Landkreis berät Familien

Experten geben Tipps, damit Eltern ihr Kind nicht verletzen

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„Schreikinder haben ein hohes Gefährdungspotenzial“, sagt der Leiter des Kreisjugendamts Martin Ahlrichs.

Wildeshausen/Dötlingen - Was tun, wenn das Baby einfach nicht aufhört, zu schreien? Martin Ahlrichs, Jugendamtsleiter beim Landkreis Oldenburg, kennt das Problem, das nicht zuletzt wegen des derzeit laufenden Prozesses gegen einen 26-jährigen Vater aus der Gemeinde Dötlingen Aufmerksamkeit erfährt. 

Wie berichtet, muss sich der Mann verantworten, weil er seinen einen Monat alten Sohn halb tot geschüttelt hat. Der Säugling hat bleibende Behinderungen davongetragen, ist auf der linken Seite gelähmt, auf einem Auge blind. Es wird aller Voraussicht nach geistig und körperlich eingeschränkt bleiben.

„Das Thema bewegt uns“, sagt Ahlrichs. „Schreikinder haben ein hohes Gefährdungspotenzial. Es gibt Babys, die finden einfach keine Ruhe. Das ist eine große Herausforderung, und viele Eltern sind in solchen Situationen gewesen“, berichtet der Jugendamtsleiter. Deswegen ist die Behörde auch präventiv tätig und unterhält verschiedene Beratungsangebote. Diese werden allerdings längst nicht von allen Eltern wahrgenommen, die überfordert sind. Eventuell auch wegen der Sorge, das Jugendamt würde ihnen die Kinder wegnehmen.

„Das ist die Falle der Jugendhilfe“, meint Ahlrichs. Aber: „Wer sich bei uns meldet, hat die Chance, einen Weg durch die Krise zu finden.“ Im umgekehrten Fall handele es sich um eine selbsterfüllende Prophezeiung. „Leute, die denken, das Jugendamt nimmt ihnen die Kinder weg, melden sich nicht. Und dann spitzt sich die Lage irgendwann so zu, dass nichts anderes übrig bleibt und das passiert, wovor sie Angst haben.“

Leitet das Jugendamt: Martin Ahlrichs.

Ahlrichs spricht von drei Säulen der Prävention und Hilfe. Zum einen die Familien-Hebammen des Landkreises. Diese könnten unbürokratisch, also ohne Antrag, um Unterstützung gebeten werden. „Auch bevor man in große Not gerät.“ Zum anderen ist der Landkreis eine Kooperation mit dem Kinderschutzzentrum Oldenburg eingegangen. Unter dem Namen „Zuwachs kommt“ gibt es seit einigen Monaten ein mobiles Beratungsangebot. Eltern können sich melden und einen Termin an einem neutralen Ort oder zu Hause vereinbaren. Ahlrichs zählt auch die Cafés Kinderwagen zu den Präventionssäulen. Dort würden Väter und Mütter Gehör finden, „wenn sie sich öffnen mögen“.

Alles Angebote, die im Vorfeld einer kritischen Situation helfen können. Doch was ist, wenn das Baby mitten in der Nacht stundenlang schreit, ohne dass es dafür eine medizinische Ursache gibt, und Eltern spüren, dass sie langsam aggressiv werden? Ahlrichs verweist auf den Notruf. „Unter 112 ist die Großleitstelle erreichbar, die informiert ist. Das Jugendamt hat einen Bereitschaftsdienst, und dann kommt jemand raus.“

Grundsätzlich geht er davon aus, dass 99 Prozent der Eltern so viel Regulierungskompetenz haben, dass sie ihr Baby nicht schütteln, wenn es ständig schreit. Aber das Fatale sei: „Dadurch wird das Kind ruhig.“ Und Fälle wie den in Dötlingen gebe es immer wieder.  

bor

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