DSD-Dreiucker im E-Center tätig

Sicherheitsexperte: „Ladendiebstähle haben andere Qualität bekommen“

+
Im „stillen Kämmerlein“ kann Matthias Dreiucker den gesamten Markt an zwei Monitoren überwachen. 

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Laut der jüngsten Studie gehen dem deutschen Einzelhandel jährlich mehr als zwei Milliarden Euro durch Ladendiebstähle verloren. Frei von diesen unerwünschten Besuchen ist auch das Wildeshauser E-Center Einemann nicht. Genau aus diesem Grund hat Inhaber Oliver Einemann das Sicherheitsunternehmen DSD-Dreiucker verpflichtet, das regelmäßig mit Hausdetektiven im Edeka-Markt vertreten ist. Wir haben mit dem Inhaber des Unternehmens, Matthias Dreiucker, gesprochen.

„Ich habe mich vor sechs Jahren selbstständig gemacht. So lange betreuen wir dieses Objekt. Zuvor war ich hier schon über eine andere Firma als Detektiv tätig“, erzählt der Sicherheitsprofi, während er in einem kleinen Raum vor zwei Monitoren sitzt, auf die Bilder von mehreren Kameras aus dem Markt übertragen werden. „Die Qualität der Ladendienstähle ist heute eine ganz andere als noch vor ein paar Jahren“, so Dreiucker. Er selbst habe schon sehr viele Ladendiebe gestellt: „Bei gut 5 000 habe ich dann aber aufgehört zu zählen.“

Früher seien es oft Jugendliche und Kinder gewesen, die eine Mutprobe bestehen oder vor ihren Freunden glänzen wollten. „Allerdings wissen die um die angebrachten Kameras und lassen die Finger von den Waren. Heute haben wir es dagegen immer häufiger mit osteuropäischen Banden zu tun, die im ganz großen Stil ,einkaufen‘, ohne zu bezahlen“, betont der Experte. So würden die Einkaufswagen mit hochwertigen Kosmetika und Spirituosen vollgepackt: „Oben drauf und an die Seiten kommt dann fast immer Toilettenpapier. Ganz frech schieben sie diese Wagen dann aus dem Markt. Vor der Tür wartet in den meisten Fällen ein Auto mit laufendem Motor, damit alles ganz schnell gehen kann.“

Wie aber wird ein Detektiv auf einen Kunden aufmerksam, der etwas im Schilde führt? „Dafür bekommt er mit der Zeit den richtigen Blick“, erklärt Dreiucker. So sei der Detektiv entweder als „Läufer“ im Markt unterwegs oder überwache die verschiedenen Abteilungen am Monitor, um dann schnell eingreifen zu können. „Allerdings kommt es heute immer wieder vor, dass ein Kunde in Verdacht gerät, weil er sich etwas in die Innentasche gesteckt hat. In Wirklichkeit war es dann aber nur das Handy. Dann ist es sehr wichtig, höflich zu bleiben und uns zu entschuldigen. Allerdings hat für diesen Irrtum jeder Kunde Verständnis, der nichts zu verbergen hat.“

Mitunter rührende Ausreden

Ein Lied kann der Detektiv von den Ausreden singen, die von Ladendieben zutage gebracht werden: „Es ist schon ein Witz, wenn mir jemand, der mit einem vollen Wagen schon am Ausgang ist, erzählen will, dass er noch bezahlen wollte.“ Oder aber, dass er schlichtweg vergessen habe, zu zahlen. „Auf der anderen Seite hängen oft auch sehr traurige Geschichten hinter einem solchen Diebstahl. Ich habe mal einen 13-Jährigen erwischt, der Zigaretten gestohlen hat. Der hat mir erzählt, dass er in einem Heim lebt, was sich dann auch bestätigte. Er hatte gestohlen, um im Heim besser anzukommen.“ Auch solch rührende Geschichten dürften den Detektiv nicht im Handeln beeinträchtigen.

Aber welche Möglichkeiten hat ein Detektiv, wenn er einen Dieb überführt hat? „Wir sprechen den Betroffenen nach der Kasse an und bitten ihn, mit ins Büro zu kommen.“ Wolle er weder das, noch seine Tasche öffnen oder die Personalien bekannt geben, habe der Detektiv nach Paragraf 127 der Strafprozessordnung (Jedermannsparagraf) die Möglichkeit der vorläufigen Festnahme bis die Polizei vor Ort ist. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass auch sie dieses Recht haben, wenn eine Straftat vorliegt“, betont Dreiucker. Allerdings kämen die meisten Ladendiebe umgehend mit ins Büro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bayern siegt weiter - Hertha zieht an BVB vorbei

Bayern siegt weiter - Hertha zieht an BVB vorbei

Traumstart für die Wiesn - "Petrus ist ein Münchner"

Traumstart für die Wiesn - "Petrus ist ein Münchner"

Tag der offenen Tür des Industrieparks Walsrode in Bomlitz

Tag der offenen Tür des Industrieparks Walsrode in Bomlitz

Fotostrecke: Kruse, Eggestein und Klaassen lassen Werder jubeln

Fotostrecke: Kruse, Eggestein und Klaassen lassen Werder jubeln

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Folgeunfall auf der A1: 23-Jähriger stirbt

Tödlicher Folgeunfall auf der A1: 23-Jähriger stirbt

„Was, wenn hier ein Kind überrollt wird?“

„Was, wenn hier ein Kind überrollt wird?“

Investor: Firmenansiedlung bringt 150 neue Arbeitsplätze

Investor: Firmenansiedlung bringt 150 neue Arbeitsplätze

Mann in Oldenburg mit Axt angegriffen

Mann in Oldenburg mit Axt angegriffen

Kommentare