Birnen halten Räuber von Riesenkürbissen fern

Kürbiszucht mit Ablenkungsmanöver

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Aus der Ernte der Kürbiswetter Max Löffler (von links), Jochen Lesner und Harry Dekker ließ sich auf der Waage ein Turm bauen, an dem der Sieger schon eindeutig zu erkennen war. 

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Wie konnte das bloß passieren? „Meine Kürbisse habe ich doch vom katholischen und vom evangelischen Pastor segnen lassen“, rätselte Kürbisvater Harry Dekker schmunzelnd darüber, was auf seinem Kürbisbeet in diesem Jahr schief gelaufen sein könnte. Von dem doppelten Segen hatte er sich einen schwergewichtigen Giganten-Kürbis erhofft. Angesichts des Pfundskerls, den sein Wettkonkurrent Max Löffler zur 29. Wildeshauser Kürbiswette in Dekkers Garten schleppte, musste sich der Gastgeber jedoch kleinlaut geschlagen geben.

Für einen beinahe noch größeren Schock sorgte jedoch Wettkollege Jochen Lesner. Das, was er in der Hand hielt, als er den Dekkerschen Garten betrat, konnte als Kürbis kaum durchgehen. „Das taugt ja nicht mal zur Kürbislaterne“, konnte sich Dekker einer harschen Kritik an dem tatsächlich recht armseligen Kürbis-Exemplar nicht enthalten. „Holt die Briefwaage – anders lässt sich das Gewicht dieses Mäuse-Kürbisses wohl kaum bestimmen“, feixte Löffler denn auch gleich.

Während Lesner sich in geheimnisvolles Schweigen hüllte und kein Wort über seine in diesem Jahr wohl fehlgeschlagene Kürbiszucht und -ernte verlor, machte Dekker für seinen Misserfolg die räuberischen Eichhörnchen verantwortlich. „Die haben mir ein dickes Loch in meinen großen Kürbis gefressen – nur die kleinen haben überlebt“, klagte er sein Leid.

Löffler konnte da nur weise empfehlen: „Du musst die Eichhörnchen halt gut füttern. Dann gehen sie auch nicht an deine Kürbisse.“ In dieser Hinsicht brachten Kürbisvater Löffler die Birnenbäume auf dem „Löfflerschen Kürbishof“ in der Wiekau wohl Glück. „Meine Bäume hingen voller Birnen“, erzählte der Hobbygärtner. Er wartete, bis sie schön reif waren und besorgte dann die Zutaten für eines seiner Leibgerichte: Bohnen mit Speck und Birnen. „Kaum kam ich mit Speck und Bohnen nach Hause, hatten die Eichhörnchen auf einmal die Bäume ratzekahl leergeräumt“, berichtete er jammernd.

Prachtexemplare konnten in Ruhe wachsen

Doch was zählen für den Kürbisvater schon solche kleinen Opfer, wenn ihm dadurch die Ehre zuteil wird, zum Wettkönig gekürt zu werden? Denn für die Riesenkürbisse der Sorte „Atlantic Giant“ interessierten sich die Eichhörnchen so zumindest nicht: Die Prachtexemplare, über die sich jedes Jahr das Alexanderstift freut, konnten in Ruhe wachsen. Die Kürbisse wurden zu stattlichen orangen Kugeln, von denen Löffler die größte mit zum Wiegen brachte. Neidvoll blickten Dekker und Lesner darauf.

„Ich hab‘ jetzt aber im Fernsehen gesehen, wie man’s richtig macht“, wollte Lesner doch noch seine Expertise einbringen. Das Kürbisbeet müsse in einem Zimmer angelegt werden. Dort seien die Kürbisse nicht nur vor Fressfeinden geschützt, es müsse auch konstant eine Temperatur von 20 Grad eingehalten werden. Pro Tag solle die Kürbispflanze dann viel Wasser bekommen. „Dann bringt der Kürbis hinterher ein paar Zentner auf die Waage“, meinte Lesner – was man allerdings von seinem aus der Form gefallenen Mäuse-Kürbis nun wirklich nicht behaupten konnte.

Nächstes Jahr wollen sie es noch mal wissen

Gerade mal 360 Gramm brachte er auf die Waage – und blieb damit der Verlierer der diesjährigen Kürbiswette. Obwohl Dekkers Exemplare in Form und Farbe wenigstens eindeutig als Kürbisse zu identifizieren waren, schlug die Waage für Wettkollege Nummer zwei auch nicht viel höher aus. Zumindest das Pfund bekam er jedoch voll: Genau 500 Gramm wog der größte Dekkersche Kürbis. Löffler büßte im Vergleich zum vergangenen Jahr dagegen nur ein einziges Pfund ein: 91 Pfund brachte sein Prachtexemplar auf die Waage.

„Im nächsten Jahr wollen wir es noch einmal wissen“, waren sich die Kürbiswetter nach der Auswertung einig. Zum 30-jährigen Bestehen wollen sie ihre letzte Kürbiswette starten. Ob der Rekord noch einmal gebrochen werden kann? In den besten Kürbisjahren brachten die Könige mehr als 200 Pfund auf die Waage. Und ob „Kürbislehrling“ Lesner es wohl schaffen kann, seine Kürbis-Mentoren einmal zu schlagen? Denn genau das hat er sich für das kommende Jahr fest vorgenommen.

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