Umweltausschuss debattiert intensiv 

Kreis soll Konzept zum Schutz von Bienen erstellen

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Vorschläge zum Schutz von Bienen, die am Dienstagabend während der Sitzung des Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschusses im Kreishaus aufkamen, sind vielfältig. Die Politik, die sich bei der Bewertung der einzelnen Maßnahmen nicht immer grün war, beauftragte nach anderthalbstündiger Debatte schließlich die Kreisverwaltung damit, ein Konzept zu erstellen.

Zum Maßnahmenpotpourri gehören: Beratung für Hausbesitzer, die ihren Garten bienenfreundlich gestalten (Johannes Hiltner/Grüne), Abgabe kostenloser Pflanzen, die Nahrung für Bienen bieten, an Kreiseinwohner (Arnold Hansen/Freie Wähler), ein Mustergarten für den ganzen Landkreis (Heike Burghardt/SPD), weitere 10.000 Euro fürs Anlegen von Blühstreifen (Sonja Plate/CDU) und mehr Verkrautung, sprich weniger Mähen von Wegeseitenrändern (Andrea Oefler/SPD).

An gutem Willen, die Lebensumstände der Bienen zu verbessern, mangelt es also nicht. Wie es um die Tiere bestellt ist, zeigten Vorträge von Uwe Endesfelder (Beraternetz Hautflügler), Wulf Carius (BUND-Hof Wendbüdel) und Kristin Böhm (Nabu Oldenburg). Ein großes Problem für die Wildbienen ist die frühe Rapsblüte. Dadurch vergehen vier, fünf Wochen im Sommer, während der die Tiere keine Nahrung finden. Imker füttern deswegen zu. Vor diesem Hintergrund stellte Endersfelder fest: „Die größten Probleme macht uns die Landwirtschaft.“

Landvolk lässt Vorwurf nicht auf sich sitzen

Das wollte Franz-Josef Dasenbrock (Kleinenkneten), Landvolk-Vertreter im Ausschuss, so nicht auf sich sitzen lassen. „Umso eher der Raps blüht, desto eher fallen die Schoten ab. Das wollen wir gar nicht und liegt eher am Klimawandel.“ Er erkundigte sich, was Bauern tun können, um Bienen zu unterstützen. Laut Eva-Maria Langfermann, Leiterin des Kreis-Amts für Naturschutz, gibt es bei den Blühstreifen Samenmischungen, die zwar schöne Blumen wachsen lassen, aber keine Nahrung für Bienen bieten. Andere Mischungen täten dies schon, seien aber auch deutlich teurer.

Endersfelder und seine ehrenamtlichen Kollegen beraten Bürger, die ein Problem mit Bienen, Hornissen, Hummeln oder Wespen haben. Der Klassiker ist das Nest auf dem eigenen Grundstück. In den meisten Fällen gelingt es dem Wildeshauser, die Betroffenen davon zu überzeugen, die Tiere nicht zu vertreiben. Ansonsten hat er auch Umsiedlungen im Repertoire, die jedoch nicht immer ganz einfach sind. Die Nummern der Berater sind bei Polizei, Feuerwehr und in den Rathäusern hinterlegt.

Carius informierte darüber, dass die Wildeshauser Geest eigentlich ein klassischer Wildbienenstandort sei. Mittlerweile gebe es jedoch nur noch einige Habitate zum Beispiel am Steilufer der Hunte und auf dem Pestruper Gräberfeld. Auf dem BUND-Hof in Klein Henstedt gibt es diverse Anstrengungen, um mehr Tiere anzusiedeln.

Böhm stellte ihren „Plan Bee“ vor. Bei dem Nabu-Vorhaben geht es darum, im Siedlungsbereich Wohnraum für Bienen zu schaffen. Bisher sind zwei Projektphasen in Oldenburg gelaufen.

Das Schlusswort – die Politiker hätten noch weiter diskutiert, wenn Vorsitzender Günter Westermann (CDU/Ganderkesee) nicht die Rednerliste geschlossen hätte – sprach der Kirchhatter Kreis- und Landtagsabgeordnete Axel Brammer (SPD): „Wenn man in den 1970er-, 80er-Jahren abends nach Hause kam, war die Windschutzscheibe voller Insekten. Das ist heute nicht mehr so. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren 80 Prozent unserer Insekten verloren.“

Rubriklistenbild: © dpa

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