Mehrparteienhaus wird aufgestockt

Landkreis legalisiert Bau erst im Nachhinein

Diese Stahlträger sorgen für mehr Stabilität, vergrößern aber auch die Höhe des Gebäudes.
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Diese Stahlträger sorgen für mehr Stabilität, vergrößern aber auch die Höhe des Gebäudes.

Wildeshausen – Im Streit zweier Nachbarn wegen eines Bauprojekts in Wildeshausen hat der Landkreis Oldenburg die Arbeiten, die von der Baugenehmigung abgewichen waren, im Nachhinein legalisiert. Eine Entscheidung, die bei dem beschwerdeführenden Grundstückseigentümer nicht gerade für Freude sorgen dürfte. Er spricht von einem Schwarzbau und sieht den „Anschein von Kungelei“ in der Kreisverwaltung. Konkret geht es um die Aufstockung eines Mehrparteienhauses um vier Wohnungen. Der eingangs erwähnte Nachbar befürchtet, dass es infolgedessen zu Schattenwurf und einer Wertminderung seines Grundstücks kommt.

Die Baugenehmigung sieht eine Maximalhöhe von 9,83 Metern vor. Mitte Juli wurde der Nachbar misstrauisch, als er bemerkte, dass die Arbeiten nicht wie genehmigt und beantragt unterhalb des Schornsteins enden, sondern darüber hinaus ragten. Daraufhin wandte er sich an die Kreisverwaltung. Dort erhielt er aus seiner Sicht unbefriedigende Antworten und stellte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die zuständige Mitarbeiterin. „Ich habe den Eindruck gehabt, dass da eine Blanko-Vollmacht erteilt wurde“, sagte er. Gleichzeitig verlangte sein Anwalt einen Baustopp.

Kreis-Sprecher Oliver Galeotti berichtete auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Aufstockung aus baulichen Gründen höher wurde. Dafür seien die aufgestockten Wohnungen aber so verlagert worden, dass sich ihr Abstand zur Grundstücksgrenze des Nachbarn vergrößerte. Das sei entscheidend für die Rechtmäßigkeit des Bauprojekts, sagte Galeotti. „Es wurde gesetz- und regelkonform gearbeitet.“ Wie weit der Schattenwurf reicht, ist dem Kreis unbekannt. Maßgeblich sei der Abstand der neuen Wohnungen von fünf Metern zur Grundstücksgrenze, so Galeotti.

Ist diese Aufstockung rechtens? Der Kreis erteilte nachträglich eine Genehmigung für die Bauarbeiten, die vom ursprünglichen Plan abgewichen waren.

Nicht einverstanden ist der Kreis allerdings mit den zeitlichen Abläufen bei der Aufstockung, denn die nachträgliche Genehmigung für die veränderte Höhe wurde auf einen Antrag aus dem Juni hin am Montag erteilt. Das bedeutet, dass über einen Zeitraum von mehr als einem Monat ohne Genehmigung gebaut wurde. Dass also schon Tatsachen geschaffen wurden, könnte die Bauherrin noch teuer zu stehen kommen. „Eine Bußgeldzahlung steht im Raum“, bestätigte Galeotti. Es handelt sich nach Einschätzung des Kreises aber nicht um einen Schwarzbau. Zu einem Verstoß gegen die Bauordnung und einer anschließenden Bußgeld-Verhängung ist es vor Kurzem auch in Achim gekommen.

Die jetzt ausgesprochene Genehmigung sei keine Ermessenssache gewesen, so Kreis-Sprecher. „Das ist eine Pflichterteilung, wenn alles nach Recht und Gesetz läuft.“ Einen Baustopp hat der Landkreis auch deswegen nicht verhängt. Was zu diesem Zeitpunkt noch unklar war: Der Nachbarschaftsstreit in Wildeshausen eskaliert wenige Monate später wegen eines Walnussbaums.

Die Dienstaufsichtsbeschwerde wird derzeit bearbeitet, aber Galeotti nahm die Kollegin im Bauamt in Schutz: „Sie hat ordnungsgemäß gehandelt.“ Bei derartigen Projekten werden auch die Anlieger beteiligt. Dementsprechend habe der Nachbar jetzt die Möglichkeit, rechtlich gegen das veränderte Vorhaben vorzugehen, sagte Galeotti. Die Nachtragsgenehmigung werde ihm zugestellt.

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