Fläche schrumpft

Landkreis Oldenburg hat 10.000 Quadratmeter weniger

Ein Kugelschreiber mit Landkreis-Flagge steckt in einer Wiese.
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Die Kreisgrenze ist relativ stabil: Zuletzt hat die Fläche um 0,01 Quadratkilometer abgenommen.

Der Landkreis Oldenburg ist geschrumpft. Es gibt einen ganz einfachen Grund.

  • Der Landkreis Oldenburg ist kleiner geworden.
  • Die Verwaltung gibt sich bestürzt.
  • Das Katasteramt kennt den Hintergrund.

Landkreis Oldenburg – Es ist amtlich. Der Landkreis Oldenburg ist 2019 um 10.000 Quadratmeter geschrumpft. Das ist dem aktuellen Datenblatt des Bundesamtes für Statistik in Wiesbaden zu entnehmen. Betrug die Fläche des Kreises im Jahr 2018 noch stattliche 1064,84 Quadratkilometer, sind es ein Jahr später nur noch 1064,83. Zum Vergleich: Im Nachbarlandkreis Vechta sind es aktuell 814,20 Quadratkilometer.

Oliver Galeotti, Pressesprecher des Landkreises Oldenburg, gibt sich über den Flächenschwund erschüttert. „Das ist ja Wahnsinn“, schmunzelt er. „Wir sind entsetzt“, kommentiert er die Entwicklung, die bislang niemandem in der Verwaltung aufgefallen zu sein schien. Der Pressestelle sei keine Änderung der Kreisgrenze in den vergangenen Jahren bekannt, heißt es.

Laut Auskunft der Bundesstatistiker gibt man sich dort ahnungslos und verweist darauf, dass die Zahlen lediglich von den zuständigen Landesämtern übernommen werden – zuständig wäre also Niedersachsen.

Wir sind entsetzt.

Olliver Galeotti, Pressesprecher Landkreis Oldenburg

Doch auch bei den hiesigen Statistikern: Rätselraten. Man könne sich den Flächenschwund ebenfalls nicht erklären und vermute nach einem Blick in die Kreisflächenregister von 2018 und 2019 einen Rundungsfehler oder eine neue Rundungsregel, die angewandt wurde. Jedoch messen die Datensammler aus Hannover die Flächenzahlen nicht selbst aus, sondern erhalten diese übermittelt vom Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung.

Katasteramt kennt die Lösung

Doch woher hat das Katasteramt nun die Zahlen? Hajo Roßkamp ist Leiter der Regionaldirektion Wildeshausen und zuständig für den Bereich Oldenburg-Cloppenburg. Auch ihm ist keine Änderung oder ein Austausch an der Kreisgrenze bekannt. Jedoch hat er eine Theorie. „Im Grundsatz gibt es sogar mehrere Ansatzpunkte.“ Mittlerweile seien alle Karten digitalisiert. Änderungen der Quadratmeterzahl entstünden immer dann, wenn Qualitätsverbesserung vorgenommen werden, so Roßkamp. Das Datenmaterial basiere teilweise auf Karten von vor 200 Jahren und deren Genauigkeit. Wenn sich ein Flurstück seitdem nicht geändert hat, stehe da immer noch eine Zahl von damals.

Heute ist es unser Anliegen, dass jeder Landwirt eine Koordinate auf einen Zentimeter genau abstimmen kann.

Hajo Roßkamp, Leiter Kasteramt Wildeshausen 

„Heute ist es unser Anliegen, dass jeder Landwirt eine Koordinate auf einen Zentimeter genau abstimmen kann“, sagt er. Daher betrieben die Katasterämter ständige Verbesserungen der Karten. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich Flächenzahlen durch Qualitätsverbesserung ändern.“ Das Katasteramt teilt Flächen in Flurstücke auf. Größenangaben änderten sich regelmäßig durch neue Vermessungen. So komme es beispielsweise vor, dass durch so einen Vorgang ein Flurstück nicht mehr zehn Hektar groß ist, sondern nur noch 9,5. „Das wundert mich nicht, dass es da kleinere Änderungen gibt“, sagt Roßkamp.

Satelliten und Tachymeter helfen

„Unsere Vermessungsverfahren sind satellitengestützt, außerdem arbeiten wir viel mit Tachymetern (Instrument zur Einmessung von Punkten) und wenden das Polarverfahren an (eine Kombination aus Winkel- und Streckenmessungen). Das ist das klassische Verfahren“, sagt der Amtsleiter. Bei Satelliten müsse stets eine freie Sicht zum Himmel bestehen, was bei Wolken und unter Baumkronen zu Problemen führe.

Wo soll ich den Zaun setzen? „Wenn beispielsweise ein Eigentümer wissen möchte, wo seine Grenze verläuft, fahren wir raus und führen eine Vermessung durch“, so Roßkamp. Dann sei eine Abmarkung gewünscht und nötig. „Grenzen sind durch Grenzrohre und -steine abgemarkt.“ Es werde dann geprüft, ob die Grenzsteine unverändert sind. „Mutwillige Versetzungen kommen sehr, sehr, sehr selten vor“, betont Roßkamp. In der Regel seien Grenzmarkierungen versehentlich durch Baumaßnahmen versetzt worden. Zur Überprüfung sei eine örtliche Begehung notwendig. Seit 1985 hätten die Kartierungen laut Roßkamp die höchste Qualität. Alle zuvor durch Bandmessungen angefertigten, entspräche nicht mehr der heutigen Genauigkeit.

Doch schwinge die Anpassung der Flurstücke in beide Richtungen. Langfristig hat sich die Fläche des Landkreises Oldenburg erhöht. Seit 2014 wuchs die Gebietsgröße laut Bundesamt für Statistik sogar von damals 1 063,12 um 1,71 Quadratkilometer.

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