Neue Düngeverordnung: Agrarier sehen gravierende Mängel in den Ausgangsdaten

Landvolk stellt Messwerte infrage

Probleme durch Düngung? Niedersächsische Landwirte bezweifeln die Messungen der Ministerien und legen eine Studie vor. Symbolfoto: dpa

Landkreis – Gehen Nitratbelastungen im Grundwasser in dem Maße auf die Landwirtschaft zurück, wie von der Politik behauptet? Das Landvolk Niedersachsen hat die Erhebung der Daten infrage gestellt – und damit nicht zuletzt die geplante Novelle der „Düngeverordnung“, die landesweit „rote Gebiete“ ausweist, in denen künftig die Ausbringung etwa von Gülle stark reglementiert oder aber verboten sein soll. Erst jüngst hat der neue Vorsitzende des hiesigen Kreislandvolkes die geplanten Regelungen scharf kritisiert und seinen Berufsstand in Schutz genommen (wir berichteten). Bereits im Vorfeld hatten die Landwirte eine Kontrolle der Messwerte angekündigt und bereits Klagen gegen die neue Verordnung in Aussicht gestellt.

Jetzt sehen sich die Agrarier in ihrer Kritik an dem Messstellennetz zur Beurteilung der Grundwasserqualität bestärkt: „Fast jede zweite Messstelle weist gravierende Mängel auf“, berichtet das Landvolk in einer Pressemitteilung. Dieses Ergebnis habe jetzt ein Fachgutachten des Büros „Hydor Consult“ mit Sitz in Berlin ergeben. „Die Ergebnisse sind aus unserer Sicht erschreckend und bestärken uns in unserer Kritik an dem bisherigen System“, fasst Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke in dem Text zusammen. Das Gutachten belege demnach Mängel an den bautechnischen Zuständen zahlreicher Messstellen. Deren gesamtes Netz werde als „wenig repräsentativ“ eingestuft und eigne sich somit nicht zur Festlegung der sogenannten roten Gebiete.

„Das Landvolk fordert eine grundlegende Überprüfung der Messstellen sowie einen Neuzuschnitt des gesamten Messnetzes und daraus resultierend eine fundierte Überarbeitung der Gebietsausweisung“, fasst Schulte to Brinke die aus dem Gutachten resultierenden Forderungen des Landvolkes zusammen. „Die Ergebnisse des Fachgutachtens liefern uns gute Argumente für die Klage gegen die erneute Änderung der Düngeverordnung“, gibt er in dem Text zu bedenken.

„Auch die relevanten Messstellen im Landkreis Oldenburg weisen in der zusammenfassenden Bewertung erhebliche Mängel auf“, stellt der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Oldenburg, Detlef Kreye aus Großenkneten, fest. Sowohl bei der Ausbauqualität der Messstellen wie bei der Wartung und Dokumentation seien „Unregelmäßigkeiten“ festgestellt worden. Die Wasseranalysen spiegelten davon ausgehend zum Teil fehlerhafte Werte wider, heißt es. „Die Feststellung, dass die Gebietsabgrenzung nicht nach grundwasserhydraulischen Aspekten erfolgte, stellt die Rote-Gebiete-Kulisse vollständig infrage. Da, wo Probleme sind, soll verursacherbezogen gearbeitet werden. Wir sind aber dagegen, dass die gesamte Landwirtschaft in Sippenhaft genommen wird“ so Kreye in der vorläufigen Bewertung.

Das Gutachten habe 41 Grundwasserkörper hinsichtlich ihres Zuschnitts mit den zugehörigen Typflächen und Teilräumen analysiert, erläutert das Landvolk die Herangehensweise. Es komme zu dem Ergebnis, dass die geringe Dichte der Messstellen in den Grundwasserkörpern „nicht repräsentativ“ sei. Die ausgewiesenen Messstellen bildeten somit nicht die reale Landnutzung ab. Das unterirdische Fließverhalten des Grundwassers werde zudem bei der Abgrenzung der Grundwasserkörper nicht ausreichend beachtet, heißt es weiter.

648 Messstellen seien auf ihre Qualität überprüft worden, parallel dazu die auf Grundlage dieser Messstellen beruhende Zustandsbeschreibung der Grundwasserkörper nach EU-Recht, so das Landvolk weiter. 190 der 648 überprüften Messstellen wiesen „gravierende Mängel“ auf, beispielsweise in den bautechnischen Anforderungen. An weiteren 194 Messstellen belege das Gutachten noch geringe Mängel. In 264 Fällen sei die Dokumentation der Ausbaupläne der Messstellen für eine Bewertung „unzureichend“, deshalb seien belastbare Aussagen zur Nitratbelastung dieser Messstellen „nicht möglich“.

Der Landkreis Oldenburg betreibt in Zusammenarbeit mit dem Kreislandvolk ein eigenes, unabhängiges Messprogramm zur Überprüfung der Brunnenqualität. Auch dieses weist in seiner aktuellen Auswertung teils zu hohe Nitratwerte auf. Darauf hatte auch Landrat Carsten Harings jüngst hingewiesen. Die Ergebnisse sind über die Internetseite des Landkreises abrufbar (wir berichteten). Die nächste Analyse steht für den Herbst dieses Jahres an. Ziel des landesweit wohl einmaligen Programmes ist es, Zusammenhänge zwischen Standort und Nutzung herzustellen und Handlungsempfehlungen zu geben.  fra

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