Ausstellung mit Berlinicke-Werken im Stadthaus eröffnet

Mahnende Bilder

Wolfgang Däubler (links) hielt eine bewegende Rede, in der er zum Widerstand gegen Judenhass aufrief und die Werke seines ehemaligen Kollegen Hartmut Berlinicke erläuterte.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. „Ich frage mich, und Hartmut Berlinicke fragte es sich auch: Sind wir hier und heute laut genug, um dem wachsenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft Einhalt zu gebieten?“ Keine leicht zu beantwortende Frage, die Wolfgang Däubler in den Raum stellte. Der stellvertretende Bürgermeister hielt am Dienstagabend eine Rede zur Eröffnung einer interreligiösen Ausstellung mit Radierungen und Drucken von Berlinicke im Wildeshauser Stadthaus. Der Künstler ist im März 2018 überraschend verstorben und war Weggefährte Däublers. Beide waren jahrelang als Religionslehrer in der Kreisstadt aktiv. Dementsprechend gelang Däubler eine bewegende und mahnende Rede, in der er Berlinickes Bilder einordnete und vor Judenhass warnte.

Däubler erinnerte daran, dass der Grafiker und Drucker ein langjähriges und einvernehmliches Schweigen in Wildeshausen gebrochen hatte, als er nach dem Schicksal der jüdischen Bürger während der Nazizeit fragte. Däubler rief dazu auf, sich gegen rassistisches Gedankengut zur Wehr zu setzen. Dazu könnten die Werke Berlinickes und die Stele von Carsten Bruns, die an der Huntestraße an die zerstörte Synagoge erinnert, einen Beitrag leisten. „Mit ihrer Kunst helfen die beiden uns, nicht dazustehen und zuzuschauen. Wir rufen mit ihnen: Nie wieder.“ Dass es Widerstand braucht, ist für den ehrenamtlichen Bürgermeister keine Frage. „Es war und ist eine Illusion, zu glauben, dass Antisemitismus in unserer Stadt, in unserem Land, je tot war“, sagte er.

Zur Ausstellungseröffnungen, die mit rund 30 Gästen eher schwach besucht war, trat das Klezmer-Duo „Cladatje“ auf. Es erklang Musik wie das Leben: todtraurig und klagend, aber auch heiter und lustig. Noten brauchte das eingespielte Paar nicht, das auch gesanglich mit jiddischen Liedern zu überzeugen wusste.

Noch bis zum 22. November hängen auf drei Etagen im Stadthaus rund 40 Berlinicke-Werke. Im Erdgeschoss steht das Judentum im Mittelpunkt, in der ersten Etage das Christentum und im zweiten Stock das Konzentrationslager Auschwitz. Zu sehen ist zum Beispiel ein Küchenwagen, den Frauen im KZ zogen, um Nahrungsmittel zu holen, aber auch um ausgezehrte Leichen zu transportieren. Und der See auf einem der Berlinicke-Bilder ruht zwar augenscheinlich still, beinhaltet aber die Asche von Tausenden von Juden, die als Opfer des NS-Rassenwahns ermordet worden waren. „Schonungsloser hätte uns diese Ungeheuerlichkeit nicht nahe gebracht werden können“, urteilt Däubler über das letzte Motiv. Die Ausstellung kann zu den Geschäftszeiten des Stadthauses besichtigt werden.

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