Lühr spricht beim SPD-Neujahrsempfang über die No-go-Area der Demokratie

„Die Freiheit gegen Hass und Intoleranz verteidigen“

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Der SPD-Ortsvereins-Vorsitzende Thomas Harms begrüße Gastredner Hans-Henning Lühr (l.).

Wildeshausen - Von Tanja Schneider. „Wir müssen den Frieden und die Freiheit gegen Hass und Intoleranz verteidigen“, lautete die Botschaft von Gastredner Hans-Henning Lühr während des Neujahrsempfangs des SPD-Ortsvereins Wildeshausen gestern im Ratskeller der Kreisstadt. Der Bremer Staatsrat machte aber auch deutlich, dass Deutschland eine neue Einwanderungspolitik benötige. Gleichzeitig appellierte er an die Kommunalpolitik, den Austausch vor Ort zu fördern. „Politik muss dort hingehen, wo die Menschen sind“, sagte Lühr.

Der Ortsvereins-Vorsitzende Thomas Harms hatte zuvor die rund 40 Gäste begrüßt, darunter die Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag, die beiden Landtagsabgeordneten Renate Geuter und Axel Brammer, Vertreter aus den Gemeinden Dötlingen und Großenkneten sowie aus der Samtgemeinde Harpstedt. Er freute sich auf einen kommunikativen Vormittag mit leckerem Imbiss und einem interessanten Gastredner, der nicht nur politisch wirkt, sondern bereits auch das eine oder andere Buch geschrieben hat, unter anderem eines mit Grünkohl-Rezepten.

Da wunderte es nicht, dass Lühr ausgerechnet dieses Wintergemüse als bestes Beispiel für Integration bezeichnete. Denn der Grünkohl habe seine Ursprünge im Mittelmeerraum – ob nun in Nordafrika oder Griechenland, darüber würden sich die Historiker streiten. Ungeklärt sei ebenso, wie der Grünkohl nach Norddeutschland gekommen ist. „Bemerkenswert ist aber, dass diese Pflanze mit Migrationshintergrund mittlerweile als urdeutsches Gemüse gefeiert wird – samt der Tradition der Kohltouren“, so Lühr. Den Grünkohl bezeichnete er daher als „kulinarischen Globalplayer“.

Was er mit diesem Beispiel sagen wollte, war offensichtlich. Zuwanderung hat auch Vorteile. „Und für eine gute Zukunft brauchen wir Menschen, die neues Wissen, frische Ideen und wirtschaftliche Dynamik in unsere Städte bringen“, erläuterte Lühr. Deutschland müsse weltoffen und tolerant bleiben. Das sei ein Gebot der Menschlichkeit. „Und es ist keine Last für uns“, betonte er.

Mit Blick auf die Anschläge in Frankreich habe er durchaus Verständnis für die Ängste und Sorgen der Bevölkerung. „Gleichwohl dürfen wir keine antisemitischen, islam- oder fremdenfeindliche Parolen dulden“, sagte Lühr anlässlich der Pegida-Aufmärsche. „Für Demokraten ist dies unerträglich.“ Die überwiegende Mehrheit der Muslime seien friedliebende Menschen, die genauso wie wir darüber entsetzt seien, welche Verbrechen im Namen ihrer Religion begangen wurden und werden. Statt Ausgrenzung seien ein Miteinander, Solidarität und eine Willkommenskultur angebracht, die allerdings nicht staatlich verordnet werden könnten. „Aber wir dürfen von den Menschen erwarten, dass sie sich informieren und sich von Alt-Nazis sowie neuen rechten Rattenfängern distanzieren, die Hass und Zwietracht säen. Denn diese sind eine No-go-Area für die Demokratie“, fand der Staatsrat deutliche Worte.

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