Kundenansturm und Spendenaufkommen wachsen stetig/Flüchtlinge helfen

Schichtbetrieb in der Kleiderkammer nötig

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Das Team der Kleiderkammer sortiert täglich mehrere Stunden die gespendete Ware.

Wildeshausen - Der Andrang bei der Kleiderkammer des Roten Kreuzes in Wildeshausen ist wöchentlich so groß, dass die Gruppen vor dem Eingang mittlerweile eingeteilt werden müssen und nur jeweils 70 Personen gleichzeitig in den Verkaufsraum können. Die Lage, so hofft die Leiterin Margret Hentemann, wird sich in der neuen Kleiderkammer am Bahnhof deutlich entspannen.

Dass der Bedarf so groß sein werde, habet vor neun Jahren sicherlich niemand geahnt, als die Kleiderkammer 2007 im Grünen Weg eröffnet wurde. Wöchentlich kamen etwa 15 bis 20 Personen, darunter Bulgaren und Rumänen, die hier arbeiteten, Asylbewerber und Hartz-IV-Empfänger. Doch die Zahl der Kunden stieg stetig. Ende des vergangenen Jahres standen gar knapp 400 Personen vor der Tür – zu viele auf einmal für die Kleiderkammer.

Ein wesentlicher Grund für den Andrang ist der Flüchtlingszuzug in der Kreisstadt. Mittlerweile kommen bis zu 280 Menschen am Donnerstag von 15 bis 18 Uhr in die Kleiderkammer. Der Vorsitzende des Roten Kreuzes, Thomas Harms, und einige Helfer sorgen dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt und insbesondere Frauen nicht zur Seite gedrängt werden.

Es gibt 70 Einkaufskörbe. Wenn diese vergeben sind, werden die Türen geschlossen, bis die meisten Kunden den Raum wieder verlassen haben. Grund zur Sorge, dass danach die Kleiderständer geräumt sind, muss niemand haben. Jeden Tag werden von dem 22-köpfigen Team der Kammer die Spenden sortiert, sodass ständig vom Lager aus aufgefüllt werden kann. „Die Spendenbereitschaft ist überwältigend“, sagt Hentemann. Seitdem die Zahl der Flüchtlinge steige, wachse auch das Spendenaufkommen noch einmal. Container für gut erhaltene Kleidung stehen vor dem Mehrgenerationenhaus an der Bahnhofstraße und vor der Kleiderkammer.

Aber auch auf weitere Hilfe kann Hentemann zählen. So sei an jedem Verkaufstag ein Dolmetscher anwesend, sagt sie. Fünf Flüchtlinge hätten sich zudem aus eigenem Antrieb gemeldet, um zu helfen. Sie verladen Säcke, die zur Verwertung nach Seckenhausen gebracht werden.

Eine enge Kooperation gibt es mit den Maltesern und der Stadtverwaltung. In der Sporthalle des Gymnasiums versorgt eine kleine Kleiderkammer die Flüchtlinge mit dem Nötigsten. Zudem kann der Bedarf schnell und unkompliziert aus der Kammer des Roten Kreuzes gedeckt werden.

Familien, die aus den Sporthallen in Wohnungen der Stadt umziehen, haben die Gelegenheit, sich am Vormittag nach Absprache ganz in Ruhe in der Kleiderkammer beraten zu lassen und sich mit allem Nötigen, zum Beispiel Bettwäsche und Handtüchern, einzudecken.

Einen Missbrauch durch Menschen, die die günstige Kleidung woanders weiterverkaufen, können die DRK-Frauen zwar nicht ganz ausschließen. „Aber wir merken so etwas sehr schnell“, betont Hentemann „Dann gibt es gleich ein Hausverbot.“

Wenn die Halle am Bahnhof erstellt ist und die Kleiderkammer in die neuen und deutlich größeren Räume umziehen kann, soll die Betreuung der Kunden noch besser werden. „Dann können wir auf die Leute besser eingehen“, hofft Hentemann. Geplant seien auch neue Öffnungszeiten an zwei Tagen, um die Besucherströme zu entflechten.

dr

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