Mit modernen Mitteln

Landkreis Oldenburg fördert Erhalt der plattdeutschen Sprache

Landkreis - Von Alina Pleuß. „Goh nich’ met’n vullen Buk or met’n leddigen Maag in’t Water“, heißt es im plattdeutschen Baderegelwerk, das auf der Internetseite des Landkreises Oldenburg zu finden ist. Nicht jeder weiß: Der Landkreis zeigt großes Engagement im Erhalt sowie der Förderung der niederdeutschen Sprache. Plattdeutschbeauftragte, Broschüren zur Übersetzung, Kulturprogramme und mehr hat dieser nämlich vorzuweisen.

Für Germanistikstudenten an der Universität Oldenburg hat sich der Kreis etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Diese können seit 2010 im Rahmen ihres Studiums den „Schwerpunkt Niederdeutsch“ wählen und damit eine Erstattung von ein bis zwei Semesterbeiträgen vom Landkreis erwarten. 

„Die Bedingung für die Erstattung ist dann aber, dass der Studierende den ersten Wohnsitz im Landkreis Oldenburg hat und nicht etwa in der Stadt Oldenburg“, berichtete Gabriele Diekmann-Dröge von der Universität Oldenburg. „Schwerpunkt Niederdeutsch“ bedeute, dass dem Studenten Seminare und Übungen zur Auswahl stehen, die sich mit dem Thema Niederdeutsch beschäftigen, wie zum Beispiel Sprachgeschichte, Grammatik, verschiedene regionale Varietäten des Niederdeutschen, die Sprache in der Schule und mehr. 

Nur zwei Studenten dabei

Mit dieser Initiative wolle man Plattdeutsch als Sprache stärken, heißt es auf der Internetseite des Landkreises. Bisher haben laut Angela Ceranka vom Personal- und Kulturamt des Kreises insgesamt nur zwei Studenten das Angebot angenommen.

Doch auch weitere Projekte widmen sich dem Erhalt der plattdeutschen Sprache: So fördert der Landkreis mit 15,34 Euro pro Stunde Plattdeutsch-AGs an den Grundschulen. „Manche Schulen bieten sogar von eigener Seite an, Unterrichtsfächer wie Sport oder Mathe auf Plattdeutsch zu unterrichten“, berichtete Ceranka. „Damit wird die Sprache lebendig gehalten, und auch die neuen Generationen kommen damit in Berührung.“

Übersetzungsbroschüren für Plattdeutsch in der Pflege

Zudem ist laut Ceranka in jeder Gemeinde im Landkreis Oldenburg ein sogenannter plattdeutscher „Bökerschapp“ zu finden. Was jedoch nicht als eigener Laden zu verstehen ist: „Das ist beispielsweise ein kleiner Bereich in einer Bücherei, oder die Broschüren und Bücher liegen, wie in Kirchhatten und Ganderkesee, im Rathaus und der Volkshochschule aus“, so Ceranka. 

Der „absolute Renner“ seien dort die Übersetzungsbroschüren für Plattdeutsch in der Pflege, der Landwirtschaft und in der Dienstleistung, die die Dötlingerin Hella Einemann-Gräbert in Zusammenarbeit mit anderen Helfern erstellt hat (wir berichteten). Gemeinsam mit der Neerstedter Bühne erhielt sie 2017 den ersten Kunst- und Kulturpreis im Bereich Niederdeutsche Sprache.

„Ruck-Zuck-Platt-Kurs“ am 5. Februar

Auch sogenannte Plattdeutschbeauftragte stehen seit 2010 zur Verfügung: „Damals hat der Landkreis initiiert, dass jede Gemeinde einen Beauftragten benennen soll“, so Ceranka. Diese sind mit ihren Kontaktinformationen auch auf der Internetseite des Landkreises unter dem Punkt „Bildung und Kultur“ aufgelistet. Veranstaltungen rund um plattdeutsche Theaterstücke und Museumsführungen werden außerdem im Landkreis geboten.

Und wer nun „neeisgierig“ (Hochdeutsch: „neugierig“) geworden ist, der kann beim dritten „Ruck-Zuck-Platt-Kurs“ am 5. Februar von 19 bis 21.30 Uhr im Grünen Zentrum in Huntlosen die Sprache Plattdeutsch erlernen. Die Teilnahmegebühr beträgt sieben Euro. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 04487/7507990 sowie per E-Mail an plattdeutsch-pflege@bbswildeshausen.de möglich. Die Baderegeln sowie den niederdeutschen Ratgeber zur Abfallsortierung finden Interessierte im Internet.

Weitere Informationen dazu gibt es hier

Rubriklistenbild: © imago/Eckhard Stengel

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