Mitglieder stimmen ab

Lokale CDU mehrheitlich für Friedrich Merz

Die CDU-Mitglieder können über den neuen Bundesvorsitzenden der Partei abstimmen.
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Die CDU-Mitglieder können über den neuen Bundesvorsitzenden der Partei abstimmen.

Erstmals entscheiden die Mitglieder CDU über den neuen Bundesvorsitzenden. Prominente CDU-Mitglieder in Wildeshausen wollen bis auf Ausnahmen Friedrich Merz.

Bei der CDU entscheiden die Mitglieder, wer nächster Bundesvorsitzender wird. Die Bewerbungsfrist ist am Mittwochabend ausgelaufen. In Wildeshausen scheint Friedrich Merz klar vor seinen Konkurrenten Helge Braun und Norbert Röttgen zu liegen, wie eine Umfrage unserer Zeitung bei prominenten Christdemokraten in der Stadt zeigt.

Der Stadtverbandsvorsitzende Marcell Görke unterstützt Merz, „weil ich denke, dass das der richtige Mann zur richtigen Zeit ist, und er aus der Wirtschaft kommt“. Das Ziel sei es, Veränderungen im Vergleich zur Merkel-Zeit herbeizuführen. Sollte einer der zwei anderen Kandidaten gewählt werden, „würde keine Besserung eintreten“, meint Görke. Er rechnet Merz gute Chancen aus, die Wahl zu gewinnen. „Ich glaube, dass er eine sehr breite Zustimmung an der Basis bekommt. Das höre ich hier auch. Beim dritten Mal kann er es schaffen.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Sasse stellt sich ebenfalls hinter Merz. „Er steht für eine Linie, die er immer gehalten hat, eine sehr konservative Linie“, lobt er den Sauerländer. Der Kreisverband habe sich ja schon bei der Laschet-Wahl für Merz ausgesprochen, erinnert Sasse. Dieses Mal werde sich der 66-Jährige durchsetzen, hofft der Wildeshauser. Konkurrent Röttgen sei ein guter Außenpolitiker. „Ich denke, er wird sich in der künftigen CDU wiederfinden.“ Dass es eine Mitgliederbefragung und keine Entscheidung auf höherer Ebene gibt, begrüßt Sasse. „Es ist ein sehr gutes System, das auch für Ältere einfach zu bedienen ist.“

Norbert Röttgen

Patryk Harkebusch von der Jungen Union kündigt an, Merz zu wählen. „Ich halte ihn für den besseren Kandidaten, da er für die Neuausrichtung der Partei steht und dabei die Mitte der CDU verkörpert. Ich halte ihn für oppositions- sowie führungskompetent und würde mich freuen, wenn er seine Themen, die er auch auf dem Deutschlandtag 2021 der Jungen Union vorgetragen hatte, als CDU-Vorsitzender angehen kann.“

Ratsherr Ulrich Kramer für Merz

Ratsherr Ulrich Kramer, der bei der Wildeshauser Kommunalwahl das beste Personenstimmen-Ergebnis der Christdemokraten erzielte, will ebenfalls Merz wählen. Und zwar „weil dieser ein sehr guter Rhetoriker ist und eindeutige Positionen vertritt. Er ist streitbar und polarisiert, wir müssen aber auch Standpunkte setzen“. Braun habe in der Corona-Zeit recht gut gearbeitet. Röttgen sei hingegen nicht so greifbar. „Ich finde es sehr gut, dass die Mitglieder befragt werden“, so Kramer. Wenn dieses Verfahren schon vorher angewendet worden wäre, wäre es zur Wahl Armin Laschets zum Vorsitzenden nicht gekommen, vermutet der Wildeshauser.

Friedrich Merz

Hans-Uwe Leinemann, 30 Jahre Mitglied im Vorstand des Stadtverbands und 25 Jahre im Rat, würde allerdings Röttgen vorziehen. „Braun ist ein Merkel-Vertrauter, also eine Fortsetzung dessen, was wir hatten“, wendet Leinemann das Ausschlussverfahren an. „Merz ist bei der nächsten Bundestagswahl 70 Jahre alt. Wenn sich die CDU neu formiert, muss der Vorsitzende auch Kanzlerkandidat werden. Ich bezweifle aber, dass Merz dann noch für Erneuerung steht“, argumentiert der Wildeshauser weiter, gibt aber zu: „Das gilt natürlich mit Einschränkungen auch für Röttgen.“ Leinemann hatte auf einen Überraschungskandidaten gehofft, doch der ist ausgeblieben. Grundsätzlich sei es gut, die Mitglieder nun zu befragen. „Das hätte ich mir bei Laschet auch gewünscht. Das ist von Anfang an ein bisschen schiefgelaufen...“, blickt der Wildeshauser zurück.

Kreisvorsitzender hält sich noch zurück

Hans-Henning Sturm von der Senioren-Union hält es hingegen eher mit Merz. „Für mich ist Röttgen ein Schaumschläger, Braun ist gut, hat aber keine Führungsqualitäten“, findet er. Merz hingegen habe auf jeden Fall Führungsqualitäten. „Ich würd sagen, dass er die Konservativen mitnimmt und von der AfD einige Wähler zurückholen wird.“ Die Delegierten hätten bei der letzten Abstimmung über den Vorsitzenden gegen die Basis entschieden, so der Wildeshauser.

Helge Braun

Der CDU-Kreisvorsitzende Dirk Vorlauf aus Hude will sich öffentlich noch nicht festlegen. „Wir warten das Votum der Mitgliederbefragung ab und werden gegebenenfalls vor dem Bundesparteitag noch einmal zu einer Mitgliederversammlung einladen“, teilt er lediglich mit.

Manfred Rollié, einziger Ehrenbürger Wildeshausens, Altbürgermeister und lange Jahre für die CDU politisch aktiv, hat sich noch nicht entschieden. „Für mich kommen aber nur Merz oder Röttgen infrage. Ich halte Braun nicht für mitreißend genug, er ist zu bedächtig.“

Noch muss sich auch kein Christdemokrat entscheiden. Die Parteimitglieder wurden angeschrieben und erhalten Wahlunterlagen, wenn sie sich denn zurückmelden. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs soll am 17. Dezember öffentlich verkündet werden. Im Januar ist dann ein Parteitag geplant, um das Resultat der Mitgliederbefragung zu bestätigen.

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