Fast die ganze Landgemeinde soll nach der Düngeverordnung ein „rotes Gebiet“ werden

Landwirte fürchten Einschränkungen

Umstritten: Das Land will, dass Bauern in Wildeshausen weniger düngen. Diese fühlen sich wiederum ungerecht behandelt.
+
Umstritten: Das Land will, dass Bauern in Wildeshausen weniger düngen. Diese fühlen sich wiederum ungerecht behandelt.

Wildeshausen – Das Land Niedersachsen hat die nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete neu ausgewiesen und davon ist auch die Landgemeinde der Kreisstadt betroffen. „Wildeshausen ist fast komplett rot“, sagt Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolks. Er befürchtet erhebliche Auswirkungen für die Betriebe, die in den „roten Gebieten“ wirtschaften. Neben den Schweine- und Getreidebauern denkt er dabei auch an das große kartoffelverarbeitende Unternehmen Stöver in der Wildeshauser Landgemeinde.

Grundlage für die Ausweisung der „roten Gebiete“ ist der Nachweis von Nitrat (Stickstoff) im Grundwasser. Als Verursacher gilt in vielen Fällen die Landwirtschaft, die damit düngt. Für die meisten Pflanzen ist Nitrat zwar ein wichtiger Nährstoff. Aber für den Menschen, vor allem für Säuglinge, kann die Aufnahme schädlich sein, weil der Stoff mitunter im Körper in Nitrit umgewandelt wird. Dadurch kann der Sauerstofftransport im Blut eingeschränkt werden.

Um den Eintrag des potenziell gefährlichen Nitrats ins Trinkwasser zu verhindern, will das Land verschiedene Maßnahmen in „roten Gebieten“ treffen. So dürfen Bauern dort weniger Dünger ausbringen. Die Idee dahinter ist, dass die Pflanzen dann so viel vom Nitrat aufnehmen, dass das Trinkwasser nicht mehr gefährdet ist. Außerdem müssen die Bauern den Dünger schneller in den Boden einarbeiten.

Für Wolff ist klar, „dass die Sache mit dem Nitrat im Wasser geklärt werden muss“. Aber durch die „roten Gebiete“ würden alle darin wirtschaftenden Landwirte einfach über einen Kamm geschert. Schließlich reiche schon der hohe Nitratwert einer Messstelle, um das ganze umgebende Areal zu einem „roten Gebiet“ zu machen. Auch Bauern, die sich bis jetzt an alle Vorgaben zur Düngeausbringung des Landes gehalten haben und gute Bodenmesswerte auf ihren Flächen nachweisen können, würden in Mitleidenschaft gezogen. „Diese Bauern müssen die Möglichkeit haben, weiterzuarbeiten“, fordert Wolff.

Die möglichen Einschränkungen sind in den Augen des Landvolkvertreters immens. „Wenn wir die Düngung pauschal um 20 Prozent reduzieren müssen, wird die Pflanze ausgehungert.“ Das sei ein massives Problem. Auf der einen Seite stehe ein niedrigerer Ertrag, auf der anderen Seite verliere die Frucht auch an Qualität. „Und der Markt hat gewisse Anforderungen“, mahnt Wolff. Außerdem könnten sich Krankheiten in den geschwächten Beständen ausbreiten.

Er wünscht sich, dass statt großräumiger Regelungen gezielt gemessen wird, sodass nur die schwarzen Schafe unter den Landwirten eingeschränkt werden und nur ihre Düngung neu geregelt wird. „Die ganze Rechtsgrundlage kommt doch vom grünen Tisch und hat keinen Bezug zur Praxis“, ärgert sich Wolff.

Bauern bemängeln Praxisbezug

Das Landvolk hat zusammen mit dem Landkreis Oldenburg vor einigen Jahren ein eigenes Messprogramm ins Leben gerufen. Bei der Durchsicht der Ergebnisse hätten sich noch jede Menge Fragestellungen ergeben. So hätten einige der beteiligten Landwirte nach den Vorgaben gearbeitet, was ihnen auch so vom Landkreis bestätigt worden sei, und trotzdem seien Messstellen teilweise belastet gewesen. Wolff wünscht sich einen genaueren Blick auf die Prozesse im Boden.

Dabei blickt er zum Beispiel in den Norden. So berücksichtige das Land Schleswig-Holstein, dass auch unterhalb der Wurzelschicht noch Nitrat im Boden abgebaut werde. Das tue das Land Niedersachsen unverständlicherweise nicht.

Die Düngeverordnung wird schon länger diskutiert. Jetzt rückt die Umsetzung aber immer näher. Die niedersächsische Landwirtschaftministerin Barbara Otte-Kinast spricht von Rechtskraft ab März. Zuvor werden noch die Verbände beteiligt. Und es laufen auch Klagen. Wolff gibt den Widerstand nicht auf. „Wir haben auf scharf geschaltet, weil bei uns so viele Landwirte betroffen sind.“

Von Ove Bornholt

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Leipzig verpasst Tabellenspitze - BVB strauchelt gegen Mainz

Leipzig verpasst Tabellenspitze - BVB strauchelt gegen Mainz

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Meistgelesene Artikel

Corona-Party: Flaschenwürfe gegen Polizei

Corona-Party: Flaschenwürfe gegen Polizei

Corona-Party: Flaschenwürfe gegen Polizei
Keine neue Corona-Infektion in Wildeshausen

Keine neue Corona-Infektion in Wildeshausen

Keine neue Corona-Infektion in Wildeshausen
Ohne Führerschein, dafür aber unter Drogen

Ohne Führerschein, dafür aber unter Drogen

Ohne Führerschein, dafür aber unter Drogen

Kommentare