Ausschuss empfiehlt Informationsveranstaltung, bevor Förderanträge gestellt werden

Kunstrasenplatz im Krandel: Nun sollen Experten sprechen

Vorerst nicht in Wildeshausen: Ein Kunstrasenplatz für Fußball. Foto: dpa

Wildeshausen – Die Pläne, im Wildeshauser Krandel einen Kunstrasenplatz anzulegen, haben einen erneuten Dämpfer erhalten. Auch der nächste Anlauf der SPD, ein positives Votum für einen „umweltfreundlichen Kunstrasenplatz“ zu bekommen, scheiterte vorerst am Donnerstag im Ausschuss für Stadtentwicklung, Tourismus, Sport und Kultur.

Die Sozialdemokraten zogen aus taktischen Erwägungen ihren Antrag zurück. Stattdessen empfahl der Ausschuss, zunächst eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Thema „Optimierung der Sportplätze in Wildeshausen“ durchzuführen, bei der Experten zum Thema Kunstrasen Stellung beziehen können.

Galten die widerstandsfähigen Plätze lange Zeit als optimale Lösung, bei jeder Witterung Sport treiben zu können, sind sie mittlerweile schwer in Verruf geraten. „Einen umweltfreundlichen Kunstrasenplatz gibt es nicht“, monierte Jens-Peter Hennken (CDW) schon die Wortwahl des Antrags. Er zitierte das Öko-Test-Magazin damit, dass für einen Platz 120 Tonnen Kunststoff benötigt würden. Und selbst dann, wenn Kork verwendet wird, sei es erforderlich, 48 Tonnen Kunststoff zu verarbeiten. Hennken wies weiter darauf hin, dass die Stadt wenige Hundert Meter entfernt im Klärwerk per Filter Mikroplastik aus dem Wasser hole, während Kunstrasenplätze als drittgrößter Verschmutzer mit Mikroplastik im Land gelten. Ein weiteres Argument von Hennken: Die Kunstrasenplätze verursachen rund 35 000 Euro mehr an Kosten pro Jahr. „Die Stadt sollte die Vereine fragen, ob sie diese übernehmen wollen.“

Matthias Kluck hatte für die SPD darauf verwiesen, dass viele Nachbarkommunen über einen Kunstrasenplatz verfügen. Im vergangenen Jahr seien durch die Sportstättensanierung des Landes Niedersachsen Kunstrasenplätze gefördert worden. „Von 76 Projekten waren das zehn“, so Kluck. „Wir haben einen großen Bedarf und wir könnten 100 000 Euro bekommen.“

Die Stadtverwaltung bewertet die Chancen auf Förderung jedoch ungleich kritischer. „Die Aussage des Ministeriums war, dass der Schwerpunkt auf der Förderung von multifunktionalen Sporthallen sowie Hallenschwimmbädern liegt“, so Fachbereichsleiter Michael Müller.

Rainer Kolloge von der UWG zeigte sich im Rahmen der Beratung geneigt, Abstand von Kunstrasenprojekten zu nehmen, obwohl die UWG seinerzeit per Antrag den Bau erreichen wollte. „Passt das noch in die Zeit?“, fragte er. „Diese Plätze müssen alle zehn bis 15 Jahre erneuert werden und sind auch für die Benutzer nicht unbedenklich“, betonte er. Er glaube, dass gut gepflegte Naturrasenplätze dauerhaft die bessere Alternative seien.

Da mochte Wolfgang Sasse (CDU) nicht zustimmen. Er vermied es aber ausdrücklich, als Krandelverwalter zu sprechen. Die Vereine seien aktuell ohnehin nicht von der Stadtverwaltung angesprochen worden. Fakt sei, dass sich die Witterung verändert habe. So hätte der Krandel den Engerlingbefall ebenso wie extrem starken Regen verkraften müssen. „Ich hätte gerne einen Sportstättenentwicklungsplan“, so Sasse. „Das aber unter Einbeziehung der Nutzer.“ Die Fußballabteilung des VfL, da sei er sich sicher, würde einen Kunstrasenplatz befürworten. Aber aktuell habe man sich mit dem Thema gar nicht befasst.  dr

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