Ralf Beduhn befasst sich während eines Vortrags mit der Programmatik der Partei

Kritik an der AfD: „Die Menschen werden nach Nützlichkeit sortiert“

Kreszentia Flauger von der Linken begrüßte den Referenten Ralf Beduhn zum Vortrag über die Programmatik der AfD. - Foto: an

Wildeshausen - Unter dem Titel „Reichenförderung statt Armutsbekämpfung. Informationen zur Programmatik der AfD“ hielt Ralf Beduhn am Freitagabend einen Vortrag im Wildeshauser Hof, den rund 20 Interessierte besuchten. Organisiert hatten die Veranstaltung der Kreisverband Oldenburg Land der Partei „Die Linke“ sowie die Kommission „Courage gegen Rechts“ des Landesverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Beduhn beschäftigt sich seit ihrer Gründung im Jahr 2013 intensiv mit der AfD, ihren Funktionären und ihrem Parteiprogramm. Aufklären will er unter anderem darüber, dass die AfD keineswegs „Politik für die kleinen Leute“ mache. Vielmehr handle sie im Interesse der Reichen und Superreichen – und treibe die soziale Spaltung der Gesellschaft weiter voran.

Zur Veranschaulichung führte Beduhn einige Beispiele aus dem Wahlprogramm der AfD an: „Sie will den Spitzensteuersatz für die Reichen massiv senken, nämlich von aktuell 42 auf 25 Prozent.“ Weiterhin lehne die Partei die Erbschaftssteuer und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer für die oberen ein Prozent der Superreichen ab. Selbst die Gewerbesteuer für die Kommunen wolle die AfD auf den Prüfstand stellen.

Die durch die Mindereinnahmen entstehenden Löcher müssten die „kleinen Leute“ stopfen. Es käme zu erheblichen Steuererhöhungen für Normalverdiener. Gleichzeitig lehne die AfD die Rente mit 63 nach 45 Jahren Berufstätigkeit ab, ebenso die Zuschläge für Kindererziehungszeiten. „Die Menschen werden nach Nützlichkeit sortiert“, analysierte Ralf Beduhn.

Ebenfalls ging er auf die Energie- und Klimapolitik der AfD ein. Auch dabei zitierte Beduhn aus dem Programm der Partei. Die AfD leugne den Klimawandel und sogar den schädlichen Einfluss von CO2 auf die Umwelt. Vielmehr fördere CO2 das Pflanzenwachstum und habe damit „eine positive Wirkung auf die Welternährung“. „Das ist doch genauso verquer, als würde heute jemand behaupten, die Erde sei eine Scheibe“, meinte Beduhn. Die AfD behaupte: „Ein Einfluss auf das Klima ist nicht möglich“, „Klima kann ebenso wenig wie das Wetter geschützt werden“ und „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit“. Der Klimaschutz beschränkt laut AfD „die Freiheit der Menschen“.

Beduhn führte aus, dass die Partei mit dieser Politik eine starke Lobby vertrete: Nämlich die Interessen großer, weltweit agierender Konzerne, die in den Bereichen fossiler Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle oder Atomkraft tätig sind. Abseits der Forschung, die katastrophale Auswirkungen für die weltweite Landwirtschaft voraussagt, wenn das Weltklima sich noch um weitere zwei Grad erwärmt, würden von dieser Seite Gelder zur Verfügung gestellt, um Klimawandel-Leugner zu unterstützen, informierte Beduhn.

Unter anderem ging Beduhn außerdem auf sexistische Wahlkampf-Werbung der AfD sowie auf ganz öffentlich ausgesprochene frauenfeindliche Äußerungen und Witze seitens lokal und regional bekannter AfD-Mitglieder ein. - an

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