Kreis-Strukturausschuss befürwortet Bewerbung als „Ökomodellregion“

Lob, Bedenken und Zustimmung

Ein Einkaufswagen mit einer Auswahl verschiedener Lebensmittel.
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Produktion und Absatz von Bio-Produkten aus der Region soll durch das Modellprojekt erhöht werden. Symbolfoto: dpa

Landkreis – Der Landkreis Oldenburg soll zu einer der „Ökomodellregionen“ in Niedersachsen werden (wir berichteten). Zu den vielen erwünschten und erwarteten Zielen zählen unter anderem die Stärkung ökologischer Landwirtschaft, die Schaffung neuer Vertriebswege und Absatzmöglichkeiten für entsprechende Produkte. Doch wie das letztendlich ausgestaltet wird, wie positiv die Effekte tatsächlich sein werden, oder ob nicht gar eine Art Gegnerschaft zur traditionellen Landwirtschaft aufgebaut wird – darüber gingen die Meinungen bei den Mitgliedern des Kreis-Struktur- und Wirtschaftsausschusses am Dienstag dann doch auseinander.

Das hiesige Kreislandvolk hatte im Vorfeld zahlreiche Bedenken geäußert und die „Ökomodellregion“ als „Bio mit der Brechstange“ kritisiert (wir berichteten). Die Standesvertretung hatte sich vor der Sitzung mit gleichem Tenor schriftlich an die Kreistagsabgeordneten gewandt, wie während der Sitzung bekannt wurde. Das hatte zwar Auswirkungen auf die Diskussion, aber nicht auf das Abstimmungsergebnis: Der Ausschuss befürwortete die Bewerbung des Landkreises für einen der drei vom Land zu vergebenen Plätze mit zehn Ja-Stimmen und fünf Enthaltungen.

Schon während eines vorangegangenen Tagesordnungspunktes hatte eine Bemerkung von Hans-Werner Aschoff, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises, für Aufhorchen gesorgt. Ein großes Pfand des Landkreises sei immer dessen Vielfalt gewesen, sagte er. Der Begriff „Ökomodellregion“ schränke dies ein, denn er drücke aus, dass der Kreis in diese Richtung gehen wolle. „Viele möchten das jetzt aber nicht“, sagte er mit Blick auf die Firmen. Wenn man den Namen „Modellregion konventionell wirtschaften“ wählte, wären sicherlich viele Leute „auf den Bäumen“, verdeutlichte er seine Position mit einem Gegenbeispiel.

Aktuell nur 2,6 Prozent der Anbaufläche

Jutta Benken stellte für die Verwaltung die Projektskizze vor, die der Landkreis im vergangenen halben Jahr erarbeitet und bereits eine Woche vor der Sitzung beim Land hatte einreichen müssen. Dabei umriss sie die Ausgangssituation (37 Öko-Betriebe im Landkreis wirtschaften auf 1 680 Hektar, das sind rund 2,6 Prozent der Anbaufläche), listete die Vorteile (Nähe zu drei großen städtischen Absatzmärkten, erfahrene Biobetriebe sowie Biogroßhandel vorhanden) und Nachteile (hohes Pachtpreisniveau, Flächenkonkurrenz und fehlende Verarbeitungsbetriebe) des aktuellen Zustandes auf.

In den Gesprächen im Vorfeld seien Akteuren aus allen relevanten Gruppen – von Erzeugern, Verarbeitern und Vermarktern bis hin zur Wissenschaft einbezogen worden. Ziele seien, in den kommenden drei Jahren die Anbaufläche auf vier Prozent kreisweit zu erhöhen und die ökologische Wirtschaftsweise als zusätzliches Angebot zu etablieren. Der Landkreis müsse sich finanziell mit rund 102 000 Euro an den Gesamtkosten von 282 000 Euro beteiligen. Doch schilderte Benken auch persönliche Eindrücke, etwa dass ihr Landwirte gegenüber geäußert hätten, nach der Umstellung des Betriebes „zufriedener“ zu sein und dass die Mitarbeiter nun „lieber in den Stall“ gingen. Für Bemerkung erntete sie später Kritik von Hajo Suhr (CDU): Die Zufriedenheit sei auf Biohöfen nicht immer höher.

Befürwortung und Bedenken

Lob erhielt Benken unter anderen von Wolfgang Däubler (UWG). Die Modellregion biete „eine klare Ergänzung zur industriellen Landwirtschaft“, kommentierte er. „Schwierigkeiten“ habe seine Fraktion allerdings mit dem Flächenziel von nur vier Prozent gehabt. „Das ist deutlich zu wenig“, so Däubler. Die UWG hätte sich gefreut, „wenn da eine Zehn gestanden hätte“ – damit das Ganze nicht zur Symbolpolitik verkomme.

Die CDU trage das Vorhaben letztendlich mit, sagte Günter Westermann. Eine Umstellung dürfe jedoch nur auf freiwilliger Basis erfolgen: „Zwang führt zu gar nichts.“ Darüber hinaus wiederholte er teils wortgetreu Kritikpunkte, die das Kreislandvolk vorgebracht hatte, etwa der erhöhte Flächenbedarf, Verlagerung ins und unkontrollierte Produktion im fernen Ausland sowie Aspekte des Tierschutzes auf den Äckern.

Keine Konkurrenz aufbauen

Sie finde die Projektskizze zwar „wunderbar“, meinte Marion Daniel (FDP). Doch hätte sie es besser gefunden, wenn diese vor der Einreichung beim Land noch einmal besprochen worden wäre. Dann hätten auch die Kritikpunkte des Landvolks geklärt werden können. Sie könne dessen Bedenken zu einem gewissen Grad verstehen, denn auch die traditionelle Landwirtschaft werde von dem Programm betroffen sein. Es dürfe kein „Konkurrenzangebot“ geschaffen und eine Seite gegen die andere ausgespielt werden – etwa bei den Fördermitteln. Sie wollte wissen, inwieweit der Verband in die Überlegungen mit einbezogen wurde.

Baudezernentin Eva-Maria Langfermann antwortete, dass das Landvolk zu drei Gesprächsrunden eingeladen worden war, auch Kreislandwirt Torsten Deye sei involviert gewesen. „Wir strecken die Hand aus, sie muss nur genommen werden“, so Langfermann zu diesem Diskussionspunkt. Bei der Modellregion handele es sich ausschließlich um ein zusätzliches Angebot. Eine Konkurrenz im Hinblick auf Fördergelder könne es nicht geben, da diese von der Europäischen Union kommen. Landrat Carsten Harings wies Kritik zurück, die Verwaltung habe das Landvolk nicht hinreichend eingebunden. 

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