Lothar Schneider referiert über Kraut und Rüben sowie die Goldberg-Variationen

Zutaten aus dem Gewürzschrank der Musik

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Lothar Schneider referierte über Kraut und Rüben und Bach.

Wildeshausen - Einen Abend in der „Musikerküche“ erlebten die Zuhörer des Oldenburger Akkordeonisten und Musikpädagogen Lothar Schneider am Freitag in der Wildeshauser Volkshochschule.

Der Berufsmusiker, der auch am Oldenburgischen Staatstheater spielt, entführte sein Publikum auf eine Zeitreise in die Welt Johann Sebastian Bachs, aber ebenso auf eine Reise in die geniale Gefühlswelt der Musik, in die Küche der musikalischen Geschmäcker und Gewürze. Er versuchte fassbar zu machen, wie Bach mit seinen Goldberg-Variationen damals und heute Begeisterung und Bewunderung weckt.

Während der ersten Hälfte des Abends konzentrierte sich Schneider auf seinen Vortrag, den er nicht rein theoretisch hielt, sondern der immer wieder durch Einspielungen auf seinem Akkordeon unterstützt wurde. Nach einer Pause bot Schneider dem Publikum seine Interpretation der Goldberg-Variationen auf dem Akkordeon dar.

Dass Schneiders Herz leidenschaftlich für sein Instrument schlägt, blieb dem Publikum kein Geheimnis. Sehr nah ist auch Schneiders Bezug zu Bach und seinen Goldberg-Variationen – denn der Musiker beschäftigt sich mit diesen nun bereits seit drei Jahren intensiv.

Schneider gab einen Einblick in seine Werkstatt als Berufsmusiker und erklärte, wie er sich die Kompositionen, die Bach einst für das Cembalo schrieb, auf dem Akkordeon erschlossen hatte. Er wagte sich jedoch auch gedanklich in die „Küche des Komponisten“. „Warum hat Bach gerade diese Basslinie gewählt? Was faszinierte ihn an der einfachen Tonfolge so sehr, dass er jahrelang daran arbeitete?“, war eine von Schneiders brennenden Fragen, die er mit dem Publikum erörterte.

Der Akkordeonist zog während seines Vortrags auch unerwartete Vergleiche und deckte einige Überraschungen im Bauplan von Bachs Musik auf. So thematisierte er unter anderem Bachs Genialität ebenso wie die genialen Gitarrenriffs der Rockband AC/DC. Dass Musik die Gefühlswelt anspricht, stellte er als wichtigen Fakt in den Vordergrund. So komme die Darbietung bei unterschiedlichen Zuhörern eben auch verschieden an. Und aus welchem Grund macht man Musik? „Bach komponierte nach eigenen Angaben zur Gemütsergötzung und zu Gottes Ehren“, berichtete Schneider. Da Bach seine Goldberg-Variationen auch von Liebhabern gespielt haben wollte, komponierte er für das Cembalo. „Die einzige Möglichkeit, wenn er wollte, dass diese auch zu Hause gespielt wurde“, so Schneider. Musik zu spielen und zu hören sei zur damaligen Zeit stets eine Sensation gewesen – besonders für die einfachen Leute.

Überrascht war das Publikum, als Schneider vorführte, dass Bach sogar zwei damals in Sachsen sehr bekannte und beliebte Volkslieder in seine Variationen einbaute. „Kraut und Rüben haben mich vertrieben, hätte Mutter Fleisch gekocht, wär ich länger geblieben“, sang Schneider zum Amüsement der Zuhörer vor.

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