Ein Hof voller Klassiker

Tempo 45 mit dem Glühkopf-Bulldog: „Die nutzt man aber lieber nicht aus“

Linda und Timo Brengelmann vor der Sammlung an Treckern und Unimogs. 
+
Linda und Timo Brengelmann vor der beeindruckenden Sammlung an Treckern und Unimogs. 

Wildeshausen – Durch ihre Ader fließt Diesel. Linda Brengelmann besitzt nicht nur zahlreiche historische Trecker. Die Wildeshauserin ist zudem Gründungsmitglied des „Trecker-Veteranen Clubs Lüerte“ und dessen zweite Vorsitzende.

Wildeshausen – Die Sammlung von Linda Brengelmann ist beeindruckend: Die Wildeshauserin besitzt unter anderem zwei Glühkopf-Bulldogs und gleich drei historische Unimogs. Insbesondere die beiden Lanz Bulldog sind nicht nur sehr selten, sie haben auch eine außergewöhnliche Technik. So wird der D 9532 aus dem Jahr 1951 von einem einzigen Kolben mit den Ausmaßen eines großen Baueimers befeuert. Aus knapp elf Litern Hubraum schöpft der Zweitakter 45 PS. Sein kleinerer Bruder, der 1940 gefertigt wurde, hat einen knapp acht Liter großen Brennraum. Da wird jede Zündung zu einer ordentlichen Explosion.

Das Anwerfen ist ein Schauspiel

Ein Schauspiel ist das Anwerfen der Lanz-Aggregate. Linda Brengelmanns Sohn Timo führt die Startprozedur vor: Zunächst zündet der 44-Jährige die Heizlampe – eine Art Lötlampe – an und platziert sie unter dem Glühkopf des Motors. Bis dieser seinem Namen gerecht wird und startklar ist, kann durchaus eine Viertelstunde ins Land ziehen. Die nutzt Brengelmann für weitere Vorbereitungen. Er montiert das Lenkrad ab und steckt es auf das Schwungrad an der Flanke des Ackerschleppers. Zudem pumpt er per Hand Diesel vor.

Der jüngere der beiden Glühkopf-Bulldogs

Sobald der Glühkopf ausreichend erhitzt ist, kann der 44-Jährige den großvolumigen Zweitakter mit einem kräftigen Dreh am Lenkrad anwerfen und hoffen, dass der Motor zündet und richtig herum läuft. Sonst werden aus den sechs Vorwärts- und zwei Rückwärtsgängen sechs Rückwärts- und zwei Vorwärtsgänge. Wenn Timo Brengelmann den Motor in einem solchen Fall nicht mit einem Trick zum „umdrehen“ bringen kann, muss er ihn erneut anwerfen.

Ein unnachahmlicher Sound

Anschließend verwöhnt der Lanz mit seinem unnachahmlichen Sound und im Falle des D 9532 mit einer Spitzengeschwindigkeit von 45 Kilometern in der Stunde (km/h). „Die nutzt man aber aufgrund des Fahrverhaltens lieber nicht aus“, verrät Brengelmann.

Noch etwas schneller und deutlich einfacher zu starten sind die äußerst geländegängigen Unimogs. Bei dem maximal 60 km/h schnellen Allrad-Trio der Baureihe 411 reicht ein Dreh am Zündschlüssel. Zwischen 1956 und 1964 verließen die Unimogs – der Name steht für Universal-Motor-Gerät – die Produktionshallen in Gaggenau. „Bei schlechtem Wetter haben sie noch einen weiteren Vorteil“, erklärt Brengelmann. „Sie besitzen ein Stoffverdeck.“

Timo Brengelmann wirft den Lanz an. 

Komplettiert wird die Sammlung von einem John Deere aus dem Jahr 1974 sowie einem über 70 Jahre alten IHC Mc  Cormick. Beide Trecker kamen als Neufahrzeuge auf den Hof der Brengelmanns und waren dort bis zur Aufgabe der Landwirtschaft vor etwa 20 Jahren regelmäßig im Einsatz.

Treckertreffen war das Highlight

Begonnen hatte Hans-Hermann Brengelmann – der vor zweieinhalb Jahren verstorbene Ehemann von Linda – vor mehr als 20 Jahren mit dem Sammeln historischer Ackerschlepper. „Als ich im Jahr 1998 in die Reha musste, hatte mein Mann nichts zu tun. Deshalb hat er sich einen alten Lanz gekauft und ihn restauriert“, erzählt die Witwe. Bereits ein Jahr darauf gründeten beide den „Trecker-Veteranen Club Lüerte“, dessen Vorsitzender Hans-Hermann Brengelmann bis zu seinem Tod war. Danach übernahm Jürgen Michelbrand die Position und Linda Brengelmann wurde seine Stellvertreterin. Ihr 20-jähriges Jubiläum konnten die Treckerfreunde noch vor Ausbruch der Pandemie ausgelassen feiern. „Das Treckertreffen aus diesem Anlass war das Highlight“, erinnert sich Linda Brengelmann gerne.

Das Lenkrad wird auf das Schwungrad an der Flanke des Ackerschleppers gesteckt.

Der historische Fuhrpark der Brengelmanns wuchs und veränderte sich über die Jahre immer wieder. So verkauften sie vor einiger Zeit drei Lanz, um von dem Geld zwei Unimogs zu erwerben. „Den letzten Unimog kaufte mein Mann erst drei Wochen vor seinem Tod“, berichtet Linda Brengelmannn. Nun werde die Sammlung aber nicht mehr verändert.

„Alte Liebe“ gesucht

Wer in Wildeshausen lebt und seine „Alte Liebe“ in unserer Zeitung vorstellen lassen möchte, kann sich per Telefon (04431/9891153) oder per E-Mail (redaktion.wildeshausen@kreiszeitung) an die Redaktion wenden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

„Impfpflichtgegner fast wie Schweine durchs Dorf getrieben“

„Impfpflichtgegner fast wie Schweine durchs Dorf getrieben“

„Impfpflichtgegner fast wie Schweine durchs Dorf getrieben“
VR Bank verzichtet auf Neubau eines Pavillons am Westring

VR Bank verzichtet auf Neubau eines Pavillons am Westring

VR Bank verzichtet auf Neubau eines Pavillons am Westring
Verdächtig: 30.000 Zigaretten im Kofferraum

Verdächtig: 30.000 Zigaretten im Kofferraum

Verdächtig: 30.000 Zigaretten im Kofferraum
Jugendliche bespuckt Polizisten und schlägt Sanitäter

Jugendliche bespuckt Polizisten und schlägt Sanitäter

Jugendliche bespuckt Polizisten und schlägt Sanitäter

Kommentare