmeter Wasser kommen täglich in der Kläranlage an. Bei Starkregen kann die Menge auf bis zu 9000 Kubikmeter anschwellen, denn immerhin gibt es in Wildeshausen 3000 Gully-Deckel. „Aber wir kriegen das alles in den Griff“, so Schnieder. Er ist seit 1992 auf der Anlage und hat ziemlich viel erlebt, sodass ihn nichts mehr aus der Ruhe bringt. Die Anlage selbst gibt es seit 1961. Vorher waren die Abwässer oberirdisch durch die Innenstadt geflossen. „Ein Fest für die Ratten“, sagt Schnieder.

Ja, früher war vieles anders. Da gab es in den Klärwerken sogar Galerien, wo die angeschwemmten Dinge ausgestellt wurden: Spielzeug, Gardinen, Eheringe. „Ich hatte mal jemanden, der nach einem Gebiss gefragt hatte“, so Schnieder. „Das wollte er aber nicht wiederhaben. Es ging eher darum, der Versicherung einen Beweis vorzulegen.“

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