Viele Vermieter winken ab

Sohn schwer krank: Familie sucht barrierefreie Wohnung

Anakin (8) sitzt in einem Rollstuhl. Seine Mutter beschreibt den Jungen als „offen, fröhlich, lustig und schlau“. - Foto: Rehfeldt

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. „Mama, schaffst du das?“, fragt der achtjährige Anakin manchmal, wenn seine zierliche Mutter den etwa 40 Kilogramm schweren Jungen in den ersten Stock ihrer Wohnung in Wildeshausen schleppt. Der lebenslustige Zweitklässler leidet unter einer unheilbaren Muskelkrankheit, wegen der er seit zwei Monaten nicht mehr Treppen steigen kann. Er sitzt im Rollstuhl.

Mutter Katja Rehfeldt (32) und ihr Mann Jens (37) suchen schon länger nach einer Erdgeschosswohnung für sich, Anakin und seine zwei Brüder Cody (2) und Bentley (5). „Ich dachte, wir hätten noch etwas Zeit“, sagt Katja Rehfeldt – doch durch den Krankheitsschub gestaltet sich der Alltag in der jetzigen Wohnung von Tag zu Tag schwieriger.

Anakin ist an der Muskeldystrophie Duchenne erkrankt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) tritt sie bei einem von 3 500 neugeborenen Jungen auf. In Deutschland leben 1.500 bis 2.000 Betroffene, jährlich muss mit etwa 100 Neuerkrankungen gerechnet werden. Als Anakin anderthalb Jahre alt war, erhielten seine Eltern die Diagnose. Ohne Behandlung werden die Erkrankten mit acht bis zwölf Jahren gehunfähig, auch der Herzmuskel ist häufig betroffen, so die DGM. Schwierigkeiten beim Laufen und Aufstehen seien Folge der zuerst im Beckengürtel auftretenden Muskelschwäche. 

Katja Rehfeldt (rechts) sucht eine neue Bleibe für ihre Familie, zu der neben Ehemann Jens auch die Kinder Cody und Bentley (von rechts) gehören. Freundin Nancy Messina (ebenfalls Mutter von drei Kindern) unterstützt die 32-jährige Wildeshauserin. - Foto: bor

Zum Zeitpunkt der deutlichen Ausprägung der Krankheit seien bereits mindestens 40 Prozent der Muskelfasern zerstört oder in ihrer Funktion beeinträchtigt. „Eine Schwäche auch der Atemmuskulatur wird deutlich und erschwert das Abhusten bei Infekten der Luftwege; dadurch kann die Lebenserwartung erheblich eingeschränkt werden“, heißt es auf der DGM-Internetseite.

„Anakin verliert jeden Tag mehr an Körperkraft“, sagt seine Mutter. Sie spricht sachlich über das Schicksal des Jungen, versucht, stark für ihn zu sein. „Es ist nicht leicht für ihn, weil er merkt, dass es für mich und meinen Mann nicht so einfach ist“, ergänzt die junge Frau, die 50 Stunden im Monat als Reinigungskraft im Hotel „Gut Altona“ arbeitet. Ihr Mann ist Vollzeit in der Verpackung der Firma „Thomas Riedel – Wurstspezialitäten“ in Aldrup tätig.

„Offen, fröhlich, lustig und schlau“

Katja Rehfeldt beschreibt ihren ältesten Sohn als „offen, fröhlich, lustig und schlau“. Ihre Freundin Nancy Messina (35) aus Dötlingen ergänzt: „Es ist ein Kind, das man anguckt und sofort lieb hat.“ Sie kennt die Familie schon seit Jahren und überredete Katja Rehfeldt, die Suche nach einer geeigneten Wohnung in die Öffentlichkeit zu tragen. Ein Aufruf in der Facebook-Gruppe „Du bist Wildeshauser, wenn...“ brachte einige Resonanz, aber noch keine neue Bleibe.

Die Familie möchte auf jeden Fall in Wildeshausen wohnen bleiben. Auch weil Anakin ein vertrautes Verhältnis zu den Menschen, die sich um ihn kümmern, aufgebaut hat. „Er lässt sich nicht sofort von jedem tragen“, sagt seine Mutter. Aber zur Physiotherapeutin sei während der langjährigen Behandlung eine fast schon familiäre Bindung entstanden. Zudem hat Katja Rehfeldt weder Auto noch Führerschein.

Barrierefreiheit ein Problem

Bei Wohnungsbesichtigungen habe sie die Krankheit ihres ältesten Sohnes immer offen angesprochen, berichtet die Mutter. Doch viele Vermieter würden abwinken, wenn es um Themen wie einen Treppenlift oder Haltegriffe für ein behindertengerechtes Bad geht. 

„Dabei würde die Krankenkasse die Kosten doch übernehmen“, ärgert sich die 32-Jährige. Es sei schon schwer genug, mit einer fünfköpfigen Familie ohne Handicap eine bezahlbare Wohnung oder ein Haus zu finden. Die Rehfeldts wünschen sich eine Erdgeschoss-Wohnung mit vier Zimmern oder ein Haus mit 100 Quadratmetern in der Kreisstadt. Wer der Familie helfen möchte, kann sich per E-Mail an katjarehfeldt@gmx.net wenden.

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