Notlösung der Politik nicht praxistauglich

Landwirte kämpfen gegen den Regen: Wohin mit der ganzen Gülle?

Viele Felder von Franz-Josef Dasenbrock sind weitgehend überschwemmt. Eine Verbesserung der Situation ist nicht in Sicht.

Wildeshausen - Von Lea Oetjen. Die Felder sind völlig durchnässt und nicht befahrbar. Schon seit Monaten. Das erweist sich für die Bauern in Wildeshausen als großes Problem. Sie können die Gülle nicht ausbringen – die schweren Trecker und Anhänger würden im matschigen Boden einsinken. Nicht wenige haben sich schon ihre Koppeln kaputt gefahren. Hinzu kommt, dass sich die Situation so bald nicht entspannen wird, weil Gülle nur zu bestimmten Zeiten ausgebracht werden darf – und aktuell ist eigentlich Sperrzeit.

Um eine Entlastung für die zahlreich betroffenen Landwirte zu schaffen, hat das Land Niedersachsen die Sperrfrist aufgehoben – wenn auch nur für stickstoffhaltige Abwässer mit bis zu zwei Prozent Trockenmasse. Sollten die hohen Niederschlagsmengen jedoch anhalten, bleiben die Flächen auch über einen längeren Zeitraum unbefahrbar.

Dann könnten die Betroffenen nach entsprechender Erlaubnis provisorische Lagerräume oder auch „Gülle-Lagunen“ (Folienerdbecken) einrichten. „Ein Vorschlag der Regierung, der nicht praxistauglich ist“, urteilt Franz-Josef Dasenbrock, Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes. „Die meisten Landwirte werden ein solches Provisorium nicht annehmen. Wir werden weiter nach anderen Alternativen suchen.“

Die Landwirte geben sich noch lange nicht geschlagen. Sie versuchen weiterhin, mit „aller Macht zu arbeiten, um das Problem zu lösen“.

Vorerst scheint ihr Plan aufzugehen: „Die Unterstützung der Bauern untereinander ist ausgezeichnet. Sie sollte uns mindestens bis zum Februar über Wasser halten“, hofft Dasenbrock. Die Summe der Niederschläge in der Kreisstadt hat sich im Vergleich zwischen den Wintermonaten der Jahre 2016 und 2017 mehr als verdoppelt. Während es im November 2016 noch 33,9 Liter pro Quadratmeter und im Dezember 34 Liter Niederschlag waren, stieg der Wert im November 2017 auf 68,9 und im Dezember sogar auf 74,1 Liter pro Quadratmeter an.

„Das Problem ist, dass sich die Mehrheit dieser großen Niederschläge in die zweite Hälfte von 2017 datieren lässt. Seit August gab es keine richtige Trockenphase mehr“, bedauert Dasenbrock. Anzeichen für eine Verbesserung sieht der 55-jährige Wildeshauser nicht: „Alles steht und fällt mit dem Wetter.“

Tiere zertrampeln Weiden

Konsequenzen hat die hohe Niederschlagsrate jedoch nicht nur auf das Ausbringen von Gülle. „Die Tiere zertrampeln die durchnässten Weiden. Keiner weiß, ob dort aus eigener Kraft je wieder Gras wachsen wird“, sagt Dasenbrock. Zudem sei es in den vergangenen Monaten zu nass für Weizen gewesen.

Für die nächsten Jahre bleibt abzuwarten, ob sich Derartiges wiederholt. Das Klima verändert sich stetig – und mit ihm auch die Landwirtschaft. „Es könnte schon viel bringen, wenn es langfristige Wetterprognosen gäbe, die zuverlässig sind. Wir könnten uns besser vorbereiten und die Situationen besser steuern“, meint Dasenbrock.

Außerdem sei es wichtig, dass die Laufzeit eines Bauantrags verkürzt werde. „Derzeit dauert es rund zwölf Monate, neue Kapazitäten zu schaffen. Das hilft uns nicht weiter.“

Bleibt zu hoffen, dass sich die Lage in Kürze entspannt und in Wildeshausen endlich wieder für längere Zeit die Sonne scheint.

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