Landkreis Oldenburg: 30 Anträge für kleinen Waffenschein in drei Wochen

Große Nachfrage nach Schreckschusspistolen

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Eine täuschend echt aussehnde Schreckschusspistole, Munition und Pfefferspray – alles frei erhältlich.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Nachfrage nach Schreckschusspistolen und Pfeffersprays ist in Wildeshausen und im Landkreis Oldenburg stark gestiegen.

Erteilte das Kreis-Ordnungsamt im Jahr 2014 noch 21 Genehmigungen für den sogenannten kleinen Waffenschein, erlaubte es im vergangenen Jahr bereits 46 Kreiseinwohnern, eine Schreckschusspistole außerhalb der eigenen Wohnung mitzuführen. Allein in den ersten drei Wochen dieses Jahres gingen nun allerdings schon 30 Anträge auf den Schein im Kreishaus ein. Wer die Genehmigung erlangen möchte, muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. „Wir fragen auch bei den Revieren nach“, ergänzt der stellvertretende Leiter des Ordnungsamtes, Jürgen Meyer. Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Volksfesten, Sportereignissen oder Märkten dürfen die Besitzer ihre Waffe übrigens trotz Scheins nicht mitführen, wie aus einem Merkblatt des Landkreises hervorgeht.

Die behördliche Genehmigung für das Tragen einer Schreckschusspistole in der Öffentlichkeit ist die eine Sache. Für den Erwerb ist jedoch keine Erlaubnis des Landkreises nötig. Jeder, der älter als 18 Jahre ist, kann sich die Schusswaffe im Fachhandel besorgen oder sogar im Internet bestellen.

Kunden würden in der Waffenhandlung an der Huntestraße in Wildeshausen vermehrt nach Schreckschusspistolen fragen, berichtet ein Mitarbeiter auf Nachfrage. Das Tierabwehrspray, so der offizielle Name, sei so gut wie ausverkauft – „die Nachfrage ist extrem.“ Interessierte würden lange und ausführlich vor einem Kauf beraten. Zum Beispiel über Vorsichtsmaßnahmen. „Es gibt Leute, die unterschätzen die Gefahr, der sie sich aussetzen, wenn sie mit einer Pistole herumlaufen, die äußerlich von einer echten Schusswaffe nicht zu unterscheiden ist.“ Als Beispiel nennt er die Möglichkeit, von einem Polizisten erschossen zu werden, der bei einer vermeintlichen Gefährdung für Leib und Leben auf den Träger der eigentlich harmlosen Schreckschusswaffe anlegen dürfte.

Sein Kollege unterrichtet derweil geduldig rund 15 bis 20 Minuten eine junge Kundin, die ein Pfefferspray bestellt hat und es jetzt abholen möchte, was mit dem Gas erlaubt ist und was nicht.

Ohne dazu rechtlich verpflichtet zu sein, führt das Fachgeschäft seit Ende vergangenen Jahres ein Buch, in dem die Käufer von Schreckschusswaffen sowie die Nummer der jeweiligen Pistole notiert sind. Wenn er das Gefühl habe, dass Kunden nicht ordentlich mit dem Gerät umgehen werden, würde er es nicht verkaufen, sagt der Mitarbeiter.

Polizeisprecherin Melissa Oltmanns bezweifelt grundsätzlich, dass Schreckschusswaffen und Sprays richtig eingesetzt werden, weil der Träger im Notfall oft in Panik ist. Sie spricht von einer trügerischen Sicherheit und rät vom Kauf ab. Die Polizei übe den Umgang mit dem Spray, das zur Ausrüstung der Beamten gehört, intensiv. Allein schon wegen der Gefahr, sich selbst außer Gefecht zu setzen, wenn der Wind es ins eigene Gesicht wehe.

Woher das Interesse für die vermeintlich sinnvollen Abwehrmittel kommt, kann Oltmanns nicht sagen. Ein Zusammenhang mit den Ereignissen der Silvesternacht in Köln sei naheliegend: „Wir bekommen mit, dass Bürger in Sorge sind vor Übergriffen.“ Die Beamtin betont, im Bereich der Polizeiinspektion, der die Landkreise Oldenburg, Wesermarsch und die Stadt Delmenhorst umfasst, habe es keine sexuellen Übergriffe durch Flüchtlinge oder Migranten gegeben.

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