MINI-SERIE Sport mit Marathonteilnehmer Fritz Rietkötter

Laufen im Lockdown

Redakteur Ove Bornholt (links) und Marathonläufer Fritz Rietkötter vor dessen Wohnhaus in Wildeshausen nach einer Laufrunde.
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Nach dem Laufen, vor dem Muskelkater: Redakteur Ove Bornholt (links) und Marathon-Experte Fritz Rietkötter.

52 Minuten, 6,25 Kilometer, 500 Kilokalorien: Im Corona-Lockdown fallen viele Sportarten flach. Das trifft allerdings nicht aufs Laufen zu. Im Fitness-Selbstversuch zeigt Marathonläufer Fritz Rietkötter aus Wildeshausen einem Zeitungsredakteur, worauf es beim Joggen ankommt.

  • Viele Sportarten sind zurzeit eingeschränkt oder ganz unmöglich.
  • Joggen oder Laufen ist aber mit einer anderen Person erlaubt.
  • Ein Redakteur lässt sich von einem Marathonläufer Tipps und Tricks beim Laufen zeigen.

Wildeshausen Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber die Pandemie hat sich bei mir durchaus bemerkbar gemacht. Auf der Waage, meine ich. Offenbar füllt der Körper in Krisenzeiten gerne mal seine Fettdepots auf, sodass sich mein Gewicht bei 1,86 Meter Körpergröße langsam Richtung 90 Kilogramm bewegt. Zwei Sportkurse, so ähnlich wie Aerobic, aber erzählen Sie es keinem weiter, das ist offenbar ein bisschen uncool, habe ich angefangen.

Beide musste ich wegen Corona-Beschränkungen abbrechen. Aber diesmal, diesmal ziehe ich es durch. Und zwar mit Fritz Rietkötter. Der Wildeshauser ist passionierter Marathonteilnehmer und weist mich, Ove Bornholt, 33 Jahre, Redakteur der Wildeshauser Zeitung, in die Kunst des Laufens ein. In drei Teilen einer Mini-Serie erkunde ich mit ihm Laufstrecken in der Kreisstadt. Dabei bewegen wir uns nur draußen und halten etwas Abstand, befolgen also die Corona-Verordnung, die ja so viele andere Sportarten zurzeit verbietet.

Start im Dunkeln bei Regen und Wind

An dem Dienstagabend, als Merkel und Co. stundenlang zusammensitzen, um neue Beschränkungen auszutüfteln, geht es los. Der Regen peitscht gegen mein Dachfenster, als ich mich kurz vor 19 Uhr auf den Weg zu Rietkötter mache. Im Auto natürlich, gelaufen wird ja noch genug. Ich trage alte Sportschuhe, die ich in der Abstellkammer gefunden habe, eine Jogginghose, die sich ihren Namen heute zum ersten Mal verdienen wird, eine wasserabweisende Softshell-Jacke und drei T-Shirts. Normalerweise bin ich ja eher eine kleine Frostbeule und trage im Januar Pullover, aber damit folge ich Rietkötters Empfehlung. „Zwiebelprinzip bei der Bekleidung, damit alles eng anliegt und die Feuchtigkeit von innen nach außen transportiert werden kann. Außerdem spart man so Geld für unterschiedlich warme Sachen. Ich trage bis zu drei Sommer-Shirts übereinander, anstatt die teuren Wintersachen zu kaufen“, hatte er mir mitgegeben.

Okay, los geht‘s. Der Profi ist natürlich mit Lampen vorne und hinten ausgestattet. Außerdem trägt er eine Pulsuhr, Entfernungsmesser und gute Schuhe. Wir sind auf seiner Hausstrecke unterwegs. Rund fünf Kilometer, sagt Rietkötter. Erst mal gehen wir von der Hermannstraße aus los. Das war mir gar nicht klar, aber das Gehen ist ein wichtiger Teil des Laufens – Regeneration und so. „Zu Anfang immer die gleiche Strecke und immer an den gleichen Punkten Gehpausen einhalten. Dann nach und nach die Pausen weglassen“, rät Rietkötter.

Jogginghose verdient sich ihren Namen

Gefällt mir gut, aber nach ein paar Minuten verfallen wir dann doch in einen leichten Trab und laufen am Twistringer Weg entlang. Der Regen ist gar nicht soo schlimm, muss ich sagen. Dafür bin ich immer wieder versucht zu fragen, wie viel wir denn schon geschafft haben. Aber ich will ja nicht wie ein Weichei wirken, also verkneife ich mir das. Bis zum Katenbäker Berg. „1,5 Kilometer“, sagt Rietkötter. Das sind ja fast 2,5 Kilometer also im Prinzip die Hälfte, überschlage ich im Kopf. Aber noch bevor ich den überoptimistischen Gedanken zu Ende bringen kann, korrigiert sich der erfahrene Läufer: „Sind doch nur 1,15 Kilometer.“ Na super.

