Lateinische Spirituals und charmant-witziger Folk

International renommiertes Vokalensemble „Amarcord“ begeistert in Alexanderkirche

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Das Leipziger Vokalensemble „Amarcord“ gastierte in der Alexanderkirche: Tenor Wolfram Lattke (von links), Tenor Robert Pohlers, Bariton Frank Ozímek, Daniel Knauft und Holger Krause (beide Bass) verschmolzen zu einem musikalischen Gesamtkunstwerk. -

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Mit zwei grundverschiedenen Konzertteilen begeisterte am Sonnabend das Leipziger Vokalensemble „Amarcord“ etwa 400 Zuschauer in der Wildeshauser Alexanderkirche. Während die Sänger in der ersten Hälfte „aus dem Notenschrank der Thomaner“ schöpften und eine zauberhaft spirituelle Atmosphäre schufen, ging es in der zweiten Hälfte bei den „Folks & Tales“ mit ebenso exzellentem Gesang locker, lustig und lebendig zu. Auf Einladung des Kulturkreises Wildeshausen gastierte das international renommierte Ensemble bereits zum dritten Mal in der Wittekindstadt. Am Ende waren sich Publikum und Musiker einig: „Aller guten Dinge sind vier.“

Bereits als die ersten Töne durch das Kirchenschiff klangen, hätte man meinen können, dass die fünf Leipziger „Amarcordisten“ in der Alexanderkirche zu Hause sein müssten – so unglaublich perfekt verstanden sie es, die Akustik der Kirche auszukosten. Singend schritten die Sänger aus verschiedenen Teilen des hinteren Kirchenschiffes auf ihre Bühne, den Altarraum, zu. Wolfram Lattke, Robert Pohlers (beide Tenor), Bariton Frank Ozímek, Daniel Knauft und Holger Krause (beide Bass) verschmolzen zu einem vielschichtigen musikalischen Gesamtkunstwerk.

Sie widmeten sich unter dem Titel „Amarium“ dem historischen Musikalien-Bestand der Leipziger Thomasschule und -kirche. Seit Gründung des Thomasklosters im Jahr 1212 ist in der Thomaskirche und der ihr angeschlossenen Lateinschule musiziert worden. Aus diesem „Notenschrank“ vom Mittelalter bis zu Johann Hermann Schein, der von 1616 bis 1630 Thomaskantor war, traf „Amarcord“ für das „Armarium“ seine Auswahl. Die lateinischen Texte nebst Übersetzungen erhielten die Zuschauer zum Programm dazu. Lediglich vom Leiden und Sterben Jesu „Da Jesus an dem Kreuze stund“ sang das Ensemble auf Deutsch.

Der spirituelle Gesang legte einen regelrechten Zauberbann über das Publikum. Nach der letzten Sequenz „De Sancte Thomas“, mit der die Sänger die Pause einläuteten, dauerte es lange, bis der erste wagte, diesen Bann zu brechen. Dann aber folgte tosender Applaus.

Im Kontrast zu den spirituellen ersten 60 Minuten nahmen die Sänger ihre Zuhörer während der zweiten Hälfte mit auf eine musikalische Reise um die Welt. Obwohl sie dabei unter anderem auch auf Lettisch, Schwedisch und Koreanisch sangen, waren die Notenständer in diesem Konzertteil verschwunden.

Im humorvollen Dialog mit dem Publikum

Vielmehr blieben die Sänger nun bei wechselnder Anmoderation der Stücke im humorvollen Dialog mit dem Publikum und sorgten mit einigen schauspielerischen Einlagen dafür, dass die Zuschauer nun einen ganz anderen Zauber erlebten: Das Publikum musste den Text der ausgesuchten Folksongs noch nicht einmal verstehen, um bei bestimmten Passagen in unwillkürliche Lachsalven auszubrechen.

Ein Höhepunkt war dabei auf jeden Fall der Song „Dry Bones“. „Medizinmann Daniel“ stellte in der Performance dazu Knochen für Knochen sehr anschaulich dar. Zum Repertoire gehörten aber auch auf „Amarcord“ maßgeschneiderte Versionen von „Swing low, sweet chariot“ oder „Waltzing Matilda“. Gänsehaut und Romantik kamen in der zweiten Konzerthälfte ebenfalls nicht zu kurz. „Since you went away“ und „Nine hundred miles away from home“ gingen ebenso unter die Haut, wie ein trauriges koreanisches Liebeslied, bei dem Tenor Wolfram Lattke mit seiner Imitation eines asiatischen Streichinstruments entzückte.

Fröhlicher Spiritual aus Ghana

Mit einem fröhlichen Spiritual aus Ghana läuteten die Sänger schließlich das Finale ein. Bass Holger Krause und Tenor Wolfram Lattke nahmen sich dabei das Publikum, aufgeteilt in Männer und Frauen, als Background-Chor zur Hilfe.

Obwohl die Sänger zuvor schon versprachen, gerne noch ein viertes Mal nach Wildeshausen zu kommen, wollte niemand das Ensemble von der Bühne lassen. Der tosende Applaus ebbte erst ab, als „Amarcord“ noch ein letztes Mal Aufstellung nahm. Zu Ehren des 30-jährigen Bestehens, das der Kulturkreis Wildeshausen in diesem Jahr feiert, hatten sie noch ein besonderes Ständchen im Gepäck. „Den Song werdet ihr erkennen“, versprach Lattke – und gab den unsichtbaren Einsatz für eine rasant-witzige Version von „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“.

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