Landkreis informiert zu den Themen Insektenschutz und Biodiversität

„Manchmal ist ein Sandstreifen besser“

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Informieren über Insektenschutz und Biodiversität: Silke Kreusel und Sandra Bischoff (beide Nabu), Biologe Rolf Witt, Jutta Holtmeyer (Firma Zinco Dachbegrünungen) und Dezernentin Eva-Maria Langfermann (v.l.).

Wildeshausen/Landkreis – Ein großes Insektenhotel prangt prominent vor dem Kreishaus in Wildeshausen. Was imposant daherkommt, ist zwar gut, aber noch nicht perfekt: „Da ist noch Luft nach oben“, sagte Umweltdezernentin Eva-Maria Langfermann am Freitag beim Pressegespräch zum Infotag „Bei Dir summt’s wohl? Ja zum Glück! Ideen für einen insektenfreundlichen Garten“.

Doch mit dem Biologen Rolf Witt, der sich unter anderem auf diese Art Nisthilfen spezialisiert hat, war auch gleich ein Experte zur Stelle, der Verbesserungsvorschläge machen konnte. Und das war letztlich auch der Kern der Veranstaltung: Ideen geben, Wissen auffrischen, zum Handeln anstoßen, Neues entdecken – und das alles zum Wohle der heimischen Natur, insbesondere der Insekten. Dazu standen vier Vorträge auf dem Programm und acht Aussteller im Foyer des Kreishauses bereit.

Im Foyer des Kreishauses luden die Aussteller die zahlreichen Besucher zu Gesprächen zum Thema ein.

Dass aber nicht alles nützlich oder gar gut ist, was danach aussieht, daran ließen Witt und Sandra Bischoff, Biologin vom Naturschutzbund Oldenburger Land (Nabu), vorab keine Zweifel. Nisthilfen für Kerbtiere seien gegenwärtig ein „Boomthema“, sagte Witt. Zwei bis drei Vorträge dazu halte er in der Woche, auch bundesweit. Zudem: „Man muss den Leuten klar sagen: Damit kann man nicht die Welt retten.“ Ein Anstoß sei es aber allemal. Neun von zehn Insektenhotels, die im Handel erhältlich sind, seien seiner Meinung nach wenig nützlich bis vollkommen nutzlos. 

Dabei sei die Quote noch besser als vor einigen Jahren. Gleichwohl: „Da ist viel Aktionismus.“ Den Einsatz geeigneter Blumen und Gehölze an den richtigen Standorten mahnte Bischoff an. Platz für insektenfreundliche Maßnahmen fände sich überall: Es muss nicht immer der Garten sein, ein Balkon oder ein Pflanzkasten vor dem Fenster könnten ebenso wertvolle Dienste leisten. Buchstäblich tödlich für die Biodiversität seien unter anderem Mähroboter, die permanent den Rasen kürzten, verdeutlichte sie: „Dann kann man die Fläche auch gleich pflastern.“ Zu viel Ordnung im Garten bekomme generell nicht: „Einfach mal einen Laubhaufen liegen lassen“, rieten Witt und Bischoff. 

Das böte Tieren Unterschlupf. Pflanzen länger als ein Jahr stehen oder eine alte Lehmwand unangetastet zu lassen könne nützlich sein. Und – entgegen den allgemeinen Vorstellungen – seien auch Blühstreifen nicht immer gut: „Dann habe ich vielleicht ein paar Hummeln oder Honigbienen, die dort herumfliegen“, so der Biologe Witt. Letztere, merkte er an, seien keine Wildtiere. Die Frage nach der Eignung stelle sich daher immer: „Manchmal ist ein Sandstreifen nützlicher als ein Blühstreifen“, befanden die beiden Biologen, die öffentliche Vorträge zu den Themen hielten.

Die Veranstaltung geht auf den Wunsch des Kreis-Umweltausschusses zurück, Bürgern mehr Informationen zum Thema Biodiversität an die Hand zu geben. Zu den Ausstellern zählten neben dem Landkreis und dessen Naturschutzstiftung unter anderem der Nabu und die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems. Ein Kinder- und Filmprogramm rundete das Angebot ab. Die Informationen aus der Veranstaltung werden bis zum 24. April des Kreishauses präsentiert. Texte dazu sind in Kürze im Internet unter www.oldenburg-kreis.de/hiersummts verfügbar.  

fra

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