Kunst zieht Kreise: Berlinickes Farbradierung und Workshop unterstützen neue Orgel

Symbolträchtiges Gesamtkunstwerk

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Einige Mutige – unter ihnen Pastor Markus Löwe – versuchten sich während des offenen Workshops auch selbst einmal in der Kunst des Radierens, in der Hartmut Berlinicke ein wahrer Meister ist.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. „An den Bildern interessiert mich eigentlich nicht das, was man sieht, sondern was dahinter steckt“, so erklärte am Sonnabend der Wildeshauser Künstler Hartmut Berlinicke während seines Workshops im Jugendhaus der Alexanderkirche eine Absicht seiner Kunst, die auch seinem neuesten Werk innewohnt: Nämlich Symbole einzubauen, die durch seine Bilder zu dem Betrachter sprechen.

Das tut auch die Farbradierung „… und sollst ein Segen sein!“, die Berlinicke in Anlehnung an die vor über hundert Jahren von Karl Georg Rohde gefertigte Rosette der Alexanderkirche entwarf. Mit diesem Werk sowie mit dem Workshop unterstützt Berlinicke die Finanzierung der neuen Orgel, die die Alexanderkirche bekommen soll.

So gehen Architektur, bildliche Kunst und Musik in und rund um die Alexanderkirche eine energiegeladene Symbiose ein, die ihre Kreise zieht – und die schließlich ein wahres Gesamtkunstwerk freilegen soll.

„Zurzeit verdeckt die alte, in die Jahre gekommene Orgel die Rosette des Bremer Glasmalers“, erklärt Pastor Markus Löwe. Mit dem Einbau einer neuen Orgel würden die kunstvollen Kirchenfenster aber wieder freigelegt und fingen die Blicke all derer ein, die die Kirche wieder verließen: Es sei der „Ausgangssegen“, den die Besucher durch die Symbole empfingen.

„Rohde malte nicht einfach nur Ornamente, ohne sich etwas dabei zu denken, er war kein Hersteller weltlicher Kunst“, so Berlinicke. Vielmehr habe der Künstler in der Rosette Symbole eingebaut, die eine Botschaft tragen und übermitteln sollen. Kelch, Ähren, Trauben und Weinstock stellen insgesamt das gesegnete und segnende Abendmahl dar. Aber auch in den einzelnen Bestandteilen stecken Botschaften. „Der Weinstock ist ein Logo der protestantischen Kirche“, so Berlinicke.

Fasziniert von der Rosette, aber womöglich noch mehr von der Radierung zeigten sich die Teilnehmer des offenen Workshops mit Berlinicke. Der Künstler ließ sich nicht nur bei der Arbeit über die Schulter schauen, er erklärte auch im Detail seine Vorgehensweise und ließ alle Interessierten selbst einmal tüfteln und radieren. Nicht jeder traute sich selbst an die Bearbeitung einer Platte, vielen reichte das Schauen, Lauschen und Staunen, während sie erfuhren, wie aufwendig die Herstellung einer Farbradierung ist.

So herrschte von 10 bis 16 Uhr im Jugendhaus reges Kommen und Gehen. Wer genug Mut, Neugierde und Ausdauer mitbrachte, der blieb – und setzte sich an eine „geteerte“ Zinkplatte, um mit spitzem Werkzeug seine eigenen Symbole dorthinein zu radieren. Dabei machte Pastor Löwe sich in seinem Werk auf die „Suche nach dem Licht“ inmitten kreisförmiger, dunkler Wolken – und experimentierte mit seinem Namenszug in Spiegelschrift. „Gedruckt wird ja alles spiegelverkehrt“, so Berlinicke.

Nebenbei fanden auch die ersten fertigen Drucke des neuen Werkes ihre Besitzer – die mit den so investierten 200 Euro (abzüglich 50 Euro für Druckkosten) den Neubau der über 800000 Euro teuren Orgel unterstützen. Bis zu 150 Drucke können hergestellt werden – so lange halten die Platten. Bestellungen nimmt Pastor Löwe unter Telefon 04431/3278 auf.

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