Landkreis bildet Asylbegleiter aus/Teilnehmer wollen bei der Integration helfen

„Wir sind die Brücke zu den Flüchtlingen“

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Lutz Kaminski erklärt Hassan Hamady und Mustapha Mansour (von links) das Schaubild.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Der Landkreis Oldenburg bildet zehn Migranten zu Asylbegleitern aus. Am Donnerstagmorgen fiel der Startschuss.

Sie wissen, wie Integration gelingt. Jetzt wollen fünf Männer und fünf Frauen den Menschen, die gerade nach Deutschland geflüchtet sind, dabei helfen, in der neuen Kultur anzukommen. Fast alle haben schon vorher als Sprachmittler für die Asylbewerber, die in den Turnhallen in Wildeshausen wohnten, übersetzt und ihnen Tipps gegeben. Die Schulung, die Lutz Kaminski von der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) anbietet, sollte den Teilnehmern Handwerkszeug mitgeben, wie sie mit der Dreiecksbziehung Flüchtlinge-Landkreis-Sprachmittler umgehen können.

Neun aus der Runde haben arabische Wurzeln, kommen aus Syrien, dem Libanon oder dem Iran, einer stammt aus dem Sudan. Nur eine Frau trägt ein Kopftuch. Alle sprechen verständlich Deutsch. Teilweise leben sie schon 30 Jahre in Deutschland, teilweise erst seit zwei Jahren. Sie sitzen im Halbkreis in einem Sitzungsraum des Landkreises, in dem normalerweise Politiker über Flüchtlinge, Unterkünfte und Integration reden. Aber jetzt haben die bereits integrierten Migranten das Wort.

Unter ihnen ist zum Beispiel Hassan Hamady, um die 40, rundlicher Typ. Vor zehn Jahren sei er aus dem Libanon gekommen, erzählt er während einer kurzen Vorstellungsrunde. Ihm gehe es darum, die Depressionen der Flüchtlinge zu beruhigen und seine gesammelten Erfahrungen an die „Neuen“ weiterzugeben. Er will ihnen „Motivation“ vermitteln, sagt der Libanese. Und „Disziplin“, ergänzt er.

Die Flüchtlinge hätten oft seelische Verwundungen oder litten an Entwurzelung, wirft LEB-Kursleiter Kaminski ein. Er malt auf eine Tafel zwei Dreiecke und schreibt Flüchtlinge und Asylbegleiter hinein. Weitere Dreiecke mit „Depressionen“ und „Ämter“ kommen hinzu. Das Schaubild soll am Ende des Tages verdeutlichen, welche Faktoren für Flüchtlinge wichtig sind.

Eine Frau setzt die Vorstellungsrunde fort. „Ich bin verpflichtet, für die Flüchtlinge da zu sein. Wir sind die Brücke“, sagt Seham Cercur. Es habe zwei Zivilisationen in Deutschland gegeben. Das solle jetzt nicht mehr so sein. Ihr ist die Sorge anzumerken, ob das gelingt.

Einer der älteren Teilnehmer meldet sich zu Wort. Mostafa Zamanian kommt aus dem Iran. Von 1980 bis 1995 lebte er in Deutschland, kehrte in seine Heimat zurück und ist jetzt wieder hier. Er habe trotz seiner Deutschkenntnisse drei Monate gebraucht, um sich wieder zu integrieren, sagt er. „Die Asylanten haben viele Schwierigkeiten.“ Er kommt nicht mehr dazu, zu erklären, was er damit meint, denn die Gedanken daran gehen ihm offenbar nahe. Er schluchzt, Tränen fließen. Koordinatorin Ilka Schimanski vom Landkreis setzt sich zu ihm, legt den Arm um seine Schulter und geht kurz mit ihm nach draußen. Danach geht es wieder.

Die Teilnehmer tagten noch bis in den Nachmittag. „Sie haben eine kleine Hilfestellung für ihre Arbeit bekommen. Dabei konnte natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus der gesamten Arbeit angerissen werden. Diese Schulung ist aber ein solides Fundament, auf dem aufgebaut werden kann“, bewerte Schimanski das Ergebnis am Abend.

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