Wir laufen weiter, biegen rechts ab, grob in Richtung Hunte. Die ganze Zeit unterhalten wir uns, was mir zunehmend schwerfällt. „Dein Atem geht aber auch schon schwerer“, sage ich. „Ich kann ja so tun als ob“, erwidert Rietkötter stoisch. So ein kleiner „Spaziergang“ kann ihm natürlich nichts anhaben. Seit knapp 20 Jahren läuft er, hat schon mehr Marathons absolviert, als ich zählen kann.

Nachts an der Hunte entlang

Endlich, die Hunte ist in Sicht. Schön beleuchtet, die ganze Strecke übrigens. Über die neue Pionierbrücke und am Fluss entlang geht´s Richtung Burgwiese. Das schreibt sich im Nachhinein schnell, aber langsam wird‘s echt zäh, merke ich und fiebere der nächsten Gehpause entgegen. Wie er das denn mit dem Essen vorm Laufen macht, frage ich Rietkötter. „Ich habe da einen Kuhmagen“, meint er lakonisch. Achso. Die Entenbrust, die ich vorhin verschlungen habe, verleiht mir gerade keine Flügel.

Aber es muss ja weitergehen. Das ist das Fiese an Laufrunden. Wenn man die Hälfte geschafft hat, ist man am weitesten vom Start/Ziel weg. Am Burgberg vorbei biegen wir nach rechts auf die Wittekindstraße ein. Ab der Ecke mit der alten Feuerwehr, als wir die Hunte zum zweiten Mal queren, muss ich kämpfen. Dann die Harpstedter Straße lang. Und die ist echt lang, viel länger als im Auto. Immer wieder schiele ich nach links. Da muss doch jetzt mal langsam unsere Abzweigung kommen. Pfützen weiche ich auch schon längst nicht mehr aus. Durchkommen ist das Ziel.

Zwei Tage lang Muskelkater

Damit befinde ich mich in guter Gesellschaft. Rietkötter ist kein Ehrgeizling. Ihm ist herzlich egal, ob er 10 453. oder 10 454. beim Marathon wird. Hauptsache Hauptfeld. Und er schaut beim Trainieren gar nicht so sehr auf seine Zeiten, sondern guckt einfach, dass er lange genug unterwegs ist oder eine bestimmte Entfernung abdeckt. Seine Hausstrecke ist dienstags und donnerstags dran. Am Wochenende kann es dann auch mal ein 38-Kilometer-Lauf nach Visbek sein. Rietkötter gibt sich gern ein Motto, läuft zum Beispiel Kirchen an oder guckt sich die Landschaft an. Das kann man auch aus dem Autofenster, denke ich. Ich bin jetzt nicht direkt ein Sportmuffel, aber ich mache halt eigentlich keinen Sport. Hat mich noch nie so richtig interessiert.

Schöne Gedanken, die mir gerade alle nicht weiterhelfen. Was hilft, sagt zumindest Rietkötter, ist ein Ziel. „Feste Tage und feste Uhrzeiten setzen, an denen man läuft. Keine Ausreden gelten lassen und die Zeiten so in den Wochenablauf integrieren, dass man dann absehbar auch wirklich in den kommenden Wochen Zeit hat“, rät er.

Bierchen als Belohnung

Die letzten Meter schaffe ich auch noch – irgendwie. Danach macht Rietkötters Lebensgefährtin schnell ein Foto von uns. Als ich wieder im Auto sitze, merke ich erst, dass meine Mütze schweißnass ist. Zuhause angekommen geht‘s direkt aufs Sofa mit einem Bierchen. Man muss sich ja auch erholen. „Moin Ove, das war eine tolle Runde mit dir. Hat echt Spaß gemacht. Hier die Daten: 52 Minuten, 6,25 Kilometer, rund 500 Kilokalorien verbraucht“, schreibt mir Rietkötter. Nach sechs Kilometern aus dem Stand dürfe man schon mal fertig sein. Aha. Am Anfang war doch die Rede von fünf Kilometern gewesen, denke ich. „Der Körper will ja auch gefordert werden“, schreibt der Marathonteilnehmer. Inzwischen, dieser Text entsteht am Donnerstag, hat sich der Muskelkater einigermaßen gelegt. Ich merke ihn nur noch, wenn ich mich bewege. Sonntag geht‘s weiter. Ich stell schon mal das Bier kalt.

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