Bilanz der Ausgangssperre?

Landrat Carsten Harings zur Corona-Pandemie: „Der Ernst der Lage muss in die Köpfe“

„Bis auf Weiteres ist der Markt bis 21 Uhr geöffnet“, hieß es noch am Freitag beim „K+K“-Supermarkt in Wildeshausen. Wegen der Ausgangssperre war früher Ladenschluss.
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„Bis auf Weiteres ist der Markt bis 21 Uhr geöffnet“, hieß es noch am Freitag beim „K+K“-Supermarkt in Wildeshausen. Wegen der Ausgangssperre war früher Ladenschluss.

Wildeshausen – Im Interview mit unserer Zeitung äußert sich Landrat Carsten Harings zur Wirksamkeit der nun beendeten Ausgangssperre in Wildeshausen, Schlachtfirmen und dem Ernst der Lage.

Die Ausgangssperre endete am Sonntag. Wie bewerten Sie die Wirksamkeit dieses Instruments?

Zur Wirksamkeit von Ausgangssperren gibt es viele Studien. Hier vor Ort ein umfassendes Resümee ziehen zu können, wäre verfrüht, weil durch die Inkubationszeit immer zeitliche Verschiebungen mit eingerechnet werden. Aber wir haben erfreut feststellen können, dass sich die Lage im Landkreis Oldenburg derzeit stabilisiert hat. Im Übrigen war die Ausgangssperre auch kein „Experiment“ unsererseits – es ist klar in der Landesverordnung geregelt, wann Ausgangssperren einzurichten sind.

Wie erklären Sie sich, dass die Infektionszahlen gerade in Wildeshausen in den vergangenen Wochen so stark gestiegen sind? Hat das etwas mit den Großbetrieben in der Kreisstadt zu tun, die viele osteuropäische Arbeiter beschäftigen?

Ein Zusammenhang mit der Fleisch- und Schlachtbranche ist nicht von der Hand zu weisen. Das ist ein klar lokalisiertes Infektionsgeschehen. Dieses ist aber auch so deutlich lokalisiert, weil die Unternehmen, weit über den gesetzlichen Standards, tägliche Testungen mittels PCR-Test durchführen.

Landrat Carsten Harings

Einige Bürger fordern, Geestland zu schließen. Würde das helfen? Die osteuropäischen Arbeiter wären ja nach wie vor in Wildeshausen, würden allerdings nicht mehr täglich getestet werden.

Es werden sämtliche Möglichkeiten erwogen und bedarfsweise auch mit den beteiligten Unternehmen erörtert. Wenn es sich als notwendig erweist, werden aber auch klare Entscheidungen getroffen, die umzusetzen sind. Wir analysieren die Lage täglich. Sie haben Recht, durch die täglichen Testungen ist ein umfassendes Monitoring möglich. Und das hilft durchaus, weitere Infektionen zu verhindern. Natürlich spielt das auch eine Rolle, genauso wie die Erkenntnis, wo genau die Infektionen erfolgen und weiter gegeben werden. Wir achten sehr genau darauf, dass das Infektionsrisiko in der Fläche minimiert bleibt.

Ein anderes Thema ist die Wohnsituation. Kann der Kreis in Quartieren wie zum Beispiel an der Hermann-Ehlers-Straße Testungen auf das Coronavirus anordnen. Wäre das eine sinnvolle Maßnahme?

Die Wohnsituation kann ein verstärkender Faktor sein. Insbesondere im Hinblick auf Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln. Eine Testung von bestimmten Quartieren muss rechtlich abgesichert sein. Es wäre eine doppelte Testung, da zumeist schon Testungen in den Unternehmen stattfinden. Die Wohnsituation bereitet nicht nur uns Unbehagen.

Welche zusätzlichen Möglichkeiten hat der Landkreis noch in petto, um die Infektionszahlen in Wildeshausen nachhaltig zu senken?

Es ist und bleibt ein Dauerproblem, und das muss man auch sagen dürfen, die betreffende Bevölkerung auch wirklich so zu erreichen, dass sich die Einstellung zu der Situation ändert und anpasst. Staatliche Maßnahmen und Eingriffe sind das eine. Entscheidend ist: Der Ernst der Lage muss in die Köpfe aller Beteiligter, das Bewusstsein muss geschärft werden und das ist nach so langer Zeit in der Pandemie nicht leicht. Vieles wird nicht mehr akzeptiert und das geht nicht.

Andere Kreise in Niedersachsen haben ihre Ausgangssperre ja nach einem Gerichtsurteil wieder zurückgenommen. Warum ist das in Wildeshausen nicht passiert?

Das ist eine sehr einzelfallbezogene Betrachtung, die von vielen Faktoren abhängt. Entscheidungen von Nachbarkreisen möchten und können wir daher nicht bewerten und das tun wir auch nicht. Wir haben für uns entschieden, was wir nach dem hiesigen Geschehen für notwendig erachtet haben, um gegenzusteuern.

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