Landvolk-Mitglieder aus Wildeshausen und Dötlingen suchen den Dialog

„Trecker-Demo“ vor mehreren Supermärkten

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Mit 14 Treckern sammelten sich die Landwirte an der Raiffeisen-Waren-Genossenschaft, um von dort aus in vier Gruppen zu Supermarktstandorten am Westring, an der Ahlhorner Straße und der Harpstedter Straße zu fahren.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. „Warum wird so wenig mit uns, stattdessen aber ständig über uns geredet?“ Das fragen sich die Landwirte aus Wildeshausen und Dötlingen, die sich am Sonnabendvormittag auf Initiative der beiden Ortslandvolkverbände zu einer „Trecker-Demo“ trafen. Vor Wildeshauser Supermärkten wollten sie mit den Verbrauchern ins Gespräch kommen. Ihre Ziele: Vorurteile abbauen, den Dialog suchen, zu einem Blick hinter die Kulissen einladen und um Verständnis für die Landwirtschaft werben.

Mit Blick auf die „Grüne Woche“ in Berlin und den dortigen Demonstrationen unter dem Motto „Wir haben es satt“ erklärte der Dötlinger Landwirt Ralf Oltmann: „Wir sind doch überall vor Ort, niemand muss bis nach Berlin fahren, um zu sehen, wie Landwirtschaft funktioniert. Die Menschen können mit uns reden, sich direkt vor Ort informieren, wie wir arbeiten.“ Diese Botschaft versuchten die Bauern auch mittels ihrer Flyer zu überbringen, auf denen ausdrücklich zu einem Hofbesuch eingeladen wird. Interessierte können sich bei Thale Alfs vom Kreislandvolkverband Oldenburg, Telefon 04487/75010, melden. Hinter der Aktion steckt die Initiative „Echt grün – Eure Landwirte“. In dieser haben sich die Landvolkverbände Oldenburg, Cloppenburg und Emsland zusammengeschlossen, um unter dem Motto „Wir machen euch satt“ über die Herkunft der „bezahlbaren und sicheren deutschen Lebensmittel“ zu informieren und für die Leistung der Landwirte zu werben.

Bereits am Freitag hatten rund 300 Landwirte in Cloppenburg bei einer Demo einen fairen Dialog gefordert. Am Sonnabend waren Landwirte mit etwa 150 Treckern in Oldenburg unterwegs. Andere hatten sich auf den Weg nach Berlin gemacht. Dort demonstrierten nicht nur die Bauern, sondern vor allem die Unterstützer der Umwelt- und Agrarverbände, die sich für eine ökologische Landwirtschaft stark machen und „die Agrarindustrie satt haben“. Aus dem Landkreis Oldenburg waren Mitglieder vom „Bündnis MUT“ dabei.

In Wildeshausen wurde in kleinerer Runde diskutiert. Mit den Plakaten, die die Teilnehmer an ihren Traktoren befestigt hatten, machten sie deutlich, dass die Macht, die Landwirtschaft in eine Richtung zu lenken, nicht bei den Landwirten liege. „Schimpfe nie mit vollem Mund über einen Landwirt“ und „Tierwohl gibt es nicht zum Nulltarif“ appellierten sie an die Verbraucher, aber auch an den Einzelhandel. „Viele von uns wollten bei der Initiative Tierwohl mitmachen. Aber der Einzelhandel ist nicht bereit, das Geld dafür zur Verfügung zu stellen“, so Oltmann.

Vor den Supermärkten wurde so mancher Verbraucher aufmerksam. Interessiert beäugte Manfred Bartnick nach seinem Einkauf die Trecker sowie Plakate und suchte das Gespräch mit den Landvolk-Mitgliedern. „Endlich eine Landwirte-Demo“, lobte Bartnick, der der Meinung ist, dass der Wert der Lebensmittel zu wenig geschätzt werde. Allerdings hatte er auch Kritikpunkte, mit denen er die Bauern konfrontierte. Vor allem Fleisch kaufe er nur noch in Bio-Qualität. Über Massentierhaltung, Antibiotika, Biogasanlagen und Monokultur wurde kontrovers diskutiert. „Mir ist klar, dass die Landwirte auch nur ihren Job machen“, lenkte Bartnick ein. Oltmann sagte: „Die Landwirtschaft ist wie ein großer Tanker, bei dem das Lenkrad nicht mit einem Mal herumgerissen werden kann.“ Und ein Landwirt müsse seinen Laden am Laufen halten. „Was soll ich sonst mal meinen Kindern erzählen?“ Bartnick plädierte allerdings für einen noch nachhaltigeren Ausblick: „Und was ist mit Ihren Ururenkeln?“

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