Bürgermeister, Gilde, Vereine und Bürger gedenken am Volkstrauertag der Toten

Kuraschinski erinnert an tödlichen Unfall in Thölstedt

Oberstabsfeldwebel Birko Hasselmann, Oberst Willi Meyer, Bürgermeister Jens Kuraschinski und Evelyn Goosmann (von links) legten Kränze nieder. - Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Der Toten aktueller und vergangener Kriege gedachten am Sonntag Bürgermeister Jens Kuraschinski, die Wildeshauser Schützengilde sowie Vereine und Bürger in der Friedhofskapelle in Wildeshausen. Dabei ging der Verwaltungschef darauf ein, wie ihm das Leiden und Sterben der Menschen auch direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bewusst geworden war.

Kuraschinski berichtete in seiner Rede von einer idyllischen Radtour im Sommer durch die Landgemeinde, als ihm bei Thölstedt ein Gedenkstein für sechs Jungs aufgefallen war. Diese starben am 12. Mai, also wenige Tage nach Ende des Krieges, beim Hantieren mit einer Panzerfaust, als es zu einer Explosion kam. „Dies ist nur ein kleines Beispiel für das Schicksal und Leid der Menschen nach dem Krieg“, sagte der Bürgermeister. Seine Mutter erzähle hin und wieder noch von Hamsterfahrten mit ihrer Schwester zu den Bauern in Südoldenburg, ergänzte er.

Diese beiden persönlichen Erfahrungen bettete Kuraschinski ins große Ganze ein. Er ging auf den Zweiten Weltkrieg mit seinen „wahnsinnigen Verlusten“ und „zahllosen Kriegsverbrechen“ sowie den Holocaust ein. „Bis heute fehlen uns die Worte, um das Grauen der Vernichtung zu beschreiben“, sagte er.

Aber auch auf das Geschehen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – die Vertreibungen, den Mangel an Lebensmitteln und die vielen Männer, die noch in Gefangenschaft waren oder traumatisiert zurückkamen – bezog sich Kuraschinski. „Es gibt nach wie vor Mitbürger, die nicht wissen, wo ihre Eltern sind“, richtete er sich an die älteren Menschen in der Friedhofskapelle.

„Der Volkstrauertag ist allen Opfern gewidmet. Auch unser junges Jahrhundert hat Kriegstote und Vertreibungen gesehen“, sagte der Bürgermeister. Für die meisten Menschen seien Krieg und Gewalt lange eine abstrakte Bedrohung gewesen. Das habe sich durch die Auslandseinsätze und die Gefallenen der Bundeswehr etwas geändert. „Die Soldaten verdienen Solidarität – egal, wie man zu den Einsätzen steht“, betonte Kuraschinski.

Neben dem Erinnern an das Leid vergangener Tage sieht der Bürgermeister im Gedenken auch einen Beitrag zum Frieden: „Damit bekunden wir, nicht weg zu sehen, wenn Blut vergossen oder Unrecht getan wird.“

Anschließend marschierten das Offizierskorps und die Wachkompanie der Gilde sowie weitere Abordnungen auf den Friedhof, um Kränze niederzulegen. Dort sprach Oberstabsfeldwebel Birko Hasselmann ehrende Worte für die Toten. „So etwas darf nie wieder passieren.“ Anschließend lud er die Anwesenden ein, sich die Gräber, die Namen und die Lebensdaten der gestorbenen Soldaten anzusehen.

Die Veranstaltung war nur ein Teil des Gedenkens am Sonntag. Geplant war, auch Kränze auf dem jüdischen Friedhof sowie bei den Ehrenmälern auf dem Burgberg und in Düngstrup niederzulegen.

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