Fallzahlen im Landkreis Oldenburg zwar rückläufig, doch Aufklärungsquoten sinken leicht

Kriminalstatistik: „Historischer Tiefstand“

Kriminalstatistik 2019: Die Anzahl der Straftaten in den einzelnen Deliktfelder nahm ab. Symbolotos: dpa(3)/Polizei

Delmenhorst/Landkreis – Eine konstant hohe Aufklärungsquote, so wenig Straftaten wie seit zehn Jahren nicht mehr und eine deutlich gesunkene Wahrscheinlichkeit für die Einwohner, Opfer einer Straftat zu werden – das vermeldet die Polizeiinspektion (PI) Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch in der am Dienstag veröffentlichen Kriminalstatistik für das vergangene Jahr. „Der Trend der sinkenden Fallzahlen setzt sich auch in diesem Jahr in nahezu allen Deliktsbereichen fort. Das betrifft auch den Wohnungseinbruchdiebstahl, der für die betroffenen Menschen stets sehr belastend ist“, fasst der Leitende Kriminaldirektor Jörn Stilke, Inspektionsleiter der PI, die Auswertung zusammen.

Demnach sei die Gesamtzahl der in dem Bereich registrierten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 6,01 Prozent auf 15 538 Straftaten zurückgegangen. Betrachte man die vergangenen zehn Jahre, befinde sich die Gesamtzahl der Straftaten sogar auf „einem historischen Tiefstand“, so Stilke weiter. Die Aufklärungsquote liegt für das Jahr 2019 mit 64,67 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau. Dieser Indikator spiegelt das Verhältnis zwischen den Gesamtfallzahlen und den Fällen wider, in denen mindestens ein Tatverdächtiger ermittelt worden ist. Der Landesdurchschnitt betrage 63,44 Prozent und markiere in dem genannten Zeitraum seinerseits den zweithöchsten Wert.

Im Landkreis Oldenburg sind laut Statistik zwar ebenfalls die Anzahl der Delikte 5 554 (2018: 6 019), aber auch die Aufklärungsquote gesunken: 60,53 Prozent gegenüber 61,74 Prozent im Vorjahr. Damit ist dieser Wert zum ersten Mal seit 2016 wieder rückläufig.

„Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, ist im Jahr 2019 weiter deutlich gesunken. Darüber freue ich mich besonders. Denn dies bedeutet, dass die Menschen nicht nur in der Stadt Delmenhorst, sondern auch in den Landkreisen Oldenburg und Wesermarsch sicher leben können“, betont der Inspektionsleiter. Grundlage dafür sei die „Häufigkeitszahl“, die Anzahl der festgestellten Straftaten pro 100 000 Einwohner. Sie sei ein wesentlicher Anzeiger für die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden. Dieser Quotient sank PI-weit von 5 576 Taten auf 5 243 Taten pro 100 000 Einwohner, was einer Reduzierung um 5,97 Prozent entspreche.

Im Landkreis Oldenburg ist die Häufigkeit ebenfalls rückläufig: Waren es 2018 noch 4 633 Taten, sank der Wert laut Statistik im vergangenen Jahr auf nur 4 268. Der Landesdurchschnitt liegt bei 5 286 Vorfällen.

. Eigentumsdelikte

„Besonders erfreulich ist für uns der Rückgang im Bereich der Wohnungseinbruchdiebstähle. Diese Taten sind für die betroffenen Menschen besonders schlimm, weil in ihre Privatsphäre eingedrungen wird“, sagt Polizeirat Andre Wächter, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes bei der Polizeiinspektion.

Hatte es im Jahr 2018 im Zuständigkeitsbereich der PI noch insgesamt 452 Wohnungseinbrüche gegeben, sank die Zahl im Jahr 2019 auf insgesamt 393 Fälle. Dies entspricht einem Rückgang um 13,05 Prozent. Auf den Landkreis Oldenburg entfielen davon 133 Taten, von denen lediglich 18 aufgeklärt werden konnten. Das entspricht einer Quote von 13,53 Prozent (2018: 190 Delikte mit einer Quote von 24,74 Prozent).

Für die Gesamtzahl der Eigentumsdelikte weist das Zahlenwerk kreisweit eine Verringerung von 1 950 auf 1 655 Taten aus, doch auch sank die Aufklärungsquote, von 31,49 Prozent im vorvergangenen Jahr auf 27,98 Prozent.

. Rohheitsdelikte

In diesem Bereich (der unter anderem Körperverletzungen, Bedrohungen und Nötigungen umfasst) lobt Stilke in der Präsentation den hohen Grad der Aufklärung, der 2019 insgesamt bei insgesamt 91,79 Prozent lag. „Wir senden so den Menschen das Signal, dass diese gegen sie persönlich gerichtete Taten, besonders selten unaufgeklärt bleiben“, unterstreicht er. Mit 2 508 Fällen blieb das Aufkommen insgesamt nahezu konstant (minus 34). Im Kreisgebiet ist die Anzahl hingegen auf 878 merklich angestiegen (2019: 829). Im Gegenzug ist die Quote der aufgeklärten Delikte allerdings auf 89,64 Prozent gesunken (2018: 91,31).

. Rauschgiftkriminalität

„Rauschgiftkriminalität wird weiterhin konsequent verfolgt“, kommentiert Wächter dieses Feld. Die Fallzahlen sanken im Vergleich zum Vorjahr um 26 Delikte auf 1248 Fälle. Die Aufklärungsquote lag dabei im Jahr 2019 bei 97,6 Prozent. Im Oldenburger Land waren weniger Taten aufgefallen – 345 statt zuvor 375 – dennoch stieg dort die Ermittlung leicht auf 97,1 Prozent an (2019: 96,8).

. Gewalt gegen Polizisten

„Erfreulicherweise konnten im Jahr 2019, bei einer Aufklärungsquote von 100 Prozent, alle Straftaten in diesem Bereich aufgeklärt werden“, stellt PI-Leiter Stilke zu diesem Punkt fest. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Anzahl der Delikte gleichwohl relativ konstant. In der Inspektion gab es im Jahr 2019 insgesamt 35 Vorfälle (2018: 37), bei denen Beamte durch einen tätlichen Angriff (etwa eine Körperverletzungshandlung) verletzt wurden. Widerstand gegen die Vollzugsbeamten kam 26 Mal vor (2018: 23 Taten). Bedroht oder genötigt wurden Polizeibeamte in neun Fällen (2018: sieben). Das sind in 2019 insgesamt 70 Ereignisse (2018: 67). Der Landkreis Oldenburg steuert zu diesem Bereich 22 Taten bei (soviel wie im Vorjahr). Sie teilen sich in zwölf tätliche Angriffe, sieben Mal Widerstand sowie drei Mal Bedrohung oder Nötigung auf.

. Cybercrime

Die Fallzahlen im Bereich der Internetkriminalität blieben im Vergleich zum Vorjahr weitgehend konstant. Im Jahr 2019 verzeichnete die Polizeiinspektion 1 243 Delikte und somit 72 Taten mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist um mehr als sieben Prozent auf 86,08 Prozent angestiegen. 314 Taten waren es im Landkreis (2018: 310).

.  Tatverdächtige

Die Zahl der minderjährigen und heranwachsenden Tatverdächtigen, das heißt, bis zu einem Alter zwischen 21 Jahren, nehme eine „leicht positive“ Entwicklung, heißt es in der Auswertung der Kriminalstatistik abschließend. Diese Gruppe habe sich um 115 auf 1 669 Fälle im Jahr 2019 reduziert. Insgesamt waren 692 Tatverdächtige Heranwachsende, 692 jugendlich und 248 Kinder. Die Statistik weist eigens den Anteil an Asylbewerbern aus: Im Bereich des Polizeikommissariats Wildeshausen war diese Gruppe demnach an 5,1 Prozent der Taten beteiligt, im Jahr zuvor an 6,84 Prozent.

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