Wildeshauser leidet unter Muskel-Dystrophie und will selbstständig leben

Ein lang gehegter Traum erfüllt sich

Der eingefleischte Dortmund-Fan Matthias Giese zieht von Wildeshausen nach Goldenstedt. Das ist für den Schwerkranken alles anderes als selbstverständlich. - Foto: Nuxoll

Goldenstedt/Wildeshausen - Von Yvonne Nuxoll. Die erste eigene Wohnung – davon träumt Matthias Giese schon lange. Dass er mit 30 Jahren sein Elternhaus verlassen möchte, erscheint wie ein ganz normaler Wunsch. In seinem Fall ist die Erfüllung des Traumes aber etwas ganz Besonderes: Er leidet an Muskel-Dystrophie.

Die unheilbare Krankheit sorgt dafür, dass sich seine Muskeln nach und nach zurückbilden. Bei dem 30-Jährigen ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass er seinen elektrischen Rollstuhl nur noch mit seinen Fingern steuern kann. Ansonsten kann er sich nicht mehr bewegen; auch das Atmen fällt ihm schwer. Die Krankheit war im Alter von vier Jahren bei ihm diagnostiziert worden. Bis zur Orientierungsstufe ging er auf eine Regelschule, danach kam er auf die Förderschule Borchersweg in Oldenburg.

Seine Einschränkungen halten den Wildeshauser aber nicht davon ab, in sein eigenes Haus zu ziehen. Sein Vater Thomas hat ein Einfamilienhaus in Goldenstedt gekauft. Das wird momentan komplett entkernt und grunderneuert. Im Herbst möchte Matthias Giese dort einziehen. Er sagt: „Ich möchte im Rahmen der Möglichkeiten selbstständig sein.“

Aufgrund seiner Krankheit ist er nämlich fast immer auf Hilfe angewiesen. Er hat zwei Assistenten, die ihn an sechs Tagen in der Woche tagsüber unterstützen. Um sich den Wunsch von der eigenen Wohnung erfüllen zu können, sucht der 30-Jährige fünf weitere Betreuer.

„Wichtig ist, dass die Chemie stimmt“, sagt Giese. Eine pflegerische Ausbildung ist nicht zwingend notwendig. „Wenn man die hat, ist das natürlich von Vorteil“, sagt seine Assistentin Leslie Beaumont. Klar sollte den Betreuern sein, dass sie alle anfallenden Aufgaben übernehmen. Das reicht von Haus- und Gartenarbeiten über pflegerische Aufgaben wie Waschen und Toilettengänge bis hin zu Nachtwachen. Bei Letzteren geht es vor allem darum, dass jemand im Notfall da ist, sagt Beaumont.

Auch einen Führerschein sollten die Assistenten haben, denn der 30-Jährige ist viel unterwegs. Er geht gern ins Kino, und kürzlich war er mit Beaumont zusammen in der Disco „Five Elements“ in Wildeshausen. Auch mit Goldenstedt hat er sich schon vertraut gemacht. „Es ist cool dort. Wir waren spazieren am Hartensbergsee und es ist wirklich schön da“, sagt der 30-Jährige. Sobald er eingezogen ist, hofft er, Kontakte knüpfen zu können in der Nachbarschaft. Er gibt aber auch zu, dass er anfangs nicht unbedingt nach Goldenstedt wollte, sondern gerne näher an seinem Zuhause gewohnt hätte. „Matthias’ Familie hat schon mehrfach versucht, Wohnungen für ihn zu finden, aber immer nur Absagen bekommen“, sagt Beaumont.

Das liebste Hobby des 30-Jährigen ist Fußball. Giese ist großer Fan von Bundesligist Borussia Dortmund. „Ich war auch schon ab und zu im Stadion, aber es ist schwierig, an Karten zu kommen“, sagt er. Sein nächster großer Wunsch lautet deshalb: Eine Dauerkarte seines Lieblingsvereins im Ruhrgebiet.

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