Starker Bauern- und Handwerkermarkt

Kulinarisches und Kunst kamen an

Die historische Kartoffelsortiermaschine ratterte unermüdlich.

Wildeshausen - Von Cord Krüger· Altes Besteck verwandelt sich unter den jungen Händen von Johannes Segelken in stilvollen Schmuck. „Das waren mal Silberlöffel“, erzählte der erst 13-Jährige während des Bauern- und Handwerkermarkts, der an beiden Pfingsttagen tausende Besucher in die Wildeshauser Innenstadt lockte. Johannes hämmerte das einst in den Kaffee getunkte Edelmetall zu Medaillons, die wie Perlmutt in der Frühsommersonne glänzten. Während einer Ausstellung hatte der Schüler diese Kunst gelernt. Das ist schon lange her, denn den traditionellen Markttrubel während des Gildefestes bereichert der Junge schon zum dritten Mal.

„Angefangen habe ich mit Ringen, die ich aus Silberdraht schneide und verlöte“, berichtete Johannes den Besuchern an seinem Stand. Und er ließ keinen Zweifel daran, dass noch einige Gastspiele an der Hunte hinzu kommen: „Die Geschäfte laufen gut“, verriet der Bremer lächelnd. Und außerdem könnte er sich vorstellen, später auch mal beruflich dem Handwerk treu zu bleiben.

Johannes gehört zur Gruppe der „ollen Handwerker“, deren aktive mit mehreren Ständen den Markt beschickten. So wie Karl Turn, der immer wieder die Esse anfachte und das heiße Eisen zu Türgriffen, Zierstangen und anderer Metallkunst formte. Der Schmied hatte schon im fünften Jahr seine Werkstatt am Rand der Westerstraße errichtet. „Hier in Wildeshausen ist das optimal: Die Stimmung ist gut, die Menschen sind freundlich und zeigen Interesse“, urteilte er.

Gleich nebenan hatten die Männer des Landmaschinenclubs „Weiße Riede“ ebenfalls einiges an „Eisen“ aufgefahren. Doch nicht nur die lievoll restaurierten Oldtimer-Traktoren, vom Normag aus dem Jahr 1938 über einen „Lanz Bulldog“ von 1956, einen „Fahr“ und mehrere Deutz-Schlepper hatten die Freunde der motorisierten Veteranen aufgebaut, sondern auch gleich eine ganze „Kartoffelstraße“ errichtet: „Wir zeigen hier alle Arbeitsschritte – vom Pflügen über eine automatische Pflanzmaschine und einen ebenfalls schon 50 Jahre alten Schleuderroder bis zu einer der ersten Sortiermaschinen“, erläuterte Heiko Marschewa unter dem Tuckern des „Farryman“-Motors, der das Sieb rüttelte. Dadurch fielen die Knollen nach Größe – die kleinen zur Pflanzung im kommenden Jahr, die mittleren zum Einlagern und die großen zum Beimischen ins Viehfutter. „Man muss den Besuchern hier eben etwas in Bewegung zeigen, sonst lockt man niemanden mehr hervor“, urteilte Marchewa. Doch auch der Geruch seiner frisch zubereiteten Kartoffelpuffer drang den Passanten verführerisch in die Nase. Dieses Aroma konkurrierte mit dem der ebenfalls an Ort und Stelle geräucherten Aale und Forellen am Stand des Fischereivereins Wildeshausen, mit Apfelringen und vielen anderen Stärkungen. Und gegen die Sonne schützte ein gerade fertig genähter Hut von den Mitgliedern des Fördervereins vom Museum der Strohverarbeitung aus Twistringen.

Ebenfalls viele Käufer fanden Produkte „made in Wildeshausen“. So viele, dass Gerrit Finke und seine Mitstreiter schon am Sonntagnachmittag vor einem fast leer gefegten Stand lehnten. Ihre Miniaturfiguren von Wachesoldaten und Gildebrüdern gingen weg wie geschnitten Brot. „Die Leute sind gut drauf, viele kommen von auswärts und wollen sich ein Souvenir mitnehmen“, erklärte Finke das Geheimnis des Erfolgs. Ähnlich zufrieden zeigte sich Marita Wagenstetter, die Wachsoldaten als Silberschmuck gefertigt hatte. Ein Teil des Erlöses kommt dem Kampf gegen die Krankheit Mukopolysaccaridosen (MPS) zugute. „Ab jetzt nehme ich noch Bestellzettel entgegen, ansonsten bin ich fast ausverkauft“, strahlte die Goldschmiedemeisterin.

Alles in allem durften die Organisatoren der Gilde also wieder einen rundum gelungenen Markt im Rahmenprogramm ihres Festes registrieren.

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