Schuldnerhilfe zieht Bilanz

Lieber ein neues Smartphone als genug Brot in der Küche

Die Schuldnerhilfe hat im vergangenen Jahr etwas weniger Menschen als im Vorjahr betreut. - Symbolfoto: Imago

Landkreis Oldenburg - Konjunktureller Aufschwung hin oder her: Die Zahl der Fälle der Schuldnerhilfe im Landkreis Oldenburg hat im Jahr 2015 nur leicht gegenüber dem Vorjahr abgenommen. Der Verein beantragt eine Unterstützung von 128 800 Euro pro Jahr vom Landkreis. Der Ausschuss für Gesundheit und Soziales berät am Dienstag, 6. September, ab 17 Uhr im Kreishaus über das Ansinnen. Das sind rund 2 000 Euro mehr als in den Vorjahren. Die Kreisverwaltung befürwortet die Zahlung.

Die Schuldnerhilfe hatte im Landkreis im vergangenen Jahr 1 856 Beratungsfälle zu verzeichnen. Das sind 58 weniger als im Vorjahr. Bemerkenswert ist der große Anteil (48 Prozent) der Stadt Wildeshausen, die rechnerisch mit rund 20.000 Bewohnern nicht einmal ein Sechstel aller Kreiseinwohner (rund 125.000) stellt. Hingegen fahlen die 56 Fälle aus Hude und die 61 aus Wardenburg mit jeweils drei Prozent kaum ins Gewicht.

Die Berater stellen in ihrem Bericht fest, dass der größte Risikofaktor für ein Abrutschen in die Schuldenfalle die Arbeitslosigkeit ist. Fast die Hälfte aller Betroffenen haben keinen Arbeitsplatz. Scheidungen beziehungsweise Trennungen rangieren mit 22 Prozent, ehemalige Selbstständigkeit mit 14 und Krankheit/Unfall/Sucht mit 12 Prozent weit dahinter. Hinzukommen noch Straffälligkeit (2 Prozent) und der Tod eines Ehegatten (1 Prozent).

Wie schätzt die Schuldnerhilfe die Risiken für junge Leute (14 bis 27 Jahre) ein? „Tendenziell ist feststellbar, dass ein sozialer Druck, rund um die Uhr erreichbar zu sein, um nicht von Freunden und Bekannten ,abgehängt‘ zu werden, weiter wächst“, heißt es im Bericht. Immer dabei und empfangsbereit, also online, zu sein, beinhaltet allerdings laut Einschätzung der Fachleute die Gefahr, Ruhe, Konzentrationsfähigkeit und Gleichgewicht zu verlieren. „Inzwischen hat sich daraus bereits die Mediensucht als eine neue Abhängigkeitskrankheit entwickelt.“ Ein zusätzlicher Konsumzwang, um sich im vermeintlich richtigen Outfit und mit dem neuesten Equipment präsentieren zu können, verstärke dieses Verhaltensmuster. „Konkret wird das monatlich zur Verfügung stehende Geld beispielsweise eher für ein neues Smartphone ausgegeben, als die eigene Grundversorgung für den Monat zu sichern“, urteilen die Schuldnerberater. Mit Finanzcoaching wollen sie dagegen steuern.

bor

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