Bei der Neuordnung des Innenstadtverkehrs treten Verwaltung und Politik auf der Stelle

Kriechgang statt Überholspur

Nicht immer optimal fließt der Verkehr auf der Huntestraße in Wildeshausen. Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Verkehrsführung in Wildeshausen wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Und seit Jahren passiert speziell in der Innenstadt wenig. Dabei bleibt es auch erst einmal, denn Bürgermeister Jens Kuraschinski bat im Ausschuss für Stadtentwicklung am Mittwochabend um Geduld. „Geben Sie uns noch ein bisschen mehr Zeit, bis wir harte Fakten zu den Verkehrsflüssen haben“, appellierte er an die Politik. Nach einer intensiven Debatte folgte diese dem Bürgermeister einstimmig. Die Einschätzung des Ingenieurbüros Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV) in Hannover soll abgewartet werden. Dabei geht es um veränderte Rahmenbedingungen wie die Verlegung der Agentur für Arbeit in die Halle am Bahnhof, den Wegfall des Parkplatzes bei Burmeister an der Kokenstraße, neue „Bike+Ride-Anlagen“ in der Stadt und die Verlegung der St.-Peter-Schule an die Heemstraße.

Zur Erinnerung: Bisher sind dieses Jahr insgesamt sechs Anträge von CDU, CDW und FDP eingegangen, die sich mit dem Verkehr beschäftigen. Der Antrag der CDU, den Verkehrsentwicklungsplan von 2016 fortzuschreiben und Einbahnstraßenregelungen in der Innenstadt zu prüfen, datiert vom Februar dieses Jahres. Neun Monate später hat die Verwaltung zwar „konzeptionelle Vorüberlegungen“ angestellt (wir berichteten), diese aber nicht öffentlich vorgestellt. Auch die Ratsfraktionen haben keine schriftlichen Infos erhalten.

Kuraschinski warb um Verständnis für die behutsame Vorgehensweise der Verwaltung. „Einige Akteure fühlen sich schnell auf den Schlips getreten.“ Gleichzeitig wehrte er sich gegen den Vorwurf, intransparent zu arbeiten. Es habe eine einheitliche Informationspolitik für den Handels- und Gewerbeverein sowie die Politik gegeben. Dass die Öffentlichkeit dabei bisher außen vor gelassen wurde, ließ Kuraschinski unerwähnt. Das Thema sei nicht beratungsreif, werde aber zu gegebener Zeit öffentlich vorgestellt, versicherte er im Nachgang.

Rainer Kolloge (UWG) zeigte teilweise Verständnis angesichts des „unheimlich sensiblen Themas“, bei dem es „eine für alle zufriedenstellende Lösung nicht geben wird“. Dennoch wäre es ihm ganz recht, wenn die Stadt ihre Überlegungen öffentlich machen würde.

Wolfgang Sasse (CDU) drängte auf eine schnelle Lösung. „Wir müssen doch jetzt gucken, und das zügig. Und nicht erst 2020 anfangen.“ Das Fahrradfahren sei in der Stadt inzwischen dermaßen gefährlich, er traue es sich gar nicht mehr. Sasse forderte die Verwaltung auf, die Verkehrsteilnehmer auf der Wester- und der Huntestraße intensiv darauf hinzuweisen, dass Autos, Fußgänger und Radfahrer gleichberechtigt seien. „Lasst uns diese Straßen zurückerkämpfen!“ Auch Jens-Peter Hennken (CDW) drückte auf die sprichwörtliche Tube. „Das endgültige Verkehrskonzept wird ja wohl am ersten Tag, an dem die St.-Peter-Schüler in der Hunteschule sind, fertig sein. 2020 oder 2021 muss gebaut werden.“

Anschließend ging es um einzelne Punkte aus dem Paket der sechs Anträge. So will die CDU, dass der Lampenweg ausgebaut wird, um den Schulweg für Kinder und Jugendliche aus den neuen Baugebieten „Vor Bargloy“ sicherer zu machen. Die CDW schlägt mit demselben Zweck alternativ einen parallel dazu verlaufenden Fußgängerweg am Bargloyer Weg vor.

Kreszentia Flauger (Linke) wehrte sich gegen die Umsetzung einzelner Punkte. „Ich wünsche mir ein Gesamtkonzept, um Wechselwirkungen zwischen den Anträgen zu berücksichtigen.“

Beide Vorhaben müssten aus dem Paket rausgezogen und jetzt behandelt werden. Schließlich gehe es um die Sicherheit der Bürger, widersprach Hennken vehement.

Baudezernent Manfred Meyer informierte, dass die Stadt Grundstücke für den Ausbau des Lampenwegs gekauft hat, er aber abwarten möchte, bis das nebenan geplante Regenrückhaltebecken fertig ist. „Sonst fahren wir uns den Weg gleich wieder kaputt.“ Was den Bargloyer Weg angeht, sieht er schwarz. „Die Flächen sind nicht verfügbar.“

Evelyn Goosmann (SPD) wertete die Diskussion über einzelne Anträge als „überflüssiges Theater“, denn die Verkehrsplanung „läuft doch schon“. Bleibt abzuwarten, mit welchen Ergebnissen die Planer vorstellig werden.

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