Wildeshauser Ehrenbürger Manfred Rollié feiert heute seinen 90. Geburtstag

Für die Lebensbilanz ist es noch zu früh

Stolzes Alter: Manfred Rollié ist 90 Jahre alt und freut sich gemeinsam mit seiner Frau Elsa. Foto: Rollié

Wildeshausen – Wildeshausens einziger Ehrenbürger Manfred Rollié nimmt es ganz gelassen. „Der Sonntag ist ein Tag wie jeder andere“, sagt er. Das stimmt so nicht, denn am heutigen Tag feiert der langjährige Krankenhausdirektor und Bürgermeister der Stadt Wildeshausen seinen 90. Geburtstag.

Ursprünglich war geplant, dass die Stadt zu seinen Ehren einen Empfang im Rathaussaal gibt. Der wurde aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Deshalb wird sich der Jubilar wie gewöhnlich mit seiner Frau Elsa an den Frühstückstisch setzen, danach ein Buch lesen oder im Garten ein wenig Frühlingsarbeit zu erledigen. „Der Maulwurf ist vom Nachbargrundstück gekommen“, schildert er alltägliche Sorgen. „Den versuche ich durch Erschütterungen zu vertreiben.“

Keine Geburtstagstafel

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden im Laufe des Tages die drei Kinder mit Partnern sowie die sechs Enkelkinder (ein Junge, fünf Mädchen) vorbeischauen. Doch es wird keine Geburtstagstafel für alle geben. „Ich werde im Wintergarten sein und meine Kinder und Enkel in einiger Entfernung im Garten“, beschreibt Rollié die Prozedur, damit sich die Familie nicht infizieren kann. „So halten wir es in diesen Tagen“, erzählt der Alt-Bürgermeister. „Außerdem haben wir Kontakt, indem wir skypen.“

Rollié ist mit seiner Gesundheit im hohen Alter zufrieden. „Nur die Knie wollen nicht mehr so richtig“, sagt er. Einen Rollator möchte er nicht verwenden. „Dafür bin ich zu eitel. Ich nehme den Handstock“, erzählt er. Aber derzeit verlasse er ja ohnehin nicht das heimische Grundstück.

Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus

Antrieb für Rolliés jahrzehntelanges politisches Wirken waren seine Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. „Wer den Frieden erhalten will, muss etwas dafür tun“, ist seine Devise.

Er floh am 19. März 1945 mit seiner Familie vor den Russen nach Freiwaldau im Sudetenland. Doch von dort mussten sie wieder zurück in den Geburtsort Ziegenhals in Oberschlesien.

Als ein Jahr später Jugendliche zum Wiederaufbau nach Warschau gebracht werden sollten, reiste Rollié nur mit Rucksack und Aktentasche in Richtung Westen, wo er in Winsen an der Luhe landete. Rund fünf Wochen später erfuhr er, dass seine Eltern nach Holzhausen bei Wildeshausen gezogen waren. Er machte sich auf den Weg dorthin und blieb in der Wittekindstadt, wo er die Mittelschule besuchte, dann die höhere Handelsschule in Lohne absolvierte und anschließend eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann abschloss.

Bereits 1961 im Stadtrat

Über die Kolpingsfamilie fand der gläubige Katholik den Weg in die CDU. Bereits 1961 machte er Politik im Stadtrat von Wildeshausen. Dort engagierte er sich 40 Jahre für seine Heimat. Bürgermeister war er von 1981 bis 1999. Zudem war Rollié zehn Jahre lang bis 2001 im Kreistag aktiv.

Nach dem Rückzug aus der Politik engagierte er sich im Bürger- und Geschichtsverein. Er kämpft weiterhin für den Erhalt der Villa Knagge und bedauert es zutiefst, dass das denkmalgeschützte Gebäude allmählich verfällt. Weiter ist Rollié in der Senioren-Union aktiv und im Offizierskorps der Wildeshauser Schützengilde. Dass das Gildefest diesmal ausfallen wird, findet er schade, doch angesichts der derzeitigen Situation gibt es für ihn dazu keine Alternative.

Auf die Frage, ob er an seinem Geburtstag Lebensbilanz ziehen möchte, reagiert der 90-Jährige ein wenig verständnislos. „Das können wir mit 100 Jahren machen“, lädt er den Journalisten der Wildeshauser Zeitung zu einem neuen Gespräch ein. Dieser Termin steht also am 5. April 2030 schon mal fest.  dr

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