Carsten Harings geht zum Ende der Wahlperiode in den Ruhestand

Persönliche Erklärung: Landrat will nicht mehr kandidieren

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Carsten Harings

Wildeshausen – Landrat Carsten Harings (61) verzichtet auf eine Wiederwahl: In einer persönlichen Erklärung hat der Chef der Kreisverwaltung am Donnerstagmittag mitgeteilt, nach Ablauf der jetzigen Wahlperiode nicht mehr für das Amt zur Verfügung zu stehen und im Oktober 2021 in den Ruhestand gehen zu wollen. Der parteilose Verwaltungschef aus Sandkrug bekleidet den Posten seit November 2014.

„Ich gebe bekannt, dass ich 2021 nicht erneut für das Amt des Landrates kandidieren werde“, schreibt Harings. Und weiter: „Eigentlich hatte ich die Absicht, mich bereits im März-Kreistag zu erklären. Dieser hat aber bekanntlich nicht mehr stattgefunden.“ Diesen Termin habe er ganz bewusst gewählt, denn er wäre anderthalb Jahre vor den nächsten Kommunalwahlen gewesen – und darauf müsse sich die Politik rechtzeitig vorbereiten können. „Dabei hat sie nach meinem Verständnis auch einen berechtigten Anspruch zu erfahren, woran sie mit dem Amtsinhaber ist“, führt er weiter aus. „Dies umso mehr, als mich bei der Landratswahl 2014 sämtliche im Kreistag vertretenen Fraktionen respektive Parteien und Wählergruppen unterstützt und getragen haben.“ Nach der Affäre um Landrat Frank Eger, der wegen Vorteilsnahme vom Landgericht verurteilt wurde, hatten die politischen Kräfte im Landkreis nach einem gemeinsamen Kandidaten gesucht, der für Ruhe sorgt.

Entscheidung sollte im März verkündet werden

Harings gibt an, sich jetzt zur Bekanntgabe der Nachricht entschieden zu haben, um „die berechtigten Fragen, die sich zuletzt gehäuft haben, beantworten und nicht erst bis zum nächsten Kreistag im Juli warten“.

Der Sandkruger sagt, er höre vor allem aus Altersgründen auf. „Ich vollende im Oktober 2021, kurz vor Beginn der neuen Wahl- und Amtsperiode, mein 63. Lebensjahr. Eine komplett weitere Amtszeit bis zum Ende meines 68. Lebensjahres kann ich mir nicht vorstellen. Nach mehr als 40 Jahren, die ich für den Landkreis Oldenburg da sein und arbeiten durfte, habe ich noch Pläne, die ich bislang nicht verwirklichen konnte. Und naturgemäß kann ich nicht wissen, wie viel Zeit mir noch vergönnt sein wird, diese Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen“, begründet Harings seine Entscheidung.

Eine Wahl und dann ein vorzeitiger Ausstieg mitten in der Amtsperiode sei für ihn allerdings nie in Betracht gekommen, „weil das eine Täuschung des Wählers wäre“. Deshalb habe er die Entscheidung „wohl überlegt so getroffen“. Er glaube zudem, so Harings, „dass ich sie nach über 40 Jahren so treffen darf“. Er verzichte somit auf eine erneute Kandidatur und gehe zum 31. Oktober 2021 in den Ruhestand.

Bis dahin heiße es „anpacken, gemeinsam die Herausforderungen angehen und meistern“. Darauf wiederum hätten alle Bürger einen berechtigten Anspruch, und darauf könnten sie sich auch nach seinem Selbstverständnis verlassen: „Bis zum letzten Tag“, unterstreicht Harings abschließend.

Fraktionen reagieren mit Bedauern

Bei den Parteien im Kreistag wird die Entscheidung überwiegend bedauert. „Wir hätten die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit gerne fortgesetzt“, sagt Dirk Vorlauf von der CDU-Fraktion. „Wir werden Ausschau nach einem geeigneten Kandidaten halten“, ergänzt er. Aber damit habe sich die Fraktion noch nicht wirklich beschäftigt.

„Ich finde es schade, weil wir immer gut zusammengearbeitet haben, auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren“, sagt Axel Brammer von der SPD. „Ich bin der gleichen Situation gewesen und hätte auch aufhören können“, so der 64-Jährige. Was die Zukunft und einen eigenen Kandidaten angeht, habe er noch nicht mit seinen Parteifreunden gesprochen, aber schon ein paar Ideen. „Ich bin da sehr selbstbewusst. Wir stehen in guten Schuhen, was den Nachwuchs angeht.“

„In Klimafragen hätten wir uns eine schnellere Gangart gewünscht“, gibt Eduard Hüsers von den Grünen zu. Gleichwohl habe Harings die Kreisverwaltung nach der Eger-Affäre in ruhiges Fahrwasser gelenkt. „Wir haben jetzt genügend Zeit, uns um einen Kandidaten zu kümmern“, so der Huntloser.

„Harings wird ein geordnetes und gut aufgestelltes Kreishaus übergeben können“, sagt Marion Daniel (FDP/Freie Wähler). „Bei der FDP-Fraktion gibt es Überlegungen, wer für dieses Amt in Frage kommt, aber vorstellbar ist es auch, mit anderen Parteien einen gemeinsamen Kandidaten zu unterstützen.“

Auch die AfD äußert sich zu Harings‘ Entscheidung. „Wir bedauern das, weil wir mit Landrat Harings immer ein sehr gutes Verhältnis in der Zusammenarbeit hatten. Ich kann seine Gründe aber nachvollziehen“, so der Fraktionsvorsitzende Patrick Scheelje. „Wir sind auch gespannt, wie es dann weiter geht und wer neuer Landrat wird.“

Die Linken-Fraktionsvorsitzende Kreszentia Flauger bedauert Harings‘ Entscheidung. „Er hat seinen Job gut gemacht und ein Talent für konstruktive Lösungen, die alle mittragen können, bewiesen.“ Über einen eigenen Kandidaten sei bei der Linken nicht gesprochen worden.

„Für Harings persönlich ist es die richtige Entscheidung. Er hat viele Krisen überstanden“, sagt Wolfgang Däubler (UWG). „Für uns ist sehr schade“, findet der Wildeshauser. Zwar habe die UWG zum Beispiel beim Schultausch eine andere Meinung gehabt, aber Harings habe sein Amt stets transparent ausgeübt. „Ich sehe überhaupt niemanden, der in diese großen Fußstapfen treten könnte.“

Kommentar zum Thema

Ein erfahrener Krisenmanager geht

Von Ove Bornholt

Landrat Carsten Harings tritt bei der Kommunalwahl 2021 nicht wieder an. Das ist eine konsequente Entscheidung. Schließlich hatte er sich nie in die erste Reihe gedrängelt, sondern 2014 fast schon widerwillig das Amt an der Spitze der Kreisverwaltung angetreten, nachdem ihm alle Fraktionen ihre Unterstützung zugesagt hatten.

Es war die Zeit, als sich sein Vorgänger Frank Eger wegen Korruption vor dem Landgericht Oldenburg verantworten musste und schließlich auch wegen Vorteilsnahme im Amt verurteilt wurde. Den Scherbenhaufen durfte Harings, vordem als Erster Kreisrat die Nummer zwei der Verwaltung, zusammenkehren. Und nach einem holprigen Start gelang ihm das auch zusehends.

Doch noch nicht einmal ein Jahr im Amt, rollte im Herbst 2015 eine große Flüchtlingswelle auf Deutschland zu, die den Landkreis Oldenburg wie alle Kommunen vor große Herausforderungen stellte. In Wildeshausen wurden Flüchtlinge in Turnhallen untergebracht, alle paar Tage kamen neue Busse mit Asylbewerbern an, und Harings managte die Krise – auch mit Unterstützung vieler lang gedienter Verwaltungskräfte wie dem damaligen Sozialdezernent Bodo Bode und Kreisrat Christian Wolf.

Dann kehrte eine Weile Ruhe ein. Harings schwamm sich zusehends frei, wurde bei öffentlichen Terminen entspannter und kam mehr und mehr in seiner Rolle als Landrat an. Auch die Politik wusste er gut in seinem Sinne zu beeinflussen – meist als mäßigende Stimme. Der ehemalige Kämmerer hatte den Haushalt und dessen Möglichkeiten immer gut im Blick.

Jetzt, nach der Affäre Eger und der Flüchtlingskrise, darf sich der 61-Jährige auch noch mit der Coronakrise herumschlagen. Und bisher steht der Landkreis Oldenburg gut da. Sicherlich auch ein Verdienst des erfahrenen Krisenmanagers.

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