Stellenwert der Kunst

Kulturkreis kritisiert Stadt: „Zuschüsse sind beschämend“

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Präsentieren das Programm des Kulturkreises: Elisabeth Brons, Horst Strömer, Werner Stommel, Gerhard Lange und Gudrun Michler (von links).

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Wie viel ist die Kunst den Wildeshausern wert? Der Kulturkreis der Kreisstadt fordert eine öffentliche Debatte zu diesem Thema ein. Hintergrund sind die Zuschüsse der Stadt, die seit Jahren bei 15.000 Euro eingefroren sind. Das sei „jämmerlich“ schimpfte der Vorsitzende des Vereins, Werner Stommel, während der Vorstellung des Programms für dieses Saison.

„Wegen der mangelnden Finanzierung können wir keine zwölf Veranstaltungen mehr auf die Beine stellen“, sagte Stommel am Mittwochvormittag beim „Alten Amtshaus“. Dort präsentiert der Kulturkreis in der Regel seine Termine. Normalerweise sind es zwölf, doch zwei mussten aus Kostengründen gestrichen werden (wir berichteten).

Dem Vorsitzenden und den anderen Ehrenamtlichen aus dem Vorstand war anzumerken, wie enttäuscht sie vom Engagement der Stadt sind. Diese habe ihren Zuschuss seit zehn Jahren nicht mehr erhöht, klagt Stommel. Einzige Ausnahme war das Jahr 2010, in dem 16.000 Euro überwiesen wurden.

„Die Steuereinnahmen und der Haushalt explodieren“, so Stommel. Die Förderung für den Kulturkreis liege inzwischen bei nur noch 0,033 Prozent des städtischen Etats. „Wie ist das möglich? Von einer ernsthaften, öffentlichen Diskussion über den Stellenwert der Kultur in unserer Stadt in den vergangenen Jahren ist mir nichts bekannt“, stellte der Vorsitzende fest. Genau die brauche es jetzt aber. „Wir haben uns lange zurückgehalten und interne Gespräche geführt. Nun ist es Zeit, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen“, sagte er.

Der Auftritt des Mandelring-Quartetts ist einer der Höhepunkte im Saisonprogramm des Kulturkreises Wildeshausen.

Überhaupt findet Stommel, dass Wildeshausen als Kreisstadt recht wenig für Kulturschaffende bereithält. Da wäre zum Beispiel die Frage eines großen Saals mit einer vernünftigen Bühne. „Im Gymnasium ist sie zu niedrig, in der Musikschule fehlt die Tiefe“, klagte er und legte gleich nach: „Seit 1986, der Gründung des Kulturkreises, mahnen wir einen großen Saal an. Und immer werden wir aufgrund der Haushaltssituation vertröstet. Über Jahrzehnte kann das einfach nicht sein.“

Schon während der Jahreshauptversammlung des Kulturkreises hatte es Kritik an der Förderung durch die Stadt gegeben. Der Verein ist 2011 nur durch ein Darlehen nicht in die roten Zahlen gerutscht. Es drohte ein Überbrückungskredit mit hohen Zinsen bei der Bank. Stattdessen sprang eine Privatperson ein, über deren Namen Stolle Stillschweigen bewahren will, und lieh dem Kulturkreis 11.000 Euro. Die sind jetzt, also sieben Jahre später, etwa zur Hälfte abbezahlt.

Der Haushalt umfasst derzeit rund 40.000 Euro und ist ausgeglichen. Problematisch war in den vergangenen Jahren der Anstieg der Kosten für die Künstler. Diesen kann der Verein oft nur geringere Honorare als andere Spielstätten anbieten. Manchmal helfen auch über Jahrzehnte geknüpfte Kontakte wie zur Bremer Shakespeare Company. „Aber wer weiß, wie lange das noch gut geht“, sagte der zweite Vorsitzende Horst Strömer.

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