Wildeshauser Gymnasium muss bald 160 Abordnungsstunden stellen

Lehrer sollen weitere Löcher stopfen

Die Lehrer des Gymnasiums in Wildeshausen empören sich über steigende Arbeitsbelastung sowie eine noch mal erhöhte Quote an Abordnungen. Foto: dr

Wildeshausen – An den Schulen im Land Niedersachsen wächst der Unmut. Die Lehrer beklagen sich über schlechte Arbeitsbedingungen, die ihrer Meinung nach schnellstens verbessert werden müssen. Das Kollegium des Gymnasiums Wildeshausen erhielt gestern zudem die schlechte Nachricht, dass die Lehrer im kommenden Jahr noch deutlich mehr an anderen Schulen im Landkreis arbeiten müssen. Aktuell sind die Pädagogen mit 120 Wochenstunden an Grund-, Ober- und Realschulen tätig, ab August sollen sie mit 160 Stunden helfen, die Engpässe zu beseitigen. „Die Empörung und Unsicherheit sind groß“, so der Wildeshauser Lehrer Johann Strudthoff, der im Vorstandsteam Oldenburg-Land der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aktiv ist.

Gerade vor wenigen Tagen hatten die Kollegen am Gymnasium im Rahmen einer Personalversammlung eine Resolution verfasst, in der sie den Dienstherrn, das Land Niedersachsen, auffordern, seiner Fürsorgepflicht nachzukommen. Der Landesverband der GEW plant zudem, die gesammelten Forderungen von mehr als 800 Schulen Ende Juni an Kultusminister Grant Hendrik Tonne zu übergeben.

„Wir stellen uns den Herausforderungen unseres Berufes professionell und gerne und machen unsere Arbeit überzeugt sowie motiviert. Jedoch sind die derzeitigen Arbeitsbedingungen in der Schule nicht mehr hinnehmbar“, heißt es in der Resolution der rund 100 Lehrer des Wildeshauser Gymnasiums, die bei drei Enthaltungen mit überwältigender Mehrheit verabschiedet wurde. Die Lehrer beklagen, dass die Fallzahlen an Langzeiterkrankungen im Schulbereich unverändert hoch sind. „Nicht einmal jede fünfte Lehrkraft bleibt bis zum pensions- oder rentenfähigen Alter arbeitsfähig“, betonen sie. Die Anforderungen, die Gesellschaft und Politik an Schule stellen, hätten in den vergangenen Jahren massiv zugenommen, stellen die Lehrer fest. Die Aufgaben seien stetig gestiegen, ohne einen Ausgleich zu schaffen. Die Zahl der Überstunden wachse.

Als besondere Anforderungen nennen die Pädagogen die Umstellung auf die neunjährige Gymnasialzeit mit dem Entwurf neuer Lehrpläne, die Entwicklung von Konzepten für die Digitalisierung, die Inklusion, Dokumentationspflichten sowie unzumutbare Korrekturzeiten wegen Terminvorgaben durch das Zentralabitur.

„Mit Blick auf den anstehenden Entwurf zum Landeshaushalt erwarten wir von Ihnen, dass sich die Wertschätzung unserer Arbeit und gute Bildung in einer spür- und sichtbaren Entlastungsoffensive ausdrückt. Reine Symbolpolitik und Scheinentlastungen reichen uns nicht“, schreiben die Wildeshauser Lehrer an Tonne und fordern unter anderem, die Arbeitszeit zu senken, die zweite Stunde der Altersermäßigung wieder einzuführen, die Zwangsteilzeit für pädagogische und therapeutische Fachkräfte zu beenden, Entlastungsstunden für die Oberstufe bereitzustellen sowie die Termine im Zentralabitur an realistische Korrekturzeiten anzupassen. Das koste zwar Geld, müsse aber hinsichtlich der Rekordeinnahmen im Landeshaushalt möglich sein.  dr

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