Gästeführer Reinhard Drubel nimmt Abschied

Nach zehn Jahren kommt die Nachtwächter-Kutte an den Nagel

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Nach zehn Jahren ist für den 82-jährigen Reinhard Drubel Schluss. Er hängt seine Kutte an den Nagel. 

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Ein Wildeshauser Unikat sagt nun „Tschüs: Gästeführer Reinhard Drubel (82) hängt die Kutte des Nachtwächters morgen nach seiner privaten Führung endgültig an den Nagel. Damit war er auf den Tag genau zehn Jahre als Wildeshauser Nachtwächter unterwegs. Sein Nachfolger ist Joachim Reichelt, dem er noch einige Insignien übergibt.

Wer Drubel etwas kennt, der weiß, dass er als Nachtwächter den Gästen nicht nur sehr viel Interessantes über die alte Wittekindstadt zu berichten hatte, sondern mit ernster Mine immer wieder in der Lage war, zahlreiche Döntjes und Anekdoten an den Mann zu bringen. „Sicher ist etwas Wehmut dabei, wenn ich jetzt aufhöre, die Sache hat mir schließlich sehr viel Spaß gemacht“, sagt Drubel. Aber er sei nun einige Jahre älter geworden, und das Laufen im Dunkeln falle hin und wieder etwas schwer: „Daher gehe ich lieber jetzt, wenn mich noch jeder haben möchte, als später, wenn mich keiner mehr sehen will.“

Es war am 10. Oktober 2007, als erstmals wieder ein Nachtwächter durch Wildeshausens Gassen marschierte. Damals hatte Drubel für die erste Führung Mitglieder des Verkehrsvereins im „Schlepptau“. Es sollte getestet werden, wie eine solche Tour ablaufen kann. „Bis zu diesem Tag war es schon ein etwas weiterer Weg, denn wir haben zunächst wegen des Namens gezögert. Nachtwächter kann ja auch etwas abwertend klingen“, erzählt Drubel. Schließlich sei im Imbiss „Schlappi Meyer“ während einer Sitzung des Verkehrvereins die Entscheidung gefallen, diese Nachwächter-Führungen anzubieten. Ziel war es, die Kreisstadt für die Besucher von nah und fern noch attraktiver zu machen.

Ehefrau Ingeborg nährte die erste Kutte 

„Dann standen wir natürlich vor der Frage, woher wir die passende Ausrüstung und vor allem das Kostüm nehmen sollen“, betont Drubel. Schließlich habe ihm seine Ehefrau Ingeborg die erste Kutte genäht, der später eine zweite folgen sollte: „Wir haben uns ein Schnittmuster und dicken Stoff besorgt, und dann konnte es losgehen.“ Schon seit vielen Jahren habe er die Spitze einer Hellebarde (Nachwächterstab) über dem Kamin hängen gehabt: „Die haben mir meine Eltern aus dem Allgäu mitgebracht. Sie kam wie gerufen.“ Franz Kramer, damaliger Vorsitzender des Verkehrsvereins, habe dann einen zweiteiligen Stil mit Schraubverbindung gefertigt und einen hübschen Kasten für die Hellebarde gebaut. „Die Laterne habe ich im Ausverkauf für wenig Geld erworben, und das Feuerwehrhorn, das ebenfalls zum Nachwächter gehört, stammt von einem Flohmarkt“, erinnert sich Drubel.

So ausgerüstet konnte es losgehen. Schnell hatten sich die Führungen herumgesprochen und wurden immer beliebter. „Im Jahr 2010 habe ich 57 Führungen mit sage und schreibe 957 Personen gemacht. Ja, es hat mir stets viel Spaß gemacht, die Leute auf diese Art zu informieren.“ Beweise dafür, dass es den Teilnehmern gefallen hat, seien zweifelsohne die zahlreichen positiven Rückmeldungen.

